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Das große ‘Aber’ in der Weltwirtschaft: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Mark Schrörs über ‘eigentlich’ gute Aussichten. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages und erhalten Sie Sonntags das Hauptstadtgeflüster direkt in Ihre Mailbox.

Weitere Artikel von Bloomberg auf Deutsch:

Neue Wolken über der Konjunktur

Eigentlich stehen die Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank sowie das Treffen der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in dieser Woche in Washington unter keinem allzu schlechten Stern: Die Hoffnung auf eine “sanfte Landung” der Weltwirtschaft hat in den vergangenen Monaten zugenommen – nicht zuletzt dank der überraschend robusten US-Konjunktur. IWF-Chefin Kristalina Georgiewa hat angedeutet, dass der Fonds am Dienstag seine globale Wachstumsprognose von 3,1% im Jahr 2024 leicht anheben könnte.

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Unmittelbar vor Beginn der Treffen haben jedoch vor allem zwei Entwicklungen negativ aufhorchen lassen: Zum einen hat in der vergangenen Woche die US-Inflation erneut die Erwartungen übertroffen. Das schürt Sorgen, dass die Fed die Leitzinsen nicht so schnell senken kann wie lange gedacht – und damit auch anderswo der geldpolitische Handlungsspielraum eingeschränkt ist. Nicht zuletzt hatte die Aussicht auf niedrigere Zinsen Konjunkturhoffnungen befeuert.

Zum anderen hat der beispiellose Drohnen- und Raketenangriff des Iran auf Israel am Wochenende die Gefahr einer Eskalation im Nahen Osten verdeutlicht – und generell das Thema geopolitischer Risiken wieder stärker ins Bewusstsein gebracht. Wenn man noch an den Ukraine-Krieg, die hohe globale Verschuldung oder den Trend zur Abkehr von der Globalisierung denkt, wird deutlich, warum Georgiewa, die sich gerade eine zweite Amtszeit gesichert hat, zugleich vor einem “enttäuschenden Jahrzehnt” warnt.

Hinter dem “Eigentlich” steht also — wie so oft — wieder ein großes “Aber”.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Alexander Kell und Stephan Kahl: Alle gegen Peking, Hindenburg zerschellt, LBBW entdeckt Bitcoin, Luxus kehrt zurück, und eingepreiste Sorgen.

Alle gegen Peking

Erst die US-Finanzministerin, jetzt der deutsche Bundeskanzler: Die großen Handelspartner Chinas erhöhen den Druck auf das Reich der Mitte, faire Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten. Vor seinen morgigen Treffen mit den Spitzen der chinesischen Führung steckte Olaf Scholz vor Ort schon einmal das Terrain ab: “Das Einzige, was immer klar sein muss, dass der Wettbewerb fair sein muss”, dozierte er während einer Diskussion mit Studenten der Tongji-Universität in Schanghai. “Also, dass es kein Dumping gibt, dass es keine Überproduktion gibt, dass man keine Urheberrechte beeinträchtigt”. Bei einem Gespräch zum Thema Überkapazitäten mit einem örtlichen KP-Generalsekretär in Chongqing wurden entsprechende Sorgen der Deutschen ins Reich der Fake News verwiesen. Kürzlich hatte auch US-Finanzministerin Janet Yellen Peking aufgefordert, die Industrieproduktion zu drosseln, da chinesische Fabriken mehr produzierten, als die Welt verkraften könne. Der Regierung warf sie eine “unfaire” Behandlung von US-Firmen vor. Bei dem vom iranischen Angriff auf Israel überschatteten Besuch des Kanzlers geht es auch um Geopolitik, darunter die indirekte Unterstützung Chinas für Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Hindenburg zerschellt

Zwei Monate nachdem der Leerverkäufer Hindenburg Research das Anlegervertrauen in die Schweizer Temenos erschüttert hat, sieht sich der Banksoftware-Entwickler von den Vorwürfen entlastet. “Hindenburg hat eine Reihe von unzutreffenden und irreführenden Behauptungen über Temenos und seine Buchhaltung, Produkte und Kundenbeziehungen aufgestellt”, heißt es im heute vorgelegten Bericht eines Sonderausschusses zur Aufklärung der Lage. Hindenburg hatte erklärt, das Temenos-Managament habe Verträge rückdatiert und sei Scheinpartnerschaften eingegangen. Es habe Umsätze verschoben und Forschungsausgaben erfunden. Dabei war auf Interviews mit “25 früheren Mitarbeitern, darunter hochrangige Führungskräfte” verwiesen worden. Die Temenos-Aktie schnellte am Montag um knapp 20% hoch auf zeitweise 73,50 Franken. Am 15. Februar waren die Titel in Reaktion auf den Hindenburg-Bericht um 28% auf 63,54 Franken gefallen. Vergangenes Jahr hatte Hindenburg das Konglomerat des indischen Multimilliardärs Gautam Adani mit dem Vorwurf von Bilanzbetrug ins Visier genommen. Die Adani Group bestreitet die Anschuldigungen, die Aktie hat den Großteil des Kursverlusts inzwischen wettgemacht.

LBBW entdeckt Bitcoin

Findet im deutschen Sparkassensektor ein Umdenken beim Thema Handel und Verwahrung von Kryptomünzen wie Bitcoin statt? Diesen Eindruck legt zumindest eine Meldung der LBBW vom Montagmorgen nahe. Die Landesbank, zu deren Eigentümern auch Sparkassen zählen, will ihren Unternehmenskunden künftig nämlich genau solche Dienstleistungen anbieten. Das lässt aufhorchen, hatten doch wichtige Vertreter des Sparkassensektors in der Vergangenheit klar gegen Kryptomünzen Stellung bezogen. Ulrich Reuter, einst Präsident der bayerischen und heute der bundesweiten Sparkassen, bezeichnete Kryptomünzen vor zwei Jahren gar als etwas, was an ein “Schneeballsystem” erinnere. Während der genossenschaftliche Bankensektor das Thema von Anbeginn offen begleitete und noch in diesem Jahr sogar ein Angebot für Privatkunden starten will, erkennen nun offenbar auch Teile des Sparkassensektors, dass man sich Bitcoin & Co. nicht ganz verschließen kann. Bitcoin hat sich von dem heftigsten Ausverkauf seit mehr als einem Jahr im Zuge der Eskalation im Nahen Osten erholt und notierte zuletzt bei 66.525 Dollar.

Luxus kehrt zurück

So manche Gewissheit beim Supermarktbesuch wird heutzutage erschüttert, und die Verfügbarkeit preiswerter Schokolade gehört nun auch dazu. Widriges Wetter und Pflanzenkrankheiten in den Kakaoanbaugebieten haben den Erzeugern so zugesetzt, dass die weltweite Produktion in dieser Saison voraussichtlich um 11% zurückgehen wird. Die schlechten Ernten in Westafrika haben das Angebot des Schokolade-Rohstoffs stark verknappt und die Terminpreise auf über 10.000 Dollar pro Tonne katapultiert. “Schokolade wird in Zukunft eher ein kleiner Luxus sein”, sagt Schokoladensommelière Karin Steinhoff, die für den rheinischen Premium-Schokohersteller Georgia Ramon arbeitet. Der Anstieg der Kakaopreise treibt womöglich einige Hersteller in den Ruin und die Konsolidierung der Branche weiter voran. Anfang des Jahres meldete die deutsche Süßwarenfirma Hussel erneut Konkurs an, weil die Kosten für Rohstoffe und Arbeitskräfte in die Höhe schnellten. Selbst Barry Callebaut, der weltweit größte Hersteller von Massenschokolade, hat mit den steigenden Kakaopreisen zu kämpfen. Der Börsenwert des Schweizer Unternehmens ist in den vergangenen 12 Monaten um fast ein Drittel gesunken.

Eingepreiste Sorgen

Der Ölmarkt scheint die Vergeltungsschläge zu ignorieren, mit denen Teheran auf den israelischen Raketenangriff auf die Botschaft in Syrien reagiert hat. Der Preis der Nordsee-Sorte Brent fiel heute in London um bis zu 1,4% und unterschritt damit wieder die 90-Dollar-Marke. Am Wochenende hatte der Iran mehr als 300 Raketen und Drohnen abgefeuert und damit zum ersten Mal Israel vom eigenen Boden aus angegriffen. Die meisten Geschosse konnten jedoch abgefangen werden. “Der Krieg könnte sich auf der Eskalationsleiter nach unten bewegen, wenn die israelische Regierung dem Rat des Weißen Hauses folgt und auf Vergeltungsmaßnahmen verzichtet”, hieß es in einer Analyse von RBC Capital. Societe Generale hält eine unmittelbare und substanzielle israelische Reaktion für unwahrscheinlich, “da sie ohne die Unterstützung der USA nur schwer zu bewerkstelligen wäre.” Der Goldpreis kletterte am Freitag erstmal über die Marke von 2.400 Dollar je Unze, fiel später aber unter das Vortagesniveau zurück. Zuletzt notierte Bullion bei 2.351 Dollar. Mit Blick auf die erwarteten US-Zinssenkungen sieht Goldman Gold indes im “unerschütterbaren Bullenmarkt” und hebt das Jahresend-Ziel auf 2.700 Dollar.

Was sonst noch passiert ist

  • Neue Büros

  • Einspar-Rücklagen

  • Vorgezeichneter Zinspfad

--Mit Hilfe von Boris Groendahl.

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