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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Chinas Zölle fallen, Lagarde warnt vor eigener Machterosion, Zollsenkungen stützen Europas Aktienmärkte, die Schweiz fürchtet Trumps Zorn, und AfD-Coup in Thüringen erschüttert Bundespolitik. Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Chinas Zölle fallen

China wird Mitte des Monats die Zölle auf US-Importe im Wert von rund 75 Milliarden Dollar halbieren. Damit folgt Peking einem ähnlichen Schritt seitens der USA und wird wahrscheinlich den Zusagen im Rahmen des bilateralen Phase-I-Handelsabkommens gerecht. Mit der am 14. Februar in Kraft tretenden Senkung reduzieren auch die USA Tarife auf chinesische Produkte. Deutschen Unternehmen kann die Entspannung an der Handelsfront nur recht sein. Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe fielen im Dezember überraschend um 2,1% gegenüber dem Vormonat. Analysten hatten mit einem Anstieg um 0,5% gerechnet. Auf Jahressicht verzeichneten die Industrieaufträge mit einem Rückgang um 8,7% den schwersten Einbruch seit mehr als einem Jahrzehnt.

Lagarde warnt vor eigener Machterosion

Laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat ein Jahrzehnt der Krisenbekämpfung der Geldpolitik nur wenige Optionen für die Ankurbelung der Wirtschaft gelassen, und das zu einer Zeit, da der Ausbruch des Coronavirus zusätzliche Sorgen bereitet. Lagarde sagte, dass die Binnenwirtschaft der Eurozone zwar “widerstandsfähig” bleibe, dass aber die anhaltenden globalen Bedrohungen die jüngste Stabilisierung der Wirtschaftstätigkeit untergraben könnten und die Unsicherheiten weiterhin hoch seien. Das niedrige Zinsniveau und die niedrige Inflation hätten den Spielraum der EZB und anderer Zentralbanken erheblich eingeschränkt, so Lagarde am Donnerstag im Europäischen Parlament. Der Verweis auf einen “erheblich” reduzierten Spielraum geht über bisherige Formulierungen hinaus.

Zollsenkungen stützen Europas Aktienmärkte

Europas Aktien stiegen am Donnerstag, da Chinas Zollsenkungspläne den Optimismus verstärkten, dass die Weltwirtschaft die Auswirkungen des Coronavirus verkraften wird. Der Stoxx Europe 600-Index stieg, angeführt von Banken und Telekommunikationsunternehmen. Die jüngsten Handelsentwicklungen haben den Optimismus der Investoren nach mehreren Berichten über mögliche Impfstoffe gegen das Virus am Mittwoch weiter gestärkt. Während Unternehmen wegen des Coronavirus auch weiterhin kurzfristig mit Unterbrechungen und entgangenen Geschäften zu kämpfen haben würden, hätten Chinas Entscheidungen der letzten Tage den Investoren Vertrauen gegeben, dass das schlimmste Szenario vermieden werden könne, sagte Zidle, Chef-Investitionsstratege der Blackstone Group Inc. In Deutschland führten Deutsche Bank die Gewinne im Dax an, nachdem Capital Group als neuer Großaktionär in Erscheinung trat. Continental gehörten zu den Profiteuren der chinesischen Zoll-Entscheidung. Gegen den Trend verloren Cancom, deren Q4-Ebitda die Erwartungen verfehlte.

Die Schweiz fürchtet Trumps Zorn

Nachdem US-Präsident Donald Trump das Amtsenthebungsverfahren wie erwartet erfolgreich hinter sich gebracht hat und die Zeichen im Handelskonflikt mit China auf Entspannung stehen, fürchtet die Schweiz, dass sie zu Trumps nächster Zielscheibe werden könnte. Ein Jahrzehnt nachdem die Eidgenossen wegen ihres Bankgeheimnisses mit Washington über Kreuz lagen, laufen sie Gefahr, als Währungsmanipulator abgestempelt zu werden. Beamte des US-Finanzministeriums haben das Land seit vergangenem Monat mit Verweis auf den hohen Leistungsbilanzüberschuss und die bilaterale Handelsbilanz wieder unter Beobachtung. Eine weitere Flut von Devisenmarktinterventionen der Schweizerischen Nationalbank zur Begrenzung der Frankengewinne könnte das Fass zum Überlaufen bringen.

AfD-Coup in Thüringen erschüttert Bundespolitik

Noch keine 24 Stunden ist der FDP-Abgeordnete Thomas Kemmerich gewählter Ministerpräsident Thüringens - mit den Stimmen der AfD und der CDU -, da ist sich eine lagerübergreifende Koalition einig, dass “das Ergebnis wieder rückgängig gemacht werden muss”. So formulierte es Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Auslandsreise in Südafrika. Die CDU dürfe sich nicht an einer Regierung unter dem gewählten Ministerpräsidenten beteiligen. Die Wahl Kemmerichs sei “unverzeihlich”, der Mittwoch “ein schlechter Tag für die Demokratie”. Merkels SPD-Koalitionspartner, der zusammen mit den Grünen und der Partei Die Linke bisher in Thüringen regiert hatte, fordert ebenso wie die CDU und andere Parteien Neuwahlen. AfD-Bundestagsfraktionschef Alexander Gauland nannte die Wahl Kemmerichs einen “normalen demokratischen Vorgang”. Die Erfurter Ereignisse seien “besorgniserregend” aber verfassungsrechtlich einwandfrei und könnten sich noch als harmlos erweisen, schrieb Bloomberg-Kolumnist Andreas Kluth.

Kontakt Reporter: Rainer Buergin in Berlin rbuergin1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Alexander Kell

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