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Frankreich streicht gedruckten Kassenbon

Mails statt Papierberge: Im Gegensatz zu Deutschland lockert Frankreich die Belegpflicht für Einkäufe. Die Regierung in Paris setzt auf Abfallvermeidung.

Bereits heute bekommt man in Frankreich oft keinen Kassenbon mehr. Auch Kleinbeträge werden so gut wie immer per Kreditkarte oder mit anderen bargeldlosen Zahlungsmitteln beglichen. Foto: dpa

Frankreich geht einen anderen Weg als Deutschland und schafft die Pflicht des Einzelhandels ab, beim Einkauf einen gedruckten Kassenbon auszugeben. Die Veränderung ist ein kleiner Teil des Gesetzes über „Kreislaufwirtschaft und zum Kampf gegen Verschwendung“. Um Papiermüll zu vermeiden, können Geschäfte künftig den Nachweis des Kaufes per Mail schicken.

Verbraucherverbände haben sich dagegen ausgesprochen: Ein Papierbeleg sei sinnvoll und hilfreich, da er als Nachweis für Reklamationen und für den Garantieanspruch gebraucht werde. Die massenweise Speicherung von Daten sei nicht unbedingt ökologischer. Außerdem müssten Verbraucher künftig, um Belege zu erhalten, ihre Mailadresse hinterlegen, was nicht in ihrem Interesse sei.

Bereits heute bekommt man in Frankreich oft keinen Kassenbon mehr. Auch Kleinbeträge werden so gut wie immer per Kreditkarte oder mit anderen bargeldlosen Zahlungsmitteln beglichen. Die meisten Kunden verzichten dann auf einen Bon.

Das Gesetz stellt den Versuch dar, auf breiter Front die Herstellung und Vermarktung auf einen umweltfreundlicheren Pfad zu bringen. So bekämpft es die geplante Verkürzung der Lebensdauer von Produkten. Ab 2021 wird ein Index veröffentlicht, wie gut Produkte reparierbar sind, ab 2025 wird er zu einem Index der Haltbarkeit.

Ersatzteile müssen vorgehalten werden, und die Reparatur wird finanziell gefördert. Ziel der Reform ist es auch, die Vernichtung von Lebensmitteln zu verringern, die das Haltbarkeitsdatum überschritten haben. Das soll unter anderem durch die vermehrte Abgabe an die Mitarbeiter geschehen, die steuerlich gefördert wird.

Umstrittene Pfand- und Recycel-Pflicht

Besonders umstritten war die Einführung einer Pfand- und Recycel-Pflicht im Einzelhandel. Die Kommunen setzten sich zur Wehr, weil sie die Freiheit behalten wollen, eigene Wege zu gehen. Als Kompromiss ist nun vorgesehen, nach einigen Jahren zu prüfen, was die neuen Bestimmungen gebracht haben.

Das maßgeblich von der Umwelt-Staatssekretärin Brune Poirson betriebene Gesetz wurde in seltener Einstimmigkeit von der Nationalversammlung, die Emmanuel Macrons Partei „La Republique en Marche“ dominiert, und dem konservativ beherrschten Senat ergänzt und weiterentwickelt. „Aus einem Projekt mit 13 Artikeln haben sie einen Aktionsplan mit 130 Maßnahmen gemacht, der unsere Art, zu konsumieren, zu erzeugen und Abfälle zu verarbeiten, tief gehend verändern wird“, erkannte Poirson bei der letzten Lesung des Gesetzes an.

Bestimmte Güter wie Kleidungsstücke dürfen nicht mehr entsorgt werden, sie müssen in Frankreich wiederverwertet werden. „Wenn Sie in ein paar Jahren eine Jeans kaufen, wird sie aus einer Fabrik in Ihrer Region stammen, aus recyceltem Material – das bedeutet weniger Transport, weniger CO2-Emissionen und mehr regionale Beschäftigung,“ erwartet Poirson.