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Großbritannien vereinbart Handelsabkommen mit Kanada

Volkery, Carsten
·Lesedauer: 3 Min.

Mit dem vorläufigen Abkommen wird der Weg für weitere Verhandlungen geöffnet. Premier Johnson sieht es als Schritt zum Beitritt zur Transpazifischen Partnerschaft.

Im Oktober hat Großbritannien bereits ein Abkommen mit Japan auf den Weg gebracht. Foto: dpa
Im Oktober hat Großbritannien bereits ein Abkommen mit Japan auf den Weg gebracht. Foto: dpa

Großbritannien kann nach dem Brexit zu den gleichen Konditionen mit Kanada handeln wie vorher. Der britische Premierminister Boris Johnson und sein kanadischer Kollege Justin Trudeau vereinbarten am Samstag in einer Videoschalte ein vorläufiges Freihandelsabkommen, das die Vorteile des EU-Kanada-Abkommens Ceta fortschreibt.

Der Deal sichere den transatlantischen Handel mit einem der engsten Verbündeten, sagte Johnson. Die britische Handelsministerin Liz Truss schrieb im „Daily Telegraph“, die Einigung bringe Großbritannien einen Schritt näher an die Transpazifische Partnerschaft (TPP), eine Handelsallianz aus elf Ländern im pazifischen Raum. Im Oktober hatte Großbritannien bereits ein Handelsabkommen mit dem TPP-Mitglied Japan unterzeichnet.

Mit dem Ende der Brexit-Übergangsperiode am 31. Dezember verlieren alle EU-Handelsabkommen mit Drittländern ihre Gültigkeit im Königreich. Die Regierung ist deshalb seit zwei Jahren dabei, diese Verträge bilateral neu zu verhandeln. Bisher wurden 53 Verträge verlängert, mehr als ein Dutzend fehlen noch. Es ist unklar, ob die Zeit bis Jahresende ausreicht.

Das Abkommen mit Kanada ist nur ein Platzhalter. Ab dem kommenden Jahr soll ein maßgeschneidertes langfristiges Abkommen ausgehandelt werden. Großbritannien hofft, zusätzliche Vorteile für Dienstleister zu erhalten. Man wolle das Land zum „weltweit führenden Drehkreuz für Dienstleistungen, Daten und Digitalisierung“ machen, erklärte Truss. Laut Trudeau können diese Verhandlungen mehrere Jahre dauern.

Die Möglichkeit, eigene Handelsabkommen abzuschließen, führen die Brexit-Verfechter seit Jahren als eines der zentralen Argumente für den Ausstieg aus der EU an. Premier Johnson will Großbritannien künftig als Vorreiter für den Freihandel und eine starke Welthandelsorganisation (WTO) positionieren.

Wirtschaftsverbände begrüßten Kontinuität im transatlantischen Handel

Kritiker hingegen wenden ein, dass der Handel mit weit entfernten Ländern nicht die Verluste aufwiegt, die der Austritt aus dem europäischen Binnenmarkt und der Zollunion mit sich bringt. Das Kanada-Abkommen und selbst ein möglicher Beitritt zu TPP seien Deals mit begrenzter Wirkung für die britische Wirtschaft, warnte die Handelsexpertin Anna Jerzewska auf Twitter.

Laut Ökonomen wird der Brexit die britische Wirtschaft langfristig mehrere Prozentpunkte Wachstum kosten. Selbst ein Handelsdeal mit der Supermacht USA würde hingegen die Wirtschaftsleistung gerade mal um 0,16 Prozentpunkte steigern, so die Eigenschätzung der Regierung.

Im Fall von Kanada belaufen sich die britischen Exporte auf elf Milliarden Pfund im Jahr. Zum Vergleich: In die EU exportieren britische Firmen jedes Jahr Güter und Dienstleistungen im Wert von knapp 300 Milliarden Pfund.

Britische Wirtschaftsverbände begrüßten die Kontinuität im transatlantischen Handel. Zugleich erinnerten sie daran, dass es dringend notwendig sei, ein Abkommen mit der EU abzuschließen.

Die Gespräche zwischen EU-Chefunterhändler Michel Barnier und seinem britischen Gegenüber David Frost gehen diese Woche weiter. Teilnehmern zufolge sind 95 Prozent des Vertragstexts vereinbart. Man mache große Fortschritte, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Freitag. Doch blieben „noch etliche Meter bis zur Ziellinie“. Es hakt weiterhin bei den Streitpunkten Fischerei, Staatshilfen und Kontrollmechanismus.