Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    14.370,72
    +106,16 (+0,74%)
     
  • Euro Stoxx 50

    3.942,62
    +21,35 (+0,54%)
     
  • Dow Jones 30

    33.476,46
    -305,02 (-0,90%)
     
  • Gold

    1.809,40
    +7,90 (+0,44%)
     
  • EUR/USD

    1,0545
    -0,0014 (-0,14%)
     
  • BTC-EUR

    16.262,02
    -174,59 (-1,06%)
     
  • CMC Crypto 200

    402,11
    -4,14 (-1,02%)
     
  • Öl (Brent)

    71,59
    +0,13 (+0,18%)
     
  • MDAX

    25.604,18
    +139,53 (+0,55%)
     
  • TecDAX

    3.043,52
    +0,03 (+0,00%)
     
  • SDAX

    12.326,40
    +35,02 (+0,28%)
     
  • Nikkei 225

    27.901,01
    +326,58 (+1,18%)
     
  • FTSE 100

    7.476,63
    +4,46 (+0,06%)
     
  • CAC 40

    6.677,64
    +30,33 (+0,46%)
     
  • Nasdaq Compositive

    11.004,62
    -77,39 (-0,70%)
     

Im flachen Evo hoch in die Berge – wie sich der flinkste Huracán von Lamborghini beim „Alpen-Glühen“ macht

Alte Straße, neues Auto: Lamborghini-Testwagen Huracán Evo. - Copyright: Markus Bartholet
Alte Straße, neues Auto: Lamborghini-Testwagen Huracán Evo. - Copyright: Markus Bartholet

Wer sich dieser Tage für einen Neuwagen von Automobili Lamborghini interessiert, hat ein Problem. Und zwar ein Luxus-Problem. Mit Betonung auf dem ersten Wort.

Die bis zu gut 400.000 Euro teure und von Business Insider 2022 getestete Topbaureihe der Italiener nämlich, der Zwölfzylinder-Flitzer Aventador, wird seit Montag nicht mehr produziert. Das letzte Fahrzeug, einen Ultimae Roadster, bekommt jener Schweizer Sammler, der über Jahre die wohl weltweit wichtigste Kollektion der Kraftwagen aus Sant’Agata Bolognese zusammengetragen hat.

Unter des Eidgenossen zig PS-Preziosen befindet sich etwa der einzige Lamborghini Miura Roadster überhaupt. Dieser offene Zweisitzer mit seinem hellblauen Lack und dem nahezu schneeweißen Leder diente als Vorbild für die Farbkombination des finalen Aventador. Für interne Zwecke leiht sich der Hersteller das metallisch schillernde Unikat bisweilen vom Besitzer aus.

Der Aventador mithin ist Geschichte, und die limitierten Lamborghini der Typen Countach LPI 800-4 und Sián FKP 37 sowie Sián Roadster – sämtlich Millionen-Euro-Objekte – sind längst vergriffen. Was also wählen aus dem Angebot des italienischen VW-Luxuslabels? Ja, die SUV-Familie Urus ist jüngst auf durchaus interessante Weise erweitert worden – um die jeweils 666 PS starken Versionen „Performante“ und „S“.

Nein, so ein „Super-SUV“ (Gattungsbegriff von Lamborghini), gegen das nun sogar der Erzrivale Ferrari mit dem 725-PS-Viertürer Purosangue antritt, trifft trotz aller Verkaufserfolge eben nicht jedermanns Wunsch. Doch da ist ja auch der Huracán, gewissermaßen der kleine – und im Außendesign fast genauso spektakulär flach und kantig gehaltene – Bruder des Aventador.

Corporate Identity bis ins Detail: Markenlogo auf Radverschluss. - Copyright: Markus Bartholet
Corporate Identity bis ins Detail: Markenlogo auf Radverschluss. - Copyright: Markus Bartholet

Business Insider war die „STO“ genannte Huracán-Rennversion mit Straßenzulassung und 640 PS bereits ausgiebig gefahren. Auch ein ebenfalls heckgetriebener Huracán Evo RWD Spyder mit immer noch recht flotten 610 PS stand schon als Testwagen zur Verfügung.

Die mutmaßlich goldene Mitte allerdings galt es erst zu finden. Einen Lamborghini also, der – mit Glück, denn die Lieferzeiten sind lang und den Nachfolger hat Lamborghini-Chef Stephan Ernst Winkelmann im Interview für 2024 avisiert – noch fabrikneu zu haben ist. Der keine grelle Hobby-Racer-Optik zur Schau trägt wie der „STO“ – und keine knapp geschnittene Stoffmütze à la Spyder.

Einen Huracán mithin, der die Leistungsspitze der Modelllinie von 640 PS bietet, den beim Abruf stets beruhigenden Allradantrieb – und ein festes Dach, unter dem gepflegte Konversation auch bei hohen Geschwindigkeiten ohne Geschrei möglich ist.

All dies soll das schlicht auf „Evo“ getaufte Coupé in sich vereinen, mit dem Business Insider jüngst in Italien unterwegs war – und besagten Sammler in der Schweiz besuchte. Dazu später mehr.

Vorweg zunächst zwei wesentliche Werte für alle Lamborghini-Fans: Den Spurt von null auf Tempo 100 erledigt der Evo mit 2,9 Sekunden einen Wimpernschlag schneller als jeder andere Huracán. Auch die Höchstgeschwindigkeit von „mehr als 325 km/ h“ (Lamborghini) ist – buchstäblich – Spitze.

Gestreift von vorn bis hinten: Racing-Look der Karosserie. - Copyright: Markus Bartholet
Gestreift von vorn bis hinten: Racing-Look der Karosserie. - Copyright: Markus Bartholet

Ebenfalls vorab eine Warnung an jene Interessenten, die erstmals Huracán fahren: Dieser Lamborghini ist nicht allein in preislicher Hinsicht – mindestens 220.000 Euro sollten angespart sein – gewöhnungsbedürftig.

Die Blinker etwa werden mitnichten über einen griffigen Hebel an der Lenksäule betätigt, sondern über einen links im Lenkrad platzierten und für große Hände ziemlich fummeligen Schiebeknopf. Darüber – gleichfalls ungewöhnlich – befindet sich die kleine Taste für die Lichthupe. Rechts im Volant hat Lamborghini nach ähnlichem Muster einen Knopf für die Scheibenwischer platziert und die Taste zur Aktivierung der Waschwassersprühdüsen.

Skurril sind diese Lösungen, fürwahr schrullig. Doch dafür ermöglichen sie ungestörten Zugriff auf die beiden hinter dem Lenkrad montierten Schaltpaddel für das Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Gewiss, Letzteres lässt sich bei Bedarf im Automatikmodus nutzen. Das allerdings macht nicht annähernd so viel Spaß wie die manuelle „Gang-Art“.

Hier mal Testfahrer für Business Insider: Autor Henning Krogh. - Copyright: Markus Bartholet
Hier mal Testfahrer für Business Insider: Autor Henning Krogh. - Copyright: Markus Bartholet

Auch der gelegentliche Wechsel zwischen den Fahrmodi „Strada“ (italienisch für: Straße) und „Sport“ sowie – vernünftigerweise nur bei absolut trockener Fahrbahn – „Corsa“ (Rennkurs) bereitet in vielfacher Hinsicht die pure Freude:

Dem Auge – die Hauptfarbe im Cockpit wechselt je nach gewählter Stufe von Dunkelblau über Orange zu Signalrot. Dem Hirnareal für Humorrezeption – im Modus „Corsa“ besteht das Display fast nur noch aus digitaler Drehzahlanzeige, „Forza Italia!“.

Und dem Ohr, vor allem an der Ampel – die Umdrehungen im Leerlauf werden entsprechend angehoben, beim Beschleunigen entwickelt der „Evo“ eine Fülle von Klangbildern, die mit kernig, provokant, markerschütternd nur unzureichend beschrieben sind.

Das Auge fährt mit: Plakette mit Zündfolge und Sechseck-Zierrat. - Copyright: Markus Bartholet
Das Auge fährt mit: Plakette mit Zündfolge und Sechseck-Zierrat. - Copyright: Markus Bartholet

Die atemberaubende Agilität in Kurven und das brachiale Bremsvermögen liegen im Evo auf markentypisch hohem Niveau. Verbrauch und Emissionen aber auch: 14,7 Liter Superbenzin für 100 Kilometer Strecke im kombinierten Betrieb nach WLTP und 332 Gramm CO2 pro Kilometer.

Apropos Kilometer: Für Langstrecken tauglich ist der Huracán Evo allemal. Zwar reichen die wenigen Ablagen im Auto nur für ein paar kleine Müsliriegel, nicht für das große, wirklich sättigende Mettwurstbrot nebst Apfel und Banane. Dafür aber sind die Fächer in den Türen beleuchtet – bei Nachtfahrt finden sich mühelos Münzen für all die Mautstationen.

Die Sportsitze mit dem zentral angeordneten „Sgancio“-Hebel zur Längsverstellung passen auf Anhieb perfekt zu einer norddeutschen 1,96-Meter- und Doppelzentner-Konstitution. Und auf Höhe Chiasso, bei einer Latte-Macchiato-Pause, weist die Temperaturanzeige schweißtreibende 41,5 Grad Celsius aus. Doch nur für kurze Zeit – die Klimaanlage des Lamborghini arbeitet vorzüglich schnell. Befüllt übrigens ist sie mit 720 Gramm des lange umstrittenen Kältemittels R-1234yf.

Margarethe_Honisch
Margarethe_Honisch

Unumstritten ist, dass die Evo-Sonnenblenden – kaum breiter als das Lernlineal von Grundschülern – arg klein geraten sind. Und im ansonsten überaus hochwertig ausgestatteten Innenraum des Huracán wirkt die mit Sechsecken, einem altbewährten Signet der Kampfstier-Marke, verzierte Blende über dem Handschuhfach eigentümlich – nun, ja – aufgesetzt. Wirklich wertig jedenfalls mutet diese Verschalung mit besagten Hochglanz-Hexagonen nicht an.

Zugegeben, letztlich ist das eine Geschmacksfrage. Wie auch der Lackton des Testwagens, der dem Etikett unter der vorderen Gepäckhaube zufolge „Arancio Livrea Matt 0201“ heißt. Hinzu kommen in Längsrichtung zwei blaue Racing-Streifen, die man nun mal entweder ganz flott oder ganz furchtbar finden kann.

Bitte in der Spur bleiben: Flussüberquerung in den Alpen. - Copyright: Markus Bartholet
Bitte in der Spur bleiben: Flussüberquerung in den Alpen. - Copyright: Markus Bartholet

Über sein Empfinden in dieser Hinsicht äußert sich der eingangs erwähnte Schweizer Sammler bewusst nicht, als Business Insider im signalorangen Evo bei ihm vorfährt. Mögen die Autos, die er hütet, auch durchweg extravagant und weit überdurchschnittlich auffällig sein, in eigener Sache bevorzugt der Mann Zurückhaltung und Bescheidenheit.

Das gilt auch, als ihm der Besuch von den fulminanten Fahrleistungen dieses Huracán berichtet. Vom Serpentinenvergnügen in „seinen“ Schweizer Alpen. Vom hohen Haftvermögen der Pirelli-Bereifung – P Zero 245/ 30 R20 vorn, 305/ 30 R 20 hinten. Von der grandiosen Performance des 5,2 Liter großen Zehnzylindermotors auf der Autostrada in Italien.

Ob er den Testwagen mal ausprobieren möchte, fragt ihn Business Insider. Ganz spontan, in der Heimat, am Steuer dieses Leih-Lamborghini.

Von 100 Kandidaten dürften 99 mit Glücksbekundungen in der Art von „Ja, so gern, ich brenne darauf“ antworten.

Der Sammler hingegen lehnt dankend ab und erwidert knapp: „Ich kenne das Auto“.

Kurze Pause.

Und schließlich: „Der Evo ist gut“.