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Einbruch deutscher Aufträge übertrifft Analysten-Befürchtungen

(Bloomberg) -- Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie sind im September stärker zurückgegangen als erwartet. Damit wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die mit steigenden Energiekosten kämpfende Volkswirtschaft in eine Rezession abrutschen wird.

Die Nachfrage sank im Vergleich zum Vormonat um 4% und damit stärker als die mittlere Schätzung von 0,5% in einer Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen. Der Abwärtstrend beschleunigte sich. Im August gab es einen Rückgang von revidiert 2%.

Der unerwartet starke Rückgang wurde von den Auslandsaufträgen getragen, die um 7% einbrachen, so das Statistische Bundesamt in einer Mitteilung vom Freitag. Die Nachfrage aus dem Euroraum ging um 8% zurück, während die Aufträge aus anderen Ländern um 6,3% sanken. Die Inlandsaufträge stiegen indessen leicht an.

“Der Ausblick für die Industriekonjunktur bleibt angesichts der hohen Energiepreise, die immer stärker auf die Endverbraucher durchschlagen, eingetrübt”, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. “Nach überraschend positiver Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal droht ein schwaches viertes Quartal.”

Abflauende Nachfrage

Die Hersteller in der gesamten Region haben mit einer Rekordinflation zu kämpfen, die die Nachfrage nach ihren Waren bremst. Umfragen von S&P Global signalisierten diese Woche, dass sich das verarbeitende Gewerbe im Euroraum bereits in einer Rezession befindet, wobei Deutschland zu den Ländern mit den schlechtesten Ergebnissen gehört.

Der Automobilhersteller Stellantis NV erklärte am Donnerstag, dass die Verbraucher in Europa ihre Autokäufe leicht zurückfahren. Er schloss sich damit der Warnung der BMW AG an, dass die Region aufgrund steigender Kosten schwächelt.

Die deutschen Aufträge für Konsumgüter stiegen im September immer noch um 7,2%. Die Hersteller von Investitionsgütern verzeichneten jedoch einen Rückgang von 6% gegenüber dem Vormonat, so das Statistikamt. Trotz der anhaltenden Spannungen in den Lieferketten wurden zum ersten Mal seit Mai 2020 wieder mehr Aufträge abgearbeitet als neue eingingen.

Überschrift des Artikels im Original:German Factory Orders Accelerate Drop as Recession Looms (1)

--Mit Hilfe von Harumi Ichikura und Kristian Siedenburg.

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