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Green Generation Fund: "Wir wollen nicht in Schönheit sterben"

Seriengründerin Janna Ensthaler (l.) und Investorin Manon Littek haben sich für ihren eigenen Fonds zusammengeschlossen. - Copyright: Green Generation Fund
Seriengründerin Janna Ensthaler (l.) und Investorin Manon Littek haben sich für ihren eigenen Fonds zusammengeschlossen. - Copyright: Green Generation Fund

Wie aus dem Nichts präsentierten im Sommer 2022 zwei bekannte Szene-Frauen ihren neuen Fonds: Janna Ensthaler, Gründerin des Kosmetik-Startups Glossybox, und Manon Littek, einstige Chefin von Greenfood, dem VC-Arm des Süßwarenherstellers Katjes. Mit 100 Millionen Euro Startkapital statteten Geldgeber den Green Generation Fund aus.

Ensthaler, die in der nächsten Staffel der TV-Show "Die Höhle der Löwen" als Jurorin gehandelt wird, und Littek haben vor 20 Jahren zeitgleich an der britischen Elite-Universität Oxford studiert und sind seither befreundet. 2021 waren beide an einem Punkt, etwas Neues machen zu wollen, wie die Investorinnen im Gründerszene-Interview erzählen. Ziel: Den Klimaschutz fördern. Also schlossen sie sich zusammen und gründeten Green Generation Fund.

Millionen für den Klimaschutz

An ihrem ersten Fonds beteiligten sich nicht nur namhafte Gründerinnen wie Lea-Sophie Cramer (Amorelie), Verena Pausder und Delia Lachance (Westwing), sondern auch Family Offices und Dachfonds wie Equation, der Europäische Investitionsfonds (EIF) und KfW Capital.

Mittlerweile besteht das Team aus sieben Mitarbeitenden. Der Berliner VC steigt bei Startups in der frühen Phase ein und gibt im Schnitt 1,5 Millionen Euro aus. Zehn Beteiligungen sind bereits in das Portfolio gewandert, darunter die pflanzliche Ei-Alternative Neggst, die Landwirtschafts-App Klim und One.Five mit seinen Öko-Verpackungen.

Vor euch sind schon andere Greentech-Fonds in Deutschland gestartet. Wie unterscheidet ihr euch?

Littek: Wir gehen ausschließlich Performance-orientiert vor und sind davon überzeugt, dass wir so auch den höchsten Impact erzielen können. Nicht andersherum. Ein Drittel unseres Carrys, also unserer Gewinnbeteiligung, ist dennoch an Impact-KPIs geknüpft. Wir glauben, dass wir die großen Themen der nächsten Jahre, Klimawandel sowie Nahrungs- und Energiesicherheit, nur mit Innovationen lösen können und konzentrieren uns daher auf wissenschaftliche Durchbrüche. Wir haben eine starke Expertise in Foodtech und Greentech, aus unserer Sicht die zwei wichtigsten Ökosysteme. Zudem haben wir im Duo als Serien-Unternehmerin und Investorin viel Erfahrung.

Was sind denn eure Impact-KPIs?

Littek: Das große Thema ist CO₂-Reduktion. Des Weiteren schauen wir auf Themen wie zum Beispiel Ressourcenoptimierung und Gesundheitsförderung. Und dann gibt es noch mehrere andere Kriterien, in denen wir aber nicht quantitativ gemessen werden. Diese Faktoren tracken und reporten wir zusätzlich.

Melina Sanchez Montanes
Melina Sanchez Montanes

Wie messt ihr diese Kennzahlen?

Littek: Bei unserem Ei-Ersatz-Startup Neggst schauen wir zum Beispiel darauf, welches Potenzial pflanzliche Ei-Alternativen bei den Konsumenten haben, tierische Produkte zu ersetzen und achten auf den Wasserverbrauch bei der Produktion, die CO₂-Emissionen, Tierschutz und so weiter, und vergleichen all diese Kriterien mit einem Hühnerei.

Es geht also in erster Linie darum, wie nachhaltig das Produkt ist, und nicht, wie das Team arbeitet?

Ensthaler: Ja, hauptsächlich geht es um das Geschäftsmodell. Ich glaube nicht, dass wir die Hand dafür ins Feuer legen können, dass alles immer 100 Prozent perfekt ist. Mit dieser Einstellung würde man auch die ganze Bewegung kaputt machen. Wenn man in Perfektion loslegen möchte, dann wird das nicht klappen. Die Industrie fängt gerade erst an, Impact-KPIs zu messen und diese auch als eine gewisse „Währung“ zu etablieren.

Dass ein Drittel eures Carrys an diese Ziele geknüpft ist – habt ihr das beschlossen oder die Fondsinvestoren?

Ensthaler: Die haben wir uns selbst auferlegt, weil uns das glaubwürdig macht und weil es auch wichtig ist, sich messbar zu machen. Unsere Fondsinvestoren begrüßen das. Es war für die große Mehrheit jedoch nicht das ausschlagende Kriterium, zu investieren.

Bei einem neuen, ersten Fonds sind die Investoren in der Regel zurückhaltender. War das bei euch auch so?

Littek: Nein, das würde ich nicht sagen. Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir hatten gute Referenzen, ein gutes Netzwerk und spannende Investmentthesen. Der erste Abschluss des Fonds war im Oktober 2021, zu dem Zeitpunkt hatten wir ein halbes Jahr Fundraising hinter uns und waren bereits für den First Close überzeichnet.

Am Ende sind es 100 Millionen Euro geworden. Hättet ihr noch mehr kriegen können?

Littek: Die 100 Millionen Euro waren immer unser Ziel. Wir hätten wahrscheinlich noch mehr kriegen können. Aber für einen ersten Fonds war das unsere perfekte Zielgröße.

Ensthaler: Unser Fundraising-Prozess hat nicht einmal ein Jahr gedauert, das ist vergleichsweise schnell. Aber ich finde es wichtig, dass wir uns nun erst einmal auf das Investieren und das Portfolio-Management fokussieren.

Da noch kein Greentech-Fonds seine Laufzeit beendet und die Fondsinvestoren ausbezahlt hat, gibt es entsprechend auch keine Vergleichswerte. Wie sind eure Erwartungen an die Rendite?

Littek: Von den ersten sechs Investments, die wir gemacht haben, gab es bereits bei fünf Startups neue Finanzierungsrunden mit gestiegenen Bewertungen.

Die Rendite von klassischen Tech-VCs liegt bei etwa 20 Prozent. Wie ordnet ihr euch hier ein?

Littek: Wir streben das an, was ein Tech-VC anstrebt.

Achtet ihr darauf, wie nachhaltig eure Co-Investoren sind?

Ensthaler: Nicht unbedingt. Wir nehmen gerne Generalisten und Experten mit dazu, die nicht zwingend aus Nachhaltigkeitsgründen investieren. Das Wissen bringen wir dann ein. Man kann auch in Schönheit sterben, das sollten wir allerdings nicht tun.

100 Millionen Euro ist viel Kapital für einen Frühphasen-Fonds. Wie lange wird das Geld reichen?

Ensthaler: Wir planen mit vier Jahren – plus minus ein Jahr – für unsere Erst-Investments.

Denkt ihr schon über eine zweite Fondsgeneration nach?

Ensthaler: Das ist natürlich das Ziel jeder Venture-Capital-Firma, aber wir fokussieren uns erst einmal auf den aktuellen Fonds.