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Globus-Gesellschafter Thomas Bruch: „Der Reiz liegt in der Aufgabe“

·Lesedauer: 3 Min.

Der Unternehmer hat die SB-Warenhauskette in Verantwortungseigentum überführt. Er spricht über das Unternehmen, seine Kinder – und eine neue Rechtsform.

Ein breites Bündnis von Wirtschaftsexperten fordert eine neue Rechtsform für Unternehmen. Im Kern geht es darum, wie Unternehmer sicherstellen können, dass sich Firmen im Sinne ihrer Gründer dauerhaft fortführen lassen, dass Gewinne im Betrieb verbleiben und sich mögliche Nachfolger ausschließlich an den Firmenzielen orientieren müssen.

Bisher sind solche Modelle für die meisten Firmen nur über ein kompliziertes Doppelstiftungskonstrukt möglich. Der ehemalige CEO der SB-Warenhauskette Globus hat sich trotzdem dazu entschlossen. Den Aufruf an die Regierung unterstützt er auch mit Blick auf junge Unternehmer.

Herr Bruch, mit der Entscheidung, Ihr Familienunternehmen in Verantwortungseigentum weiterzuführen, haben Sie sich quasi selbst enteignet. Wie kommt man auf die Idee?
In der fast 200-jährigen Geschichte unseres Familienunternehmens stand das Unternehmen für uns alle immer im Vordergrund. Es ging nie darum, möglichst schnell, möglichst viel Geld für andere Zwecke zu entnehmen. Auch bei diesem Schritt 2005 ging es für mich um eine Struktur, die für das Unternehmen langfristig die Beste ist.

Wie haben Ihre Kinder reagiert? Gab es Konflikte?
Bei uns ist das so: Das Unternehmen und das Private sind gar nicht zu trennen. Unsere Jungs sind drei tüchtige junge Leute, der Älteste war damals um die 30 , der Jüngste 22 Jahre alt. Wir haben damals schon überlegt, wie wir mit dem Erbe umgehen – einerseits möchte man das Richtige für das Unternehmen tun, andererseits auch gerecht sein. Ich musste nicht groß argumentieren. Im Gegenteil: Sie haben den Sinn dahinter verstanden.

Welche Alternativen haben Sie durchdacht?
Mit der Idee, einem alle Anteile zu übertragen, konnte ich mich nicht anfreunden. Wenn jeder ein Drittel bekommt, ist das aber auch kritisch, wenn bei wesentlichen Weichenstellungen nicht alle einer Meinung sein sollten. Das hat mich auch nicht überzeugt. Also habe ich nach Alternativen gesucht und mich intensiv mit dem dm-Gründer Götz Werner und Wolfgang Gutberlet von tegut ausgetauscht. Das Verantwortungseigentum hat mich schließlich überzeugt.

Nun ist sichergestellt, dass Globus im Sinn Ihrer Familie fortgeführt wird, aber die Arbeit dort ist weniger lukrativ. Kritiker hinterfragen, was Nachfolger in der Firma hält.
Matthias, mein mittlerer Sohn, hat im Juli meine Hauptaufgaben als Sprecher der Globus Holding übernommen. Es ist wirklich toll zu sehen, wie er sich engagiert und wesentliche Zukunftsfragen anpackt. Es wird manchmal unterstellt, die Motivation eines Unternehmers oder einer Top-Führungskraft liege darin, sich möglichst schnell eine Jacht kaufen zu können. Das ist meines Erachtens abwegig. Bei Leuten, die Unternehmen voranbringen können, liegt der Reiz in der Aufgabe selbst. Unternehmer haben unwahrscheinlich viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Sie haben die Forderung nach einer neuen Rechtsform für Verantwortungseigentum unterschrieben. Wozu braucht es die noch?
Das Doppelstiftungsmodell hat für uns seinen Sinn erfüllt. Aber das ist eine komplexe Rechtsform, den nötigen Aufwand zu betreiben ist für ein kleines Unternehmen oder Start-ups nicht möglich. Dabei sehe ich viele junge Gründer, die nicht wollen, dass ihre Firmen als etwas betrachtet werden, aus dem Investmentbanker Geld ziehen können. Sie denken nachhaltig und wollen auch so wirtschaften. Mit einer neuen Rechtsform wird mit wenig Aufwand möglich, was sie sich wünschen.

Zwei Ihrer Söhne arbeiten mit Start-ups zusammen. Kommt für Ihre Kinder und diese Firmen die neue Rechtsform auch infrage?
Die beiden werden sich das genau anschauen. Wenn die Bandbreite der Möglichkeiten für Unternehmer wächst, ist das auf jeden Fall eine Bereicherung.
Herr Bruch, vielen Dank für das Interview.