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Vielleicht unterlagen FCB-Verantwortliche Fehleinschätzung

Marcel Reif
·Lesedauer: 4 Min.

Hallo Fußball-Freunde,

den größten Aufreger des bisherigen Spieltages gab es in Stuttgart. In der Nachspielzeit bekamen die Hausherren gegen Borussia Möchengladbach nach VAR-Entscheidung einen Elfmeter zugesprochen. Silas Wamangituka sorgte für den Stuttgarter Ausgleich und die Fans hatten wieder viel Diskussionsstoff um den Videoschiedsrichter.

Was ich allerdings nicht verstehe - und das müssten mir die handelnden Personen mal erklären - warum müssen wir das alles überhaupt erfahren? Wenn Bibiana Steinhaus Schiedsrichter Dr. Felix Brych aufs Ohr sagt, 'Schau dir das mal an' und er sagt 'Danke, hab ich gesehen', ist die Geschichte erledigt.

Muss man den Elfer pfeifen? Nein. Wenn Brych sagt, das Klammern 'habe ich gesehen' und ist mir zu wenig, ist alles vorbei. Ich hätte das verstanden.

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Zum Glück hat sich der Videobeweis in der letzten Zeit jedoch schon versachlicht. Wir spielen Fußball. Das ist ein Kontaktsport und nicht jeder Kontakt ist Foul.

Reif: Die Bayern sind platt

Aber genug davon, lasst uns lieber auf das Sportliche schauen. Die Bayern sind platt, aber keiner scheint es wirklich ausnutzen zu können. (SERVICE: Alle Spiele und Ergebnisse)

Anstatt den Rekordmeister zumindest vorübergehend vom Thron zu stürzen, kam RB Leipzig beim VfL Wolfsburg nicht über ein 2:2 hinaus. Borussia Dortmund könnte mit seinem Remis beim Abstiegskandidaten FSV Mainz 05 weiter an Boden im Titelrennen verlieren.

Mittlerweile scheint es mir so, als wenn das Meisterschaftsrennen nur spannend werden könnte, wenn ausschließlich die Bayern am Ende mit ihren Kräften wären. Wenn die anderen dann frisch wären, dann stünde die Frage im Raum, ob sie die Schwäche der Bayern nutzen können. Die japsen aber auch, und dann wird es schwierig.

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Zumindest hat Leipzig die Ausrede, dass sie in der vergangenen Saison mit dem Champions-League-Halbfinale ebenfalls lange im Einsatz waren. Deren Vorbereitungszeit war genauso kurz wie die der Bayern. Das merkt man ihnen an. Die Frische, die für den Nagelsmann-Fußball benötigt wird, können sie aktuell nicht über 90 Minuten aufs Feld bringen. Die wollen zwar alle, aber es geht einfach nicht.

Dortmund kann nicht gegen die Kleinen

Bei Dortmund sehe ich jedoch ein anderes Problem. Da kommt mir wieder das Stichwort Erwachsenen-Fußball in den Kopf. Der scheint allerdings nur in Topspielen abrufbar zu sein.

Gegen Wolfsburg – einen direkten Konkurrenten – haben sie es ernst genommen. Und Leipzig haben sie ebenfalls ernst genommen, das war ihnen wichtig. Aber am Wochenende hatte man wieder das Gefühl, dass die "kleinen" Mainzer nicht das nötige Gewicht mitbringen, um Dortmund anzustacheln. (SERVICE: Bundesligatabelle)

In solchen Spielen müssen beim BVB die Älteren vorangehen. Aber ausgerechnet dann patzt Marco Reus vom Elfmeterpunkt. Wenn man das Tor nicht trifft, kann man den Elfer besser schießen. Er muss sich fragen lassen, ob er nicht ganz bei der Sache war.

Mittlerweile gebe ich es auf. Ich weiß, beim nächsten Topspiel gegen einen direkten Konkurrenten sehen wir wieder ein anderes Dortmunder Team. Es fällt ihnen schwer, sich gegen Teams, die von der Qualität hinter ihnen stehen, reinzubeißen und ein Spiel abzunudeln.

Bayern und das Dilemma mit den Neuzugängen

Zum Glück für die Liga kämpfen auch die Münchner mit der Müdigkeit und die deswegen geholten Neuzugänge sind noch keine Verstärkung, das auch gegen Freiburg deutlich. Die Neuen würden vielleicht besser werden, wenn sie mehr spielen würden. Sie müssten aber besser sein, um mehr zu spielen. Aus diesem Dilemma kommt man nicht heraus. Ich weiß bei Bouna Sarr immer noch nicht, was er wirklich kann. Was ich in den Kurzeinsätzen sehe, reicht nicht.

Vielleicht unterlagen die Verantwortlichen im Sommer aber auch einer Fehleinschätzung. Unter Umständen dachten sie, dass es vielleicht die ersten dreizehn Spieler so hinkriegen, dass man nach 60 Minuten zumeist schon so ein Polster hat, dass es reicht. Aber die bringen es momentan nicht so hin und die anderen traut man sich nicht zu bringen, weil man sonst vielleicht noch mehr Punkte verliert.

Immerhin bescheren uns die Münchner damit ein bis hierher spannendes Titelrennen. Allerdings sollten sich die Verfolger nicht zu sehr darauf verlassen, dass sich der Rekordmeister auch am Ende der Saison, wenn die Titel vergeben werden, so spendabel zeigt.

Bis demnächst,
Euer Marcel Reif

Marcel Reif ist nach rund 1.500 kommentierten Spielen eine Reporter-Legende. Für seine Arbeit erhielt Reif unter anderem den "Grimme Preis", den "Deutschen Fernsehpreis" und den "Bayerischen Fernsehpreis". Seit Sommer 2016 begleitet Marcel Reif als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.