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Eigenheim aus dem 3D-Drucker: Ukrainisches Startup baut Häuser in wenigen Stunden

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Nicht alle Menschen können sich ein Haus leisten. Das will das Startup PassivDom ändern. Das ukrainische Unternehmen baut Eigenheime auch für Otto Normalverbraucher. Der Trick: Die Häuser werden in wenigen Stunden von einem 3D-Drucker gefertigt.

Ein ukrainisches Startup druckt Häuser zu erschwinglichen Preisen. (Symbolbild: Getty Images)

Nicht jeder kann sich ein Haus leisten. Eine Lösung für alle, die sich ein Eigenheim wünschen, könnten die Angebote des Startups PassivDom sein. Die Häuser des ukrainischen Unternehmens werden nicht in einem arbeits- und zeitaufwändigen Bauprozess aus dem Boden gestampft, sondern in wenigen Stunden von Robotern ausgedruckt. Sie sind mobil, autonom und vergleichsweise erschwinglich.

Häuser aus dem 3D-Drucker

Das Grundgerüst eines haus.me, so das Label unter dem PassivDom seine Produkte vermarktet, entsteht laut Business Insider in Fabriken in der Ukraine und im US-Bundesstaat Kalifornien. Hier drucken 3D-Drucker aus Materialien wie Harz, Kohlenstoff- und und Glasfasern den Boden, die Wände und das Dach eines Hauses. Für ein 38 Quadratmeter großes Gebäude brauchen die so genannten Sieben-Achsen-Roboter rund acht Stunden. Kaum länger dauert die Arbeit der Handwerker, die an den Rohbau noch die Fenster und Türen anbringen und weitere Komponenten wie Sanitäranlagen sowie Elektrizitäts-, Kühl- und Alarmsysteme installieren müssen.

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Je nach Modell soll der gesamte Herstellungsprozess weniger als 24 Stunden dauern, so das Wirtschaftsmagazin. Größere Häuser mit mehr Spezifikationen könnten in einem Monat fertiggestellt werden. "Unser Ziel ist es, die Art und Weise wie Menschen über den Kauf eines Eigenheims denken, neu zu definieren und Wohneigentum zu einem Kinderspiel zu machen", definiert das Startup seine Firmenphilosophie.

Die Häuser der seit 2017 bestehenden Firma, deren Name übersetzt "passives Haus" heißt, können online konfiguriert und bestellt werden. Sie werden im Werk montiert und dort auch entsprechend der Konfiguration ausgestattet. Ab Lager könnten sie am nächsten Tag "einsatzbereit" geliefert werden, versichert das Unternehmen.

Autonom und selbstversorgend

Aufgestellt kann ein haus.me überall, alles was es dafür braucht, sei eine ebene Fläche. Ihren Wohnort können die Besitzer jederzeit wechseln. Denn die autonomen, sich selbst versorgenden Gebäude müssen nicht an externe Elektrizitäts- und Sanitärsysteme angeschlossen werden. Die auf dem Dach angebrachte Solaranlage liefert den Strom und sorgt für Wärme. Das Wasser wird aus der Feuchtigkeit der Luft gefiltert, in Wasserspeichern gesammelt und nach Gebrauch über ein unabhängiges Abwassersystem entsorgt.

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Auf diese Weise könnten die Eigentümer an jedem Ort leben, "von dem sie schon immer geträumt haben", heißt es im PR-Text des Startups. Auch außerhalb zivilisatorischer Netzwerke. "Wir sollten die Möglichkeit haben, in der Natur, abseits der Zivilisation zu leben", sagt Marina Sorokina, Designerin von PassivDom, in einen Interview mit dem Business Insider. "Diese Technologie kann es uns ermöglichen, in den Wäldern, auf Bergen oder an der Küste zu leben – weit weg von Menschen und Infrastruktur."

Die Ausstattung

Behaglich soll auch der Aufenthalt im Innern sein. Die Häuser seien mit allem ausgestattet, erklärt das Unternehmen, was ein Kunde brauche – inklusive Möbel und einer komplett ausgestatteten Küche. Das Badezimmer besteht aus einer Dusche, einem WC und einem Waschbecken. Für die Unterhaltung sorgen unter anderem Apple TV und das Lautsprecher-System von Sonos.

Angebunden sind die autonomen und beweglichen Häuser allenfalls ans Internet. Ein haus.me ist ein Smart Home. 24 intelligente, miteinander vernetzte Subsysteme sorgten dafür, dass der Eigentümer "ein sicheres und bequemes Leben führt", so das Sartup. "Das Haus kann Entscheidungen treffen, um Ihnen zu helfen und Sie zu beschützen. Es kann zuhören und es kann sprechen".

Das alles ist zu einem vergleichsweise erschwinglichen Preis zu haben. Das günstigste der drei angebotenen Modelle kostet je nach Konfiguration 199.999 US-Dollar aufwärts (umgerechnet 185.000 Euro). Auch das hat sich das ukrainische Unternehmen als Motto auf die Fahne geschrieben. Es will Häuser für Menschen bauen, die sich ein normales Haus nicht leisten können. "Mehr als 100 Millionen Menschen haben kein Dach über dem Kopf", sagt Architektin Sorokina. "Man muss mehr erschwingliche Häuser bauen."

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