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DZ Bank in Pandemie - Notfallräume, Kantinentermine, Einbahnwege

Stephan Kahl

(Bloomberg) -- Nachdem bei der DZ Bank angesichts der Coronakrise in der Spitze rund 90% der Belegschaft daheim gearbeitet hatten, kehren jetzt wieder mehr Mitarbeiter in die Büros zurück. Damit das funktioniert, wurden viele Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Auf absehbare Zeit soll die Home-Office-Quote aber hoch bleiben.

„Derzeit arbeiten noch rund 80% der Mitarbeiter von zu Hause aus. Diesen Wert werden wir auf 75% senken und bis auf Weiteres dort belassen”, sagte Vorstand Christian Brauckmann in einem Interview mit Bloomberg.

Mitarbeiter, die in die Bank zurückkehren, müssen sich auf viele Neuerungen einstellen. So wurden in engen Bereichen Einbahn-Wege eingerichtet, um Mindestabstände wahren zu können. In eine Fahrstuhlkabine dürfen nur noch maximal zwei Personen einsteigen. Darüber hinaus gibt es eine generelle Empfehlung zum Tragen von Masken.

Auf Temperatur-Messung beim Betreten der Bürogebäude will die DZ Bank verzichten. Ein solcher Schritt war von der HypoVereinsbank Ende Mai angekündigt worden.

Die Kantine ist seit wenigen Tagen zwar wieder geöffnet, allerdings mit Einschränkungen. “Um Schlangen zu vermeiden, müssen die Mitarbeiter vorab einen Zeitpunkt buchen, zu dem sie ihr Essen abholen beziehungsweise auch in der Kantine Platz nehmen können”, erklärte Brauckmann. Das Service-Personal muss Masken anlegen.

Ebenfalls geöffnet ist die Kita im Unternehmen, die lange Zeit geschlossen war.

Handel im Ausweich-Quartier

Im Handel hatte die Frankfurter Bank wegen der Coronakrise einige Mitarbeiter aufgeteilt und erstmals ihre Notfallräume in Düsseldorf genutzt, wo rund 100 Arbeitsplätze existieren. Vorher gab es dort nur Übungen. Einige Händler sind noch in Düsseldorf tätig, allerdings weniger als vor ein paar Wochen.

In Düsseldorf arbeitet zudem als Vorsichtsmaßnahme die Hälfte des Vorstands, der Rest in Frankfurt. Brauckmann: “Das werden wir wahrscheinlich noch bis zu den Sommerferien beibehalten”.

Auch andere deutsche Finanzdienstleister hatten in den vergangenen Wochen mehr Mitarbeiter in ihre regulären Büros zurückgeholt. Commerzbank AG erhöhte die angestrebte Anwesenheitsquote auf rund 50% des Vorkrisen-Niveaus. DWS, die Fondstochter der Deutschen Bank AG, will ein Fünftel der Beschäftigten wieder in der Zentrale in Frankfurt lassen. Und bei HSBC Trinkaus & Burkhardt AG ist die Home-Office-Quote von 90% auf derzeit knapp 80% gesunken, wie Vorstandssprecherin Carola von Schmettow am Mittwoch bei der Hauptversammlung sagte.

100 Corona-Fälle in Gruppe

Brauckmann hat trotz der erhöhten Home-Office-Anteils keine Zunahme an Cyber-Attacken festgestellt. Er glaubt, dass die grundsätzlich guten Arbeits-Erfahrungen aus der Krise zu einem Umdenken in der Branche und zu einem enormen Schub für flexibles Arbeiten geführt haben.

“Viele Mitarbeiter müssen nicht jeden Tag in der Bank sein, um ihre Arbeit zu erledigen”, sagte er. Bei der DZ Bank werde der Home-Office-Anteil nach der Coronakrise sicherlich höher sein als davor.

Kurzfristige große Einsparponziale für die Branche gibt es durch diesen Trend aber kaum, meinte Portfoliomanagerin Alexandra Annecke von Union Investment in einem separaten Interview. “Weniger Mitarbeiter im Büro brauchen wegen des Social Distancing unter Umständen genauso viel Platz. Und viele Mietverträge laufen über lange Zeiträume”, erklärte sie.

Bei der DZ Bank hatte es bislang 10 positive Corona-Fälle gegeben, in der DZ Bank Gruppe waren es rund 100. Alle Mitarbeiter sind laut Brauckmann genesen: “Zurzeit sind uns keine Fälle bekannt“.

(Ergänzt um HSBC Trinkaus & Burkhardt im 9. Absatz)

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