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Fünf Themen des Tages: Gesprächsstoff für heute

Rainer Buergin

(Bloomberg) -- Kurz enttäuscht Italiens Schuldenhoffnungen, China testet 11-Millionen-Stadt Wuhan auf Corona, europäische Aktien gewinnen, weltgrößter Staatsfonds vor Rekord-Abzug, und Musk eröffnet Tesla-Werk eigenmächtig, Marktteilnehmer könnte heute beschäftigen:

Kurz enttäuscht Italiens Schuldenhoffnungen

Italien ist zur Bewältigung seiner Schuldenlast von der Europäischen Union abhängig, sagte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. “Sie werden nicht in der Lage sein, diese Situation ohne Hilfe der EU und von Ländern wie Österreich zu bewältigen”, sagte der 33-Jährige in einem Bloomberg-Interview. “Aber ich denke nicht, dass die Idee einer Vergemeinschaftung von Schulden die richtige Antwort ist.” Die Anleihen des Landes werden es laut Mizuho angesichts der hohen Verschuldung Italiens und der Gefahr eines Bruchs in der Eurozone schwer haben, Investment-Grade-Anlagen zu bleiben. “Der Markt unterschätzt die Aussichten, dass Euroraum-Zerfall-Geschäfte in den kommenden Monaten viel stärker in den Vordergrund rücken werden”, heißt es dort. Ministerpräsident Giuseppe Conte will die Lockerung der Abschottungsmaßnahmen beschleunigen.

China testet 11-Millionen-Stadt Wuhan

Wuhan lässt die gesamte Bevölkerung von 11 Millionen Menschen testen, nachdem die chinesische Stadt, in der die Coronavirus-Pandemie ausbrach, zum ersten Mal seit Aufhebung der Quarantäne Neuinfektionen gemeldet hat. In den vergangenen Tagen wurden sechs Infektionen bei Personen registriert, die sich bereits in Quarantäne befunden hatten und vor den Tests als asymptomatisch eingestuft wurden. Der ehrgeizige Plan, jeden in Wuhan zu testen, spiegelt die Angst Chinas vor einem Wiederaufflammen des Virus wider. In Deutschland wurden nach drei Rückgängen in Folge wieder mehr Neuinfektionen gemeldet. Die Reproduktionszahl ging leicht zurück, blieb aber weiter über der Marke von 1. Inzwischen hat Russland die zweithöchste Zahl an Infektionen, nach den USA.

Europäische Aktien gewinnen

Europäische Aktien legten zu, unterstützt von Gewinnen bei Telekommunikationswerten nach der Veröffentlichung von Vodafone-Zahlen. Der Stoxx Europe 600 Index stieg, wobei Gewinnen bei Pharma-Werten sinkende Kurse bei Bergbauunternehmen sowie Reise- und Freizeitaktien gegenüberstanden. “Ich denke, dass die schwächere Marktentwicklung der letzten Wochen, in denen sich die Märkte in ihre Handelsspanne einzupendeln begannen, zu einem geringeren Volumen an Kundenkäufen und -verkäufen geführt hat”, sagte Willem Sels von der HSBC Private Bank. “Es geht darum, investiert zu bleiben, denn letztendlich sehen wir bis zum Jahresende von hier aus eine positive Entwicklung”. In Deutschland führten Deutsche Post die Liste der Gewinner an. ProSiebenSat.1 legten zu, nachdem KKR eine neue Beteiligung an dem Sender übernommen hatte. ThyssenKrupp rutschten angesichts höherer Verluste und steigender Verschuldung ab. Allianz-Titel hielten die rote Laterne im Dax.

Weltgrößter Staatsfonds vor Rekord-Abzug

Norwegen plant, einen Rekordbetrag von umgerechnet gut 34 Milliarden Euro aus seinem Staatsfonds zu entnehmen. Das wird den größten staatlichen Investor der Welt dazu zwingen, einen historischen Verkauf von Vermögenswerten zu tätigen, um Liquidität zu generieren. Der beispiellose Abzug übersteigt die Dividenden- und Zinszahlungen, die der Fonds generiert, deutlich und zeigt das Ausmaß des Schadens, der durch die Zwillingskrise von Covid-19 und den Zusammenbruch der globalen Ölmärkte verursacht wurde. Der Staatsfonds Katars befindet sich laut früheren Meldungen in Gesprächen über ein Darlehen von 7 Milliarden Euro, das durch Aktienbestände besichert ist und dem Flüssiggasexporteur helfen soll, die Barreserven aufzustocken.

Musk eröffnet Tesla-Werk eigenmächtig

Elon Musk hat in Teslas US-Werk die Produktion eigenmächtig wieder anlaufen lassen und damit sich und die Beschäftigen dem Risiko ausgesetzt, verhaftet zu werden. “Tesla nimmt heute die Produktion wieder auf, gegen die Regeln im Alameda County”, erklärte der Tesla-CEO am Montagabend in einem Tweet. “Wenn jemand verhaftet wird, dann sollte es nur ich sein.” Musk hat Panik wegen der Corona-Sterblichkeit als “dumm” bezeichnet. Höchste politische Fürsprache hat er: “Ich stimme mit Elon Musk überein. Er ist einer der größten Arbeitgeber und Hersteller in Kalifornien”, so Finanzminister Steven Mnuchin. Der Staat müsse handeln, damit die Produktion schnell und sicher wieder anlaufen könne. Musk hat damit gedroht, Teslas Firmenzentrale und die gesamte Produktion nach Nevada oder Texas zu verlagern.

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