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Diese Unternehmerin kämpft um den Ruf der Fleischindustrie

Sarah Dhem ist Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie. Sie klagt über „pauschales Fleisch-Bashing“, redet aber auch den Firmen ins Gewissen.


Sarah Dhem ist eine Unternehmerin aus Leidenschaft. Sie und ihr Mann Mirko Dhem, ein Koch, bezeichnen sich selbst als das „wohl fleischverliebteste Ehepaar, das die Welt je gesehen hat“.

Die beiden leiten den Fleischverarbeiter Schulte – Lastruper Wurstwaren aus Niedersachsen in dritter Generation. Und sie sind in großer Sorge, dass mit der derzeitigen Kritik an den Schlachthöfen in der Coronakrise eine ganze Industrie verteufelt wird. Sarah Dhem klagt öffentlich über „pauschales Fleisch-Bashing“ und fordert: „Wir brauchen Lösungen, keine Hetze.“

Wenn an diesem Mittwoch das Corona-Kabinett der Bundesregierung über Regelungen für Werkverträge in Schlachthöfen entscheidet, ist auch Dhem wieder ganz vorne mit dabei. Denn die 40-Jährige ist seit dem vergangenem Jahr nicht nur Unternehmerin, sondern auch Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF).

Und damit betreffen sie die Zustände in den Schlachthöfen ganz direkt, mit denen die mittelständischen Fleischverarbeiter eng zusammenarbeiten. Dhem entspricht nicht dem klassischen Bild einer Verbandsfunktionärin. Sie kämpft zwar für das Image der Branche, aber nicht immer mit diplomatisch abgewogenen Worten

So hat sie den Skandal um verseuchte Wurst beim Hersteller Wilcke Ende 2019 als „Vollkatastrophe“ bezeichnet. Dhem setzt sich für mehr Tierwohl ein und macht deutlich, dass dafür aber auch höhere Preise für Fleisch nötig sind.

Die vierfache Mutter kennt beide Seiten ihres Berufs, die handwerkliche und die wirtschaftliche. Sie hat eine Ausbildung als Fleischerin und ihren Meister gemacht. Sie hat aber auch eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei Rügenwalder Mühle absolviert, danach BWL mit Schwerpunkt Jura studiert.

Ihr ist klar, was zurzeit für die Branche auf dem Spiel steht – und dass nach den positiven Corona-Fällen in Schlachtbetrieben ihre Arbeit deutlich mehr im Fokus steht. Dhem stellt dabei keineswegs nur Forderungen an die Politik. Dass Betriebe beispielsweise Verantwortung an Subunternehmen abschieben, hält sie für falsch. „Als Unternehmer muss ich mich kümmern“, sagt sie, „diesen ethischen Anspruch an uns selber müssen wir haben.“