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Diese deutschen Zulieferer wollen vom neuen Tesla-Werk profitieren

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Teslas Werk in Grünheide weckt Begehrlichkeiten: Deutsche Zulieferer wollen daraus eigenen Nutzen ziehen. Wer sich Hoffnung auf Aufträge macht, wer schon welche gewonnen hat.

Der Blick auf die Baustelle der Tesla Gigafactory in Grünheide verrät: Es geht schnell voran. Foto: dpa
Der Blick auf die Baustelle der Tesla Gigafactory in Grünheide verrät: Es geht schnell voran. Foto: dpa

Als Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach kürzlich Elon Musk traf, konnte der Chemieingenieur mit seinem Wissen über Batteriezellen glänzen. Mit dem Mitgründer von Tesla fachsimpelte Steinbach neben anderen Themen auch über die Elektrochemie der Batterien. Dass der Minister vom Fach ist, ist womöglich ein Pluspunkt für Brandenburg und seine Gemeinde Grünheide bei Berlin, in der Tesla seine neue Gigafabrik baut. Ab Sommer 2021 soll dort das Model Y vom Band laufen.

In der ersten Phase, so ist der Plan, will Tesla dort mit bis zu 12.000 Mitarbeitern bis zu 500.000 Autos im Jahr bauen. Und ginge alles im jetzigen Tempo weiter, könnten es einem Insider zufolge schon bald doppelt so viele sein. Demnach könnten im Werk nach seinem Endausbau der Phase 3 zwei Millionen Autos im Jahr produziert werden. „Bei der Infrastrukturplanung gehen Gutachter davon aus, dass an diesem Standort in künftigen Phasen erheblich mehr Autos produziert werden könnten. Perspektivisch geht Tesla – je nach Markthochlauf – von bis zu 40.000 Mitarbeitern aus“, sagt Steinbach.

Angesichts der Dimensionen ist klar: „Die Ansiedlung von Tesla wird eine nachhaltige Wirkung auf die Wirtschaft in der gesamten Bundesrepublik entfalten“, sagt Steinbach. Während viele Unternehmen gerade Mitarbeiter vor die Tür setzen, baut Tesla Tausende auf. Das weckt Begehrlichkeiten: In Grünheide und Umgebung suchen Insidern zufolge Zulieferer nach Gewerbeflächen. Wer? Das ist geheim – das sei „alles im internen Stadium, absolut vertraulich“, heißt es bei der Wirtschaftsförderung.

Noch habe ohnehin kein Zulieferer ein Gewerbe vor Ort angemeldet, sagt Arne Christiani, Bürgermeister der Gemeinde Grünheide. Und noch hat Tesla nicht alle Aufträge für Zulieferteile vergeben. Zudem fertige Tesla mehr Teile selbst als deutsche Autobauer, sagt Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg. So planen die Amerikaner in Grünheide etwa eine Sitzfertigung.

Doch klar ist trotzdem: Ohne deutsche Ingenieurskunst wird Musk seine Autos nicht bauen können. Schon im Buch „Fallstudienkompendium Hidden Champions“ von Jan-Philipp Büchler hieß es 2018, dass Tesla „einen nicht unerheblichen Fertigungsanteil von Hidden Champions aus dem deutschsprachigen Raum“ aufweise.

Allein: Die Unternehmen schreien diese Aufträge nicht heraus. Denn die Amerikaner, sagen viele, goutierten es nicht, wenn Zulieferer mit Tesla werben. Viele würden das gerne, denn Tesla gilt als sexy. Wer Teile an einen Elektroautobauer liefert, erscheint zukunftsfähig. Trotzdem schweigen die meisten Zulieferer, in der Branche weiß man allerdings schon, wer Tesla womit beliefert.

Die Roboter für die Lackiererei in Grünheide etwa soll Musk bei Dürr kaufen. Das dürfte ein größerer Auftrag sein: Im Schnitt hat eine Lackiererei etwa 60 bis 80 Roboter. Auch der Zulieferer Edscha ist für das Werk in Grünheide nominiert und werde Türfeststeller sowie Heckklappen-Scharniere an Tesla liefern, heißt es.

Schon länger mit Tesla im Geschäft

Etwas gesprächiger sind viele Zulieferer, wenn die Aufträge bereits länger bestehen und die Autos anders als jene aus Grünheide schon verkauft werden. ElringKlinger etwa ist gut im Geschäft: Chef Stefan Wolf plauderte schon darüber, was sein Unternehmen liefert. ElringKlinger mache Karosseriestrukturbauteile und Cockpitquerträger, habe extra ein Werk in Fremont gebaut, und sei „Alleinlieferant für Model 3 und Model Y für den Cockpitquerträger in Schanghai“. Zudem sei man „gerade in Verhandlungen in Bezug auf die Belieferung in Brandenburg hier im europäischen Werk“. Man habe „sehr enge Beziehungen mit Tesla“.

Bosch bestätigt, Tesla unter anderem mit Systemen und Komponenten im Bereich Fahrwerk und Sicherheit zu beliefern. „Tesla ist seit etlichen Jahren Kunde von Bosch. Die Zusammenarbeit ist daher bereits etabliert und sehr erfolgreich“, meint der weltgrößte Autozulieferer. Auch Continental beliefert Tesla – mit Reifen, Fahrzeugsensorik, Zugangselektronik, Dämpfungssystemen, Innenraumkomponenten oder Fahrerassistenzelektronik. Der Roboterbauer Kuka sagt, dass man an verschiedenen Standorten Lieferant von Robotik für die Produktion von Tesla sei. Aufgrund von Kundenvorgaben könne man sich aber nicht „zu aktuellen oder individuellen Projekten“ äußern.


„Tesla ist für uns ein wichtiger Kunde“

Henkel beliefert Tesla mit Klebstoffen. Derzeit sei man im Gespräch für das Werk Grünheide, heißt es. Man wolle helfen, Autos etwa leichter zu machen. Zum Portfolio zähle „eine stetig wachsende Anzahl von Lösungen für die Elektromobilität“, die in Batterien, Elektromotoren oder Wechselrichtern zum Einsatz kämen. Henkel verkauft Klebstoffe für Batteriezellen und -packs, Beschichtungen zum Schutz vor Korrosion oder elektrisch leitfähige Materialien sowie Strukturklebstoffe für neue Designs.

Für den Kunststoffspezialisten Covestro ist Tesla „ein wichtiger strategischer Kunde, mit dem wir seit vielen Jahren zusammenarbeiten und Hochleistungsmaterialien für verschiedene E-Mobilitätsanwendungen entwickelt haben“, so Covestro-Chef Markus Steilemann. Wie es in der Branche heißt, liefert er Tesla Hochleistungskunststoffe für Scheinwerfer, Batterien und Entertainment-Technologie. Man habe Teslas Geschäft in den USA und in China erfolgreich unterstützt und werde das Unternehmen „auch in Europa begleiten“, so Steilemann.

Stabilus ist in den Modellen S, X und 3 vertreten. Darunter sind Produkte wie elektromechanische Antriebe oder Gasfedern für die Kofferraumklappe. Auch der Zulieferer ZF Friedrichshafen bestätigt, Tesla mit Produkten aus der Fahrwerktechnik und mit Sicherheitssystemen zu beliefern. Technik von ZF finde man in unterschiedlichen Modellen. Die Fertigung erfolgt global. Und ja: Je nach Modellpalette wolle man „künftig auch nach Grünheide“ liefern.

Hoffen auf Aufträge

Für ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt steigt die Spannung: Derzeit bemüht man sich dort um Aufträge – die Verhandlungen mit Tesla laufen. „Mit der Ansiedlung von Tesla in Grünheide setzen wir auch dort darauf, innovative Stahlprodukte für die Produktion von E-Autos zu liefern“, so ArcelorMittal. Auch bei Manz hofft man noch, auch für deren Produkte läuft die Auftragsvergabe noch. Der Maschinenbauer bietet Produktionsanlagen zur Herstellung von Zellen und deren Montage zu einem Modul an.

Produkte von Dräxlmaier findet man heute nach Auskunft des Unternehmens „in allen Tesla Modellen“. Auch in Grünheide? „Bis dato haben wir kein Lieferverhältnis für das neue Produktionswerk in Berlin, aber es sind auch noch nicht alle Themen vergeben“, schreibt der Zulieferer. Antworten wie diese geben derzeit noch viele – ThyssenKrupp etwa hofft, mit seinen Komponenten- und Systemen dabei zu sein. In allen „bisherigen Volumenmodelle von Tesla“ sei man vertreten, versichert der Konzern. Der Fokus liege dabei auf Fahrwerkstechnologien und auf der Entwicklung von Fertigungsanlagen zum Fahrzeugbau. „Tesla ist für uns ein wichtiger Kunde, mit dem wir auch bei zukünftigen Modellen gerne zusammenarbeiten.“ Derzeit stehe man „in engem Kontakt“ mit Tesla.

Hoffnung können sich auch ganz neue Lieferanten machen: Minister Steinbach erwartet, „dass Tesla in absehbarer Zeit auch in die Batteriezellfertigung in Grünheide einsteigt“. Bislang fertigt Tesla seine Zellen zum Beispiel mit Panasonic. Einem Insider zufolge könnte der Antrag zum Bau einer Zellfertigung in Grünheide schon im Laufe des vierten Quartals kommen. Bei Teslas „Batterietag“ am 22. September könnte Musk mehr über mögliche Zell-Pläne verraten.

Bis dahin spekuliert die Fachwelt, ob BASF davon am Standort Schwarzheide profitiert. Das Unternehmen plant im Projekt für Batteriematerial eine Kathodenfabrik, gerade wurde der Chemiekonzern auch deswegen mit 175 Millionen Euro gefördert. BASF hält sich bedeckt. Man lege seine Kunden nicht offen, heißt es. Vielleicht noch nicht.

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