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Gier, Banker und Politik die Hauptakteure im dänischen Zinsdrama

Morten Buttler
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Die Grenzen der Zumutbarkeit von Negativzinsen werden gerade in ebendem Land getestet, welches die meiste Erfahrung mit ihnen hat. Für den Euroraum könnte das nicht ohne Konsequenzen bleiben.

In Dänemark haben die Geschäftsbanken bereits seit ihrer Einführung durch die Zentralbank im Jahr 2012 Negativzinsen verkraften müssen. Vor zwei Jahren begann die Branche, einen Teil dieser Kosten auf private Einleger abzuwälzen. Heute sind 35% der Einlagen im Land von Negativzinsen betroffen, was die Dänen zum Weltmeister im Umgang mit dieser Last macht.

Letzte Woche wurde es der Regierung in Kopenhagen zu bunt. Simon Kollerup, der für die Bankengesetzgebung zuständige sozialdemokratische Minister, prangerte über die sozialen Medien die “Gier” der Banker an, die sich seiner Ansicht nach in der Weitergabe der von der Zentralbank auferlegten Kosten zeigt.

“Die Banken haben in letzter Zeit die Messlatte für Negativzinsen gesenkt”, sagte er. “Und das muss einfach aufhören.”

Am Vortag hatte die Danske Bank, Dänemarks größtes Kreditinstitut, bekanntgegeben, dass sie anderen in der Branche folgt und ihre Schwelle für die Erhebung eines Zinssatzes von minus 0,6% mehr als halbiert. Infolgedessen werden Privatkunden mit mehr als 100.000 Kronen (13.500 Euro) entsprechend Strafzinsen auf Einlagen oberhalb der Grenze zahlen müssen.

“Meine Sorge ist, dass die Banken die Schraube der Negativzinsen weiter anziehen, so dass der durchschnittliche Däne zahlen muss, um sein Geld bei einer Bank zu parken”, sagte der Minister in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber Bloomberg.

Kollerup, der den Bankenverband des Landes zu Gesprächen einlud, sagt, es gebe keine Entschuldigung für die Weitergabe von Negativzinsen an Privatkunden und weist die Vorstellung zurück, dass die Geldpolitik eine Rolle bei der Bestimmung der Zinssätze der Geschäftsbanken spiele.

Zinspolitik

Der Kampf, der sich jetzt zwischen den dänischen Banken und der Regierung abspielt, gibt einen Hinweis darauf, wo die Grenzen der Negativzinsen liegen könnten. Er zeigt, dass diese möglicherweise eher politischer als monetärer Art sind.

Negativzinsen sind zum Blitzableiter geworden, den Kollerup benutzt hat, um “Gier, Einkommensungleichheit und eine Spaltung der Gesellschaft” zu brandmarken, so Helle Ib, politische Kommentatorin bei Børsen, Dänemarks größter Wirtschaftszeitung.

Der Bankenverband des Landes, Finance Denmark, hat die Richtigkeit von Kollerups wirtschaftlicher Argumentation in Frage gestellt. Und die Zentralbank erinnerte am Freitag daran, dass ihre negativen Leitzinsen (die durch die Bindung der Krone an den Euro erforderlich sind) die Einlagen- und Kreditzinsen in der gesamten Wirtschaft beeinflussen. Es wurde auch angedeutet, dass Politiker sich nicht in die Geschäftsentscheidungen einmischen sollten. “Die Zinssätze der Banken sind eine Angelegenheit der Banken und ihre Kunden”, sagte Zentralbankgouverneur Lars Rohde.

Die verbale Intervention der Zentralbank veranlasste ein Mitglied des Oppositionsblocks im Parlament, sich zu Wort zu melden. Alex Vanopslagh, der Vorsitzende der Partei Liberale Allianz, sagte gegenüber Berlingske, er habe Kollerup zu einer Anhörung vorgeladen, um seine Kommentare zu Negativzinsen zu erläutern. “Ich vertraue darauf, dass der Minister sagen wird, dass er eine Grenze überschritten hat und dass ihm ein grundlegendes Verständnis für die Funktionsweise der Geldpolitik fehlt”, sagte Vanopslagh.

Carsten Egeriis, der Vorstandsvorsitzende der Danske Bank, weist darauf hin, dass die Dänen auch von niedrigen Zinsen bei Hypotheken profitieren, was er als “die andere Seite der Medaille” bezeichnete. Diese Dynamik überwiege bei weitem die Kosten für negative Zinssätze auf der Einlagenseite, sagte er.

Dänemark ist der Eurozone, die 2014 erstmals Negativzinsen einführte, zwei Jahre voraus. Jesper Rangvid, Professor für Finanzen an der Copenhagen Business School, sagt, dass aus den dänischen Erfahrungen einige Lehren für die Volkswirtschaften der Eurozone gezogen werden können.

Er stellt auch fest, dass negative Bankzinsen nicht die befürchtete zerstörerische Kraft entfaltet haben. Tatsächlich sind laut Rangvid die Einlagen in Dänemark nach Jahren mit Null- und schließlich negativen Zinsen für Privatkunden weiter angestiegen.

“Die wichtigste Erkenntnis ist, dass die Kunden den Banken nicht den Rücken gekehrt haben”, sagte er per Telefon. “Das war anfangs die Befürchtung und das ist nicht passiert.”

Ib von Børsen sagt, es sei nicht sicher, dass Kollerup tatsächlich eingreifen werde. Letztlich gehe es wohl eher darum, ein Signal zu senden als eine “Hardcore-Revolution der Wirtschaftspolitik” anzuzetteln, sagte sie.

Überschrift des Artikels im Original:Greed, Bankers and Politics Star in Danish Negative-Rate Debacle

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