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Frankreich macht Touristen Hoffnung für den Sommerurlaub

Der französische Tourismusverband hält Reisen von europäischen Urlaubern für möglich. Die Regierung will erst Ende des Monats über weitere Reisefreiheiten entscheiden.

Der Tourismus in Frankreich erwirtschaftet rund 170 Milliarden Euro jedes Jahr. Foto: dpa

„Wir geben diese Saison überhaupt noch nicht verloren, auch nicht für europäische Urlauber“, sagt Caroline Leboucher, die Chefin von Atout France, der französischen Agentur für die Entwicklung des Tourismus, wenn man sie auf den Sommer 2020 anspricht. Es gebe gute Fortschritte bei der Meisterung der Corona-Pandemie in allen EU-Staaten. „Wir hoffen, dass wir unsere deutschen Freunde willkommen heißen können“, äußert sie freundlich in Richtung des Nachbarn.

Der Auslandstourismus ist wichtig für Frankreich: Er macht fast die Hälfte der Gesamteinnahmen von 170 Milliarden Euro aus, die dieser Wirtschaftszweig jährlich zum nationalen Wohlstand beiträgt. Zwei Drittel des Betrages stammen aus Europa, der Rest aus Drittstaaten. Für die französische Handelsbilanz sind die Tourismus-Einkünfte von größter Bedeutung, denn die sonstige Bilanz ist defizitär.

Monatelang war völlig offen, ob an der Côte d’Azur die Liegen auf die Strände gezogen, an der Atlantikküste die Rettungsschwimmer Position beziehen und in der Bretagne die Hotels geöffnet werden. Donnerstag gab es das erste klare Zeichen der Hoffnung: „Die Franzosen werden im Juli und August ihren Urlaub in Frankreich verbringen können“, sagte Premier Edouard Philippe am Mittag.

Nur die Franzosen? Da muss man nachfragen an höchster Stelle, im Elysée, denn letzten Endes fallen hier die Würfel, was die Öffnung der Grenzen angeht. Das ist ein heikles Thema geworden, seit einige osteuropäische Länder, aber auch Deutschland einseitig ihre Grenzen geschlossen beziehungsweise scharfe Restriktionen und Kontrollen eingeführt haben. Frankreich hatte bis dahin die Haltung, dass Grenzschließungen das falsche Instrument seien, weil das Virus nicht an nationalen Grenzen haltmacht.

Die Haltung der Bundesrepublik zu den Grenzen hat unseren wichtigsten Nachbarn angesteckt. Inzwischen lautet die grundsätzliche Aussage: „Grenzen sind nicht der absolute Schutz, doch wenn es in den kommenden Monaten notwendig werden sollte, wegen des Wiederauflebens der Pandemie in einigen Regionen oder an den Landesgrenzen Beschränkungen einzuführen, werden wir dies tun“, formulieren Kreise des Elysée.

Deutsch-französische Grenze soll im Juni offen sein

Frankreich verfolge darüber hinaus eine Politik der Reziprozität: Wenn ein europäisches Land ohne Abstimmung bestimmte Restriktionen einführe, dann ziehe man selber nach. Wie um das zu demonstrieren, wurde am Donnerstagnachmittag bekannt, dass Paris eine Quarantäne für Spanier verhängt. „Madrid hat dies vorgestern auch für alle Europäer eingeführt, wir wussten von nichts“, sagten sichtlich verstimmt die Mitarbeiter des Staatspräsidenten. Die französische Regierung hatte von der eigenen Quarantäne ausdrücklich alle Bürger aus EU- und Schengen-Staaten ausgenommen und auch die Briten.

Für Deutsche gibt es relativ gute Aussichten, was einen Sommerurlaub in der Provence, am Atlantik oder in den Bergen angeht: „Das ausdrückliche Ziel ist es, bis zum 15. Juni alle Restriktionen an der deutsch-französischen Grenze aufzuheben“, sagen die Kreise des Elysée. Wenn dann innerhalb Frankreichs die bislang für Fahrten geltende Begrenzung auf einen Radius von 100 km entfällt, könnten Deutsche ebenfalls in den Genuss der Bewegungsfreiheit kommen. „Wir diskriminieren nicht nach der Nationalität“, hebt man hervor.

Atout-France-Chefin Leboucher hört das gerne. Aber sie weiß, dass der Gesundheitsschutz die höchste Priorität hat. Allen französischen Tourismus-Anbietern stellt Atout France deshalb umfangreiche Dokumentationen über die besten Praktiken für den Schutz vor einer Infektion zur Verfügung.

In einer neuen Handreichung wird ausführlich darüber informiert, welche neuen Technologien dabei hilfreich sein können. Sie reichen von Robotern für die Desinfektion von Zimmern – darunter ein deutsches Modell namens Sterisafe Pro von Loewe Marine – bis zu Produkten für die völlig kontaktlose Abwicklung zahlreicher Funktionen wie Bezahlen, Garagennutzung oder Auschecken, etwa durch ein elektronisches Armband. Die Franzosen überlassen nichts dem Zufall: Produkte, die gegen die europäische Datenschutz-Grundverordnung verstoßen, werden nicht aufgenommen.

Am 25. Mai und am 2. Juni wird man mehr wissen darüber, wie weit die Reisefreiheit reicht. Das sind die nächsten Daten, an denen die Regierung über den Fortgang der Rückkehr zur Normalität entscheidet. Davon hängt auch ab, wie weit das Land sich für ausländische Gäste öffnet.

Um in der laufenden Phase der Unsicherheit den Kontakt zu den möglichen Gästen nicht abreißen zu lassen, hat die Agentur eine Website für den virtuellen Frankreich-Besuch eingerichtet. Madame Leboucher hofft aber, dass es nicht beim virtuellen Kontakt bleibt: „Wir wollen mit unseren deutschen Freunden anstoßen!“