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dpa-AFX Überblick: KONJUNKTUR vom 04.06.2020 - 17.00 Uhr

GESAMT-ROUNDUP 2: 130 Milliarden gegen die Corona-Krise - Viel Lob für Regierung

BERLIN - Das 130 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket der großen Koalition lässt Wirtschaft und Experten auf eine rasche Erholung nach der Corona-Krise hoffen. Nachdem Union und SPD sich in Marathon-Verhandlungen unter anderem auf eine Absenkung der Mehrwertsteuer, einen Familienbonus und Entastung bei den Strompreisen geeinigt hatten, überwogen am Donnerstag die positiven Reaktionen, etwa von Arbeitgebern, Ökonomen und auch Umweltschützern. Aus der Opposition kam aber auch viel Kritik: Die Maßnahmen seien insgesamt zu teuer und wenig zielgenau.

ROUNDUP: EZB stemmt sich mit Billionenpaket gegen Konjunkturabsturz

FRANKFURT - Im Kampf gegen die beispiellosen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben Europas Währungshüter ihren Einsatz nahezu verdoppelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) stockt ihr Corona-Notkaufprogramm für Anleihen um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro auf. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag in Frankfurt. Die Mindestlaufzeit des Kaufprogramms wird zudem um ein halbes Jahr bis Ende Juni 2021 verlängert. Die Notenbank rechnet in diesem Jahr mit einer schweren Rezession im Euroraum mit einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 8,7 Prozent und einer Inflation nahe null.

ROUNDUP: Knapp 1,9 Millionen neue Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in USA

WASHINGTON - Die Corona-Pandemie setzt dem US-Arbeitsmarkt weiter zu - allerdings weniger heftig als noch vor ein paar Wochen. Knapp 1,9 Millionen Menschen stellten in der Woche bis einschließlich 30. Mai einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Seit Mitte März haben damit USA-weit mehr als 42 Millionen Menschen mindestens zeitweise ihren Job verloren - so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit. Zuletzt gingen die Zahlen der wöchentlichen Neuanträge allmählich zurück, parallel zur graduellen Lockerung der Ausgangsbeschränkungen in den Bundesstaaten.

ROUNDUP: Trumps Reaktion auf Unruhen bringt Militärs gegen ihn auf

WASHINGTON - Der Umgang von US-Präsident Donald Trump mit den Unruhen im Land stößt auf ungewöhnlich heftigen Widerstand bei hochrangigen Militärs. Trumps früherer US-Verteidigungsminister James Mattis stellte sich in einer seltenen und drastischen Wortmeldung hinter die friedlichen Proteste und kritisierte den Präsidenten als Spalter. Auch von anderen pensionierten Militärs kam Kritik. Zuvor hatte sich der amtierende Verteidigungsminister Mark Esper gegen einen Einsatz des US-Militärs zum Stopp der Unruhen ausgesprochen und war damit klar auf Distanz zu Trump gegangen. Nachdenkliche Worte kamen auch von allen vier noch lebenden früheren US-Präsidenten.

ROUNDUP 2: China und die EU betonen Zusammenarbeit - trotz Gipfel-Aufschubs

PEKING/BERLIN/BRÜSSEL - Trotz der Verschiebung des EU-China-Gipfels in Leipzig betonen beide Seiten den Willen zur Zusammenarbeit. Die Verzögerung des für den 14. September geplanten Treffens sei allein der Corona-Pandemie geschuldet und habe keine politischen Gründe, sagte der deutsche EU-Botschafter Michael Clauß am Donnerstag. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping unterstrich das Interesse seines Landes an einer strategischen Kooperation.

ROUNDUP: Maas drückt bei EU-Wiederaufbauplan aufs Tempo

DEN HAAG - Bundesaußenminister Heiko Maas hat bei einem Besuch in den Niederlanden darauf gedrungen, möglichst bald eine Einigung über das EU-Wiederaufbauprogramm zur Bewältigung der Corona-Krise zu finden. Deutschland werde nach der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli dazu beitragen, "dass sehr schnell ein Kompromiss gefunden wird", sagte er nach einem Gespräch mit seinem Kollegen Stef Blok in Den Haag.

ROUNDUP: Nachfrage halbiert - Autokäufer halten sich zurück

BERLIN/FLENSBURG - Ein neues Auto steht derzeit nur für wenige Deutsche auf der Agenda. Im Mai wurden gut 168 000 Autos neu zugelassen, nur etwa halb so viel wie im Vorjahresmonat, wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Donnerstag in Flensburg mitteilte. Damit hat sich der Automarkt in der Corona-Krise nach dem starken Einbruch im März und April bislang kaum erholt. Im April hatten die Neuzulassungen mehr als 60 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen und waren damit auf den niedrigsten Stand seit 1991 gesunken.

USA: Produktivität fällt im ersten Quartal weniger stark als gedacht

WASHINGTON - Die Produktivität der US-Wirtschaft hat nicht so stark unter der Corona-Krise gelitten wie befürchtet. Wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington in einer zweiten Schätzung mitteilte, lag das Verhältnis von Produktion und Arbeitszeit im ersten Quartal auf das Jahr hochgerechnet nur 0,9 Prozent unter dem Niveau des Schlussquartals. Zuvor war noch ein Rückgang von 2,5 Prozent gemeldet worden. Analysten hatten mit einem Rückgang von im Schnitt 2,7 Prozent gerechnet. Die Lohnstückkosten stiegen annualisiert um 5,1 Prozent und damit etwas deutlicher als erwartet.

USA: Handelsbilanz erneut mit deutlich höherem Defizit

WASHINGTON - Das Defizit in der Handelsbilanz der USA hat sich im April angesichts der Corona-Krise erneut erheblich ausgeweitet. Wie das Handelsministerium am Donnerstag in Washington bekanntgab, erhöhte sich der Überschuss der Einfuhren gegenüber den Ausfuhren zum Vormonat um 7,1 Milliarden auf 49,4 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit einem Defizit in dieser Höhe gerechnet. Der Wert für den März wurde von zuvor 44,4 auf 42,3 revidiert. Bereits im März hatte die Handelsbilanz ein deutlich höheres Defizit ausgewiesen.

Eurozone: Umsatz im Einzelhandel bricht in Corona-Krise erneut ein

LUXEMBURG - Der Umsatz des Einzelhandels in der Eurozone ist wegen der Corona-Krise auch im April eingebrochen. Die Einzelhandelsumsätze seien um 11,7 Prozent zum Vormonat gefallen, teilte das europäische Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Luxemburg mit. Volkswirte hatten allerdings im Schnitt einen stärkeren Rückgang um 15,0 Prozent erwartet. Im März waren die Umsätze um revidierte 11,1 (alt: 11,2) Prozent geschrumpft.

ROUNDUP: Nachfrage nach Maschinen bricht ein - größtes Minus seit Finanzkrise

FRANKFURT - Deutschlands Maschinenbauer haben die Corona-Krise im April mit voller Wucht zu spüren bekommen. Die Bestellungen brachen gegenüber dem Vorjahresmonat bereinigt um Preiserhöhungen (real) um 31 Prozent ein, wie der Branchenverband VDMA am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Das sei der stärkste Rückgang seit der Finanzkrise mit einem Minus von mehr als 50 Prozent im April 2009, erläuterte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Die Inlandsorder sanken im April dieses Jahres um 25 Prozent. Die Auslandsbestellungen brachen um 34 Prozent ein. Ein schnelles Ende der Talfahrt scheint vorerst nicht in Sicht.

Deutschland: Mehr Wohnungen errichtet - aber weiter Stau am Bau

WIESBADEN - Der Wohnungsbau in Deutschland hat 2019 den höchsten Stand seit fast 20 Jahren erreicht. Mit 293 000 errichteten Wohnungen, einem Plus von 2,0 Prozent, setzte sich der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fort, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Eine höhere Zahl an fertiggestellten Wohnungen hatte es zuletzt 2001 gegeben (326 600). Während nun viele Mehrfamilienhäuser entstanden, kamen kaum Einfamilienhäuser dazu.

Ifo-Präsident begrüßt Konjunkturpaket der Koalition

BERLIN - Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, hat das Corona-Konjunkturpaket der großen Koalition als durchdacht und ausgewogen gelobt. Es werde die Rezession sicherlich dämpfen, sagte er am Donnerstag im Deutschlandfunk. "Aus der Welt schaffen kann man sie natürlich nicht." Mit einer befristeten Senkung der Mehrwertsteuer könne der Konsum kurzfristig angekurbelt werden. Wenn die Sätze im kommenden Jahr wieder steigen, bestehe aber "ein bisschen" die Gefahr, dass der Konsum abbreche. "Es ist beabsichtigt, dass man erstmal den Konsum anregt in dieser kritischen Phase. Nur man verlässt sich eben darauf, dass im nächsten Jahr das Gröbste vorbei ist", sagte Fuest.

Nordkorea droht mit Ende eines Militärabkommens mit Südkorea

SEOUL - Nordkorea hat aus Verärgerung über eine neue Propaganda-Aktion südkoreanischer Aktivisten mit dem Ende eines Militärabkommens mit Südkorea über vertrauensbildende Maßnahmen gedroht. Die südkoreanische Regierung werde einen hohen Preis dafür zahlen, "wenn sie diese Situation weiterlaufen lässt", hieß es am Donnerstag in einer Erklärung der einflussreichen Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, Kim Yo Jong.

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