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Endlich Impfstoff!

·Lesedauer: 5 Min.

Ab heute werden die Ärmel hochgekrempelt: Das große Pieksen beginnt. Nur der Impfstoff ist noch knapp. Logistikkonzerne wie DHL versprechen sich ein großes Geschäft – auch weltweit.

Die 92 Jahre alte Elfriede Smettons wird vom Arzt Jörg Allrith als eine der ersten Senioren in Mecklenburg-Vorpommern im Seniorenquartier Schwerin gegen Corona geimpft. Am Sonntag haben die Corona-Impfungen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer in Deutschland begonnen. Foto: dpa
Die 92 Jahre alte Elfriede Smettons wird vom Arzt Jörg Allrith als eine der ersten Senioren in Mecklenburg-Vorpommern im Seniorenquartier Schwerin gegen Corona geimpft. Am Sonntag haben die Corona-Impfungen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer in Deutschland begonnen. Foto: dpa

Alles scheint bereit. Es startet die größte logistische Mammutaufgabe, die Deutschland je erlebt hat. Bundesweit sind in nur wenigen Wochen rund 450 Impfzentren entstanden – vorwiegend in Messe- und Veranstaltungshallen, aber auch schon mal in einem Fußballstadion (Düsseldorf) oder in einem stillgelegten Kaufhaus (Gummersbach).

Zehntausende Helfer haben sich in Dienstpläne eingetragen – freiwillig, aber nicht ohne Bezahlung: Für ihren Impf-Dienst erhalten Ärzte schon mal ein Stundenhonorar von über hundert Euro.

Hunderte Impfteams rückten am Sonntag bundesweit aus, um insgesamt mehrere tausend besonders gefährdete Menschen in Pflege- und Seniorenheimen zu immunisieren. In Bayern kam es in mehreren Landkreisen zu Pannen bei der Kühlung der Impfdosen, die dort zu einer Verzögerung der Aktion führten. Komplikationen bei Geimpften wurden zunächst nicht bekannt.

Die 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union hatten sich nach der Zulassung des Impfstoffes der Mainzer Firma Biontech und des US-Pharmariesen Pfizer darauf verständigt, dass die Impfkampagne überall gleichzeitig am Sonntag nach Weihnachten beginnen soll. Ungarn und die Slowakei impften aber schon am Samstag.

Auch in Deutschland hielten sich nicht alle an die Terminierung aus Brüssel und Berlin. In einem Seniorenzentrum in Halberstadt am Rande des Harzes wurden bereits am Samstag die ersten Bewohner und Mitarbeiter immunisiert, allen voran die 101-jährige Edith Kwoizalla. Die Verantwortlichen im Landkreis Harz und der Heimleiter wollten angesichts der dramatischen Lage keine Zeit verlieren. 40 der 59 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 10 von rund 40 Mitarbeitern ließen sich impfen.

Deutschland bekommt damit sein sehnlichst erwartetes Weihnachtsgeschenk. Die Hoffnung, dass der nun beginnende Impf-Marathon den Anfang vom Ende der Pandemie bedeutet, ist groß. Deutschland ist laut Gesundheitsminister Jens Spahn gut auf die größte Impfkampagne in der Geschichte des Landes vorbereitet. „Die Impfzentren sind startklar, die Impfteams stehen“, sagte der CDU-Politiker am Samstag in Berlin. Gleichzeitig machte er klar, dass das Coronavirus mit dem Start der Impfaktion noch nicht besiegt ist. „Wir werden einen langen Atem brauchen, um diese Pandemie hinter uns zu lassen.“ Der Impfstoff wird zunächst knapp sein. Spahn rechnet bis Ende März mit elf bis zwölf Millionen Impfdosen. Da jede und jeder zweimal geimpft werden muss, reicht das für etwa sechs Millionen Menschen – etwa zehnmal so viele bräuchte es, um in Deutschland eine Herdenimmunität zu erreichen. Bis ein Großteil der Deutschen geimpft ist, dürfte es bis Sommer 2021 dauern – mindestens.

Ob vor Ort in den Impfzentren alles klappt, hängt vor allem davon ab, wie gut die zahlreichen beteiligten Stellen zusammenarbeiten. Verantwortung und Finanzierung sind auf verschiedenste Träger verteilt. Bund und Länder teilen sich die Kosten. Der Bund ist für die Beschaffung des Impfstoffs zuständig, die Länder besorgen das nötige Zubehör. Allein für Nordrhein-Westfalen sind mehr als zwanzig Millionen Spritzen und Kanülen nötig. Die Verantwortung für die Zentren selbst liegt bei den Kreisen und Städten; vor Ort organisieren etwa Feuerwehr oder Rotes Kreuz die Abläufe. Für die Bereitstellung des medizinischen Personals ist zudem die Kassenärztliche Bundesvereinigung verantwortlich.

Für Logistikdienstleister wie DHL bedeutet die beginnende Impfstoff-Verteilung eine große Chance – auch weltweit. Denn schließlich muss der Impfstoff auch sicher in den Impfzentren ankommen. Die Bundesländer Niedersachsen und Baden-Württemberg haben dazu bereits Verträge mit DHL abgeschlossen. Die gelb-roten Lieferexperten sollen den Impfstoff lagern und transportieren.

Auch weltweit will der globale Logistikkonzern aus Bonn profitieren. DHL rechnet damit, dass es in den kommenden zwei Jahren weltweit rund zehn Milliarden Impfdosen zu verteilen gibt. Etwa 15.000 Flüge mit 200.000 Paletten-Lieferungen und 15 Millionen Kühlboxen für den Covid-19-Impfstoff sind dafür nötig, haben die Manager ausgerechnet. „Das ist allerdings deutlich mehr, als es im Moment gibt“, erklärte ein Logistikinsider dazu vor wenigen Wochen.

An dem Großprojekt arbeiten bei DHL schon jetzt etwa 9000 speziell geschulte Mitarbeiter. Sie sollen bald in weltweit 150 Lagerhäusern mit Kühlmöglichkeiten und 120 Umschlagsplätzen für den möglichst reibungslosen Transport sorgen. Weltweit steht DHL in Kontakt und Austausch mit Regierungen, NGOs und Impfstoffherstellern.

Ähnlich zuversichtlich gibt sich der Frankfurter Konkurrent Lufthansa Cargo. Unternehmenschef Peter Gerber präsentiert schon mal die Werbeargumente: „Die Beförderung von temperatur- und zeitsensiblen Arzneimitteln ist extrem anspruchsvoll. Wir haben uns als eine der ersten Fluggesellschaften auf den Transport von medizinischen Gütern und Arzneimitteln spezialisiert und können daher auf eine langjährige Erfahrung zurückgreifen.“. Lufthansa Cargo verfüge weltweit etwa über 200 temperaturanpassungsfähige Stationen zur Lagerung der Impfstoffe. Rund 30 davon sind für globale Pharmatransporte zertifiziert – das sogenannte CEIV-Siegel haben bisher nur wenige Fluggesellschaften erhalten.

Am Ende könnte die Impfstoff-Verteilung allerdings auch an praktischen Problemen scheitern. Laut einer Branchenschätzung verfügen nur 25 Länder über die nötige Infrastruktur, um Kühlketten von minus 80 Grad gewährleisten zu können. Deutschland gehört dazu. Die Impfzentren und -lager haben ausreichend Ultratiefkühlschränke und Trockeneis zur Kühlung angeschafft, heißt es.

Mit Material von dpa.

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