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Ford rechnet wegen Coronavirus mit fünf Milliarden Verlust im zweiten Quartal

Im ersten Quartal lag der Verlust bei zwei Milliarden Dollar. Wann die US-Fabriken wieder öffnen, ist unklar. China soll als Orientierung dienen. 

Der zweitgrößte US-Autobauer Ford rechnet auch im zweiten Quartal mit einem Milliardenverlust. Nach einem Nettoverlust von zwei Milliarden im ersten Quartal prognostiziert das Unternehmen einen operativen Verlust von mehr als fünf Milliarden Dollar im zweiten Quartal. Während der US-Hersteller seine Fabriken in China bereits wieder geöffnet hat und dies in Europa in der kommenden Woche plant, nannte das Management keinen Termin für die USA. 

Den angepeilten Termin für den Start seines Robotaxi-Dienstes verschob der Konzern unter Verweis auf die Coronakrise von 2021 auf 2022. Die Entwicklung der Technologie sei auf Kurs, aber man wolle die langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf das Kundenverhalten verstehen, erklärte der US-Autokonzern. Ford testet selbstfahrende Autos unter anderem in Miami und der US-Hauptstadt Washington. Die Roboterwagen-Technik entwickelt Ford beim Start-up Argo AI, bei dem auch VW einstieg.

Ford hatte die Anleger bereits Mitte April auf das Schlimmste vorbereitet. Die Investoren interessierte daher vor allem, wann die US-Werke wieder öffnen und wie viel Cash Ford noch hat. Schließlich hat die Ratingagentur die Kreditwürdigkeit von Ford Ende März auf Junkstatus gesenkt. Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel nach den Ergebnissen mehr als vier Prozent. 

Das Management betonte, dass Ford mit 15 Milliarden Dollar ausreichend liquide Mittel habe. Diese Reserven sollten bis zum Ende des Jahres reichen. Im ersten Quartal lag der negative Cashflow bei 2,1 Milliarden Dollar. Das bedeutet, es sind 2,1 Milliarden Dollar mehr aus dem Unternehmen geflossen, als es eingenommen hat. Ford hatte sich am Kapitalmarkt acht Milliarden in Form von Junk Bonds besorgt.

„Ich hatte nie einen Businessplan mit dem Namen Pandemie gehabt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Jim Hackett. „Wir haben nie damit gerechnet, dass wir den Schalter ganz ausstellen müssen. Wir haben eher bei einer Rezession mit einem Dimmer gerechnet“, erklärte Hackett die einmalige Situation wegen des Coronavirus. 

Um aus der Coronakrise wieder herauszukommen, will sich Ford an China orientieren, wo der Konzern bereits wieder produziert und gut verkaufe. Dort habe sich der Produktmix zugunsten margenträchtigerer Modelle gewandelt. „China ist unserer Drehbuch für den Wiederanfang“, sagte der COO Jim Farley. 

Eine wichtige Lehre aus China sei, dass man mehr auf Onlinekanäle beim Verkauf setzen muss. „In China wird ein Drittel unserer Autos online bestellt“, sagte Farley. In Nordamerika seien es derzeit 25 Prozent. Farley ist überzeugt, dass Kunden auch in Zukunft vorsichtiger bleiben werden, was den direkten persönlichen Kontakt betrifft: „Zero-touch wird Teil unseres Lebens werden.“