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Goldbarren in London: Maduro und Guaidó streiten um venezolanisches Gold

·Lesedauer: 4 Min.

Die britische Zentralbank wird in einen Konflikt um die Goldreserven hineingezogen. Der Streit beschäftigt auch die britischen Gerichte.

Ein Gericht soll klären, wer über venezolanische Goldreserven in London verfügen kann. Foto: dpa
Ein Gericht soll klären, wer über venezolanische Goldreserven in London verfügen kann. Foto: dpa

Mitten in der Londoner City, genauer in der Threadneedle Street lagern 400.000 Goldbarren. Sie gehören Regierungen und Unternehmen, die in den Tresoren der Bank of England (BoE) ihre Reserven deponiert haben. Mehr als 200 Milliarden Euro sind sie wert. Verkaufen die Eigentümer Goldbestände, dokumentiert die Bank dies in ihren Computersystemen, die Barren selbst verbleiben physisch meist im Hochsicherheitslager.

Doch manchmal gerät die Zentralbank zwischen die Fronten, wie das aktuelle Beispiel der Goldreserven von Venezuela zeigt. Es geht um die Frage, wer als rechtmäßiger Vertreter des südamerikanischen Staates darüber bestimmen darf, was mit den Edelmetallbarren passieren soll.

Sowohl der sozialistische Machthaber Nicolás Maduro als auch der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó, der von vielen Staaten anerkannt wird, beanspruchen den Zugriff auf Goldreserven im Wert von rund 1,7 Milliarden Euro, die bei der BoE lagern. Der eine, Maduro, will etwas mehr als die Hälfte davon verkaufen. Der andere will die Reserven nicht antasten.

Das Gold gehört der venezolanischen Zentralbank, so viel ist sicher. Die Frage aber, wer der rechtmäßige Vertreter des Instituts ist, beschäftigt seit diesem Sommer britische Gerichte. In der vergangenen Woche hat Maduro nun einen Teilerfolg erzielt.

Ein Berufungsgericht in London verwehrte Guaidó den Zugriff, den ihm im Juli ein anderes Gericht zugesprochen hatte. Das Berufungsgericht urteilte, es müsse zunächst klar sein, auf wessen Seite die britische Regierung stehe. Der Fall geht zurück an den High Court, der nun deutlich machen muss, wen Großbritannien als Regierungschef Venezuelas ansieht und wen nicht.

Großbritannien unterstützt, wie auch Deutschland und rund 50 weitere Staaten, den Oppositionspolitiker Guaidó. Doch im Gegensatz zu anderen Ländern hat die britische Regierung Guaidós Rolle als Interimspräsident zwar anerkannt, es unterhält aber nach wie vor eine Botschaft in Venezuelas Hauptstadt Caracas. Auch Maduros Diplomaten vertreten das Land weiterhin in London.

Diese nicht eindeutige Entscheidung für eine der beiden Seiten sei widersprüchlich und lasse den Schluss zu, dass die Briten Maduro nach wie vor als denjenigen ansehen, der faktisch die Macht ausübe, urteilte das Gericht.

Mittel für Medizinausrüstung dringend benötigt

Venezuela steht seit Jahren politisch, wirtschaftlich und finanziell miserabel da. Die von Manipulationsvorwürfen begleitete Wiederwahl des sozialistischen Präsidenten Maduro im Jahr 2018 löste gewaltvolle Proteste im Land und international Widerspruch aus. Doch trotz der Unterstützung reicher, einflussreicher Staaten ist es Guaidó bisher nicht gelungen, Neuwahlen durchzusetzen oder die Macht zu übernehmen.

Zudem leidet das Land unter einer andauernden Hyperinflation: Laut einem Bloomberg-Bericht will die Notenbank neue 100.000-Bolívar-Scheine drucken. Diese wären gerade einmal 20 Dollar-Cent wert.

Devisen benötigt das Land in der Corana-Pandemie noch verzweifelter als zuvor: Die Versorgung in den Krankenhäusern ist katastrophal, Medikamente fehlen, Stromausfälle lassen Kliniken kollabieren. Maduro verspricht, mit dem Erlös aus dem Goldverkauf Medikamente und humanitäre Güter im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu beschaffen, unter Aufsicht der Vereinten Nationen.

Doch Guaidó glaubt seinem Kontrahenten nicht und bezichtigt ihn, das Geld für ganz andere Zwecke verwenden zu wollen. Guaidós Vertreterin in London, Vanessa Neumann, nannte es ironisch, „dass ein Regime, dem Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden, die britische Gerichtsbarkeit nutzt, um sich auf illegale Weise selbst zu finanzieren“. Guaidó werde juristisch jede Möglichkeit ausschöpfen, um Recht zu bekommen. Die Londoner Anwältin der Maduro-Regierung sagte, ihr Mandant sei „sehr glücklich mit diesem Urteil“.

Deutsche Bank schließt sich Verfahren an

In den Gerichtspapieren taucht überraschend der Name der Deutschen Bank auf. Die schuldet Venezuela noch rund 100 Millionen Euro aus einem früheren Kreditgeschäft. Der Hintergrund: 2019 pfändete die Deutsche Bank laut dem Nachrichtendienst Bloomberg rund 20 Tonnen venezolanischen Golds, weil Venezuela einen drei Jahre zuvor geschlossenen Barkredit über knapp 750 Millionen Euro nicht mehr bedient hatte.

Den Gewinn, den eine Bank mit einer solchen als Sicherheit hinterlegten Goldreserve macht, muss sie dem säumigen Kreditnehmer jedoch zurückzahlen. Der Gegenwert der 20 Tonnen Gold war in der Zwischenzeit um 100 Millionen Euro gestiegen.

Doch wie bei der BoE stellt sich auch die Deutsche Bank die Frage, welche der beiden Regierungen Anspruch auf die 100 Millionen Euro hat. Um eine Antwort darauf zu bekommen, hatte sich die Deutsche Bank im Mai dem BoE-Verfahren angeschlossen. Die Pressestelle in London lehnte einen Kommentar ab.

Dass Venezuela Kreditverträge nicht einhält, ist kein Einzelfall: Wenige Monate vor den Berichten über den Kredit der Deutschen Bank hatte die Citigroup aus dem gleichen Grund bekanntgegeben, Sicherheiten im Wert von 1,4 Milliarden Euro einzubehalten.

Inzwischen gehen Maduro die Goldreserven langsam aus. 2014 waren es noch gut 360 Tonnen, 2019 nur noch 160 Tonnen. Oppositionspolitiker gehen davon aus, dass der Präsident das Edelmetall kontinuierlich gegen Devisen eintauschte, um seine Umverteilungsprogramme aufrechterhalten zu können.

Auf die Vorräte in der Threadneedle Street muss Maduro vorerst weiter warten.

Mehr: Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó will den Druck auf Machthaber Nicolás Maduro erhöhen. Seine Stationen sind Bogotá, Brüssel – und Davos.