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Eon verschmilzt Innogy – und verärgert die Aktionäre

Auf der letzten Hauptversammlung beklagen Kleinaktionäre das Aus des Energieversorgers. Nun wollen sie das Abfindungsangebot überprüfen lassen.

Die Kleinaktionäre des Energieversorgers haben von Eon 42,82 Euro pro Aktie geboten bekommen. Foto: dpa

Es ist nicht einmal drei Jahre her, dass der Newcomer am Energiemarkt, Innogy, zur ersten Hauptversammlung in die Essener Grugahalle eingeladen hatte. Im April 2017 skizzierte der damalige Chef, Peter Terium, den Aktionären glänzende Wachstumsperspektiven für das Unternehmen, das erst im Herbst zuvor von RWE an die Börse gebracht worden war.

Am Mittwoch lud Innogy jetzt zur aller Wahrscheinlichkeit nach letzten Hauptversammlung – im deutlich kleineren Rahmen, in der Philharmonie in Essen. Einziger Tagesordnungspunkt: Der neue Eigentümer Eon, der 90 Prozent der Anteile hält, will Innogy verschmelzen und die Minderheitsaktionäre aus dem Unternehmen drängen – zum Ärger vieler Innogy-Aktionäre.

„Eon spricht von einem Neuanfang, für uns ist das eher eine Beerdigung“, klagte Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): „Die sehr, sehr kurze Erfolgsgeschichte von Innogy findet ein unrühmliches Ende.“ Die Innogy-Aktionäre würden „rausgeschmissen, rausgepresst“, schimpfte Joachim Krekel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK).

Eon bietet den Kleinaktionären 42,82 Euro je Aktie. „Diese Barabfindung ist sowohl aus unserer Sicht als auch aus Sicht des gerichtlich bestellten unabhängigen Prüfers angemessen“, sagte Leonhard Birnbaum, Eon-Vorstand und seit dem Einstieg von Eon der CEO von Innogy. Nur mit der Verschmelzung könne Eon die erhofften Synergien vollständig heben: Schon 2022 soll die Fusion 740 Millionen Euro einbringen, 2024 sollen es 780 Millionen Euro sein.

Offerte stößt auf Kritik

Im Rahmen der Übernahme hatte Eon insgesamt 40 Euro je Aktie geboten – inklusive der Dividenden für 2017 und 2018. An der Börse notiert die Innogy-Aktie derzeit aber mit rund 43,60 Euro. DSW und SDK lehnen die Offerte ab und bieten ihren Mitgliedern Hilfe an, um noch mehr rauszuholen.

Sie wollen Anwälte für ein Spruchstellenverfahren, bei dem die Angemessenheit der Offerte überprüft wird, vermitteln. Auch andere Aktionäre äußerten sich auf der Hauptversammlung kritisch und kündigten Widerstand an.

Eon hatte den Markt vor zwei Jahren mit seiner Offerte überrascht. Der Energiekonzern hatte sich mit Konkurrent RWE auf ein milliardenschweres Tauschgeschäft geeinigt. Dabei übernahm Eon die Beteiligung von 76,8 Prozent, die RWE nach dem Börsengang von Innogy noch hielt.

Allerdings behielt Eon Innogy nur mit den Sparten Vertrieb und Netze. Die will Eon jetzt mit den eigenen Aktivitäten zusammenführen und will mit mehr als 50 Millionen Kunden in 15 Ländern und 1,5 Millionen Kilometern an Strom- und Gasnetzen in der Spitzengruppe der europäischen Versorger mitspielen. RWE erhielt aber die erneuerbaren Energien von Innogy und auch die, die bislang Eon betrieben hat.

Das Tauschgeschäft wurde im vergangenen September vollzogen, nachdem auch von der EU-Kommission die nötigen Genehmigungen vorlagen. Zusätzlich erwarb Eon im Rahmen des öffentlichen Übernahmeangebotes 9,41 Prozent der Aktien und sicherte sich zusätzlich 3,8 Prozent am Markt.

Für RWE und Eon mache der Deal „Sinn“, sagte SDK-Vertreter Krekel: „Aber wir sollen mit ein paar lumpigen Euro abgefunden werden.“ Der RWE-Kurs sei seit der Offerte um 20 Prozent geklettert, die Aktie von Eon ziehe mit Verzögerung jetzt nach. Er taxiert den Wert der Innogy-Aktie auf 52 Euro. Nach den Worten von DSW-Vertreter Hechtfischer fühlen sich die Innogy-Aktionäre „verraten, verkauft und um die Zukunft gebracht“.

Da Eon die Schwelle von 90 Prozent übersprungen hat, kann der Konzern den Squeeze-out aber durchziehen. Nach den Aussagen der Aktionärsvertreter ist zwar mit einem juristischen Nachspiel zu rechnen. In Squeeze-out-Verfahren sind Klagen wahrscheinlich. Die Klagen können aber nur die Höhe der Abfindung infrage stellen. Die Verschmelzung werden sie nicht aufhalten können.

Eon rechnet damit, dass die Verschmelzung in wenigen Wochen ins Handelsregister eingetragen wird. Innogy wird von der Börse genommen – und die kurze Geschichte des Energieversorgers, der nach dem Börsengang zum wertvollsten deutschen Energiekonzern aufgestiegen war, ist schon wieder zu Ende.