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Diese 15 falschen Mythen übers Energiesparen halten sich – so spart ihr dennoch richtig

Energie zu sparen, ist keine Hexerei. Landläufige Mythen können cleveres Sparen jedoch erschweren oder verhindern. Welche Mythen sind das? Der Autor Alexander Rudow hat in seinem Buch „Energie sparen. Tipps und Tricks für Haushalt, Heizung, Auto u.v.m.“ einige gesammelt und genauer unter die Lupe genommen.

Häufig wird Wäsche im Winter drinnen getrocknet - dabei wird sie draußen auch trocken. - Copyright: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Fernando Gutierrez-Juarez
Häufig wird Wäsche im Winter drinnen getrocknet - dabei wird sie draußen auch trocken. - Copyright: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Fernando Gutierrez-Juarez

1. Sparsamere Geräte führen zu niedrigerem Stromverbrauch

Nichts gegen Fortschritt und Entwicklung. Im Gegenteil. Entscheidend für den Verbrauch sind aber nicht die Maschinen, sondern wir Menschen. Und wir Menschen sind eine schwierige Spezies. Wenn die Nutzung einer Ressource effizienter wird, dann sagen wir: „Super! Billiger! Dann kann ich ja mehr nutzen.“ Das Phänomen nennt sich Jevons-Paradoxon. Der britische Ökonom William Stanley Jevons befürchtete nämlich schon im 19. Jahrhundert eine Energiekrise, weil die hohe Nachfrage nach Kohle nicht zu decken sei. Wie das? James Watt hatte den Wirkungsgrad der Dampfmaschine erheblich verbessert. Jede Maschine benötigte weniger Kohle bei gleichem Effekt.

Jevons aber stellte fest, dass der Kohleverbrauch in England jetzt nicht sank, sondern stieg. Die Nutzung der Kohle war billiger und dadurch noch attraktiver als vorher. Jeder einzelne Verbrauch war sparsamer, aber die gesamte Nutzung nahm zu. Das Paradoxon: Höhere Effizienz bei Energie und Ressourcen führt zu höherem Energieverbrauch. Der frisst die Sparsamkeit der neuen Technik wieder auf. Das Umweltbundesamt hat ermittelt, dass private Haushalte heute ebenso viel Energie verbrauchen wie 1990, obwohl die Geräte seitdem viel sparsamer geworden sind. Ein Beispiel ist der sinkende Stromverbrauch pro Quadratzentimeter Bildschirm bei Fernsehern. Diese Effizienz wird dadurch aufgefressen, dass die Flatscreen-Monitore immer größer werden. Und die Produktion und der Kauf neuer Geräte sind meist teurer und verbrauchen mehr Energie, als die alten weiter zu benutzen.

2. Privates Sparen bringt nichts im Großen

Ist es egal, was wir kleinen Verbraucher tun? Kommt es nicht auf die große Wirtschaft an? Mitnichten. Was wäre der Effekt, wenn man in Deutschland alle Geräte im Standby-Betrieb ausschaltete? Wenn also etwa das kleine Lämpchen am Fernseher nicht mehr blinkt? Das würde jährlich mehr Energie sparen, als Berlin und Hamburg zusammen verbrauchen. Hättet ihr das gedacht? Es bringt also viel im Großen, was man privat spart.

3. Energie zu sparen, heißt Strom zu sparen

Das ist nur teilweise richtig. Beim Strom liegt nämlich nicht der mächtigste Hebel. Mehr als 85 Prozent des Energieverbrauchs in privaten Haushalten entfallen auf Heizung und Warmwasser. Allerdings ist Strom teurer als Gas. Aus den über 85 Prozent werden dadurch rund zwei Drittel auf der Energie-Rechnung. Ein Drittel ist Strom.

4. Tarife mit Ökostrom helfen bei der Energiewende.

Ihr wollt bei der Energiewende mithelfen? Super! Allerdings hilft ein Tarif mit Ökostrom kaum dabei. Der Ausbau erneuerbarer Energien finanziert sich in Deutschland hauptsächlich über die EEG-Umlage. Und die zahlt ihr sowieso. Einen zusätzlichen Nutzen fürs Klima haben Ökostrom-Tarife meist nicht. Dasselbe gilt bei Öko- und Klimagas.

5. Lüften führt zu höheren Heizkosten

Es klingt zwar widersinnig, ist aber wahr: Regelmäßiges Stoßlüften spart Heizkosten. Die sauerstoffreiche Außenluft erwärmt sich nämlich leichter. Dazu reichen jeweils wenige Minuten Durchzug, drei- bis viermal am Tag. Stellt den Thermostat währenddessen am besten auf null.

6. Gasherde sind altmodische Energiefresser

Mit Gasherd hat doch nur Oma gekocht in der ollen Küche? Im Gegenteil: Kochen mit Gas ist sparsamer als ein Elektroherd. Ein Gasherd beutet rund 58 Prozent der eingesetzten Primärenergie aus, ein E-Herd nur 30 Prozent – die Hälfte. Und Gas ist billiger als Strom. Damit ist aber nicht gemeint: Steigt auf Gas um, falls ihr elektrisch kocht. Denn ein neuer Herd geht erst einmal ganz schön ins Geld. Und man braucht viel Energie, um ihn herzustellen.

7. Spül- und Waschmaschinen verbrauchen mehr Strom, wenn sie länger laufen

Man denkt sich gern: Je kürzer eine Maschine läuft, desto sparsamer. Je weniger Zeit ihr aber einer Spül- oder Waschmaschine gebt, desto mehr Energie muss sie aufwenden. Deshalb gibt es Öko- oder Sparprogramme. Sie laufen bis zu drei Stunden und erhitzen das Wasser nur auf etwa 50 Grad. Beim Normal- oder Kurzprogramm sind es rund 70 Grad. Wenn ihr der Maschine mehr Zeit gebt, spart sie euch Strom und Geld. Der Schongarer oder Slow-Cooker funktioniert nach demselben Prinzip: Viel Zeit heißt wenig Strom.

8. Backöfen muss man vorheizen

Vorzuheizen braucht man nur bei Gerichten, die für kurze Zeit bei großer Hitze im Ofen sind. Nehmt dazu vorher alle Bleche heraus, den auch das Erhitzen des Backblechs frisst Energie. Wenn ihr übrigens die Wahl zwischen Herd und Ofen habt: Entscheidet euch für den Herd. Der braucht viermal weniger Energie.

9. Den Kühlschrank stellt man am besten auf die goldene Mitte

Den Kühlschrank stellt man gern zu kalt ein. Meist befindet sich im Innern ein Rad, auf dem 5 bis 7 Stufen stehen. Unsere Intuition verleitet uns dazu, die „goldene Mitte“ zu wählen, also 3 bis 4. Das ist aber mehr, als unsere Nahrung benötigt, um frisch zu bleiben. Die Stufen 1 bis 2 sind vollkommen ausreichend. Dann hält der Kühlschrank 7 bis 8 Grad in seiner Mitte. Weil er rund um die Uhr läuft, macht diese Einstellung viel aus.

10. Schmutzwäsche braucht hohe Temperaturen

Viele Menschen stressen die Waschmaschine mit zu hohen Temperaturen. Dabei wird unsere Kleidung genauso sauber und keimfrei, wenn wir den Regler herunterdrehen. Die Faustregel lautet: 30 bis 40 Grad reichen vollkommen aus. Leicht und normal verschmutzte Wäsche wird schon bei 30 Grad wieder sauber. Stärkerer Schmutz verschwindet bei 40 Grad. Schon mit diesen Temperaturen entfalten Waschmittel ihre volle Kraft. Wenn ihr mit 40 statt 60 Grad wascht, spart ihr bis zu 40 Prozent Energie.

11. Hände werden sauberer, wenn man sie mit warmem Wasser wäscht

Nein. Kaltes Wasser und ordentliches Einseifen reichen vollkommen. Jedes Mal, wenn wir den Wasserhahn warm aufdrehen, werfen wir die komplette Maschinerie für die Warmwasser-Aufbereitung an. Das teure Warmwasser brauchen wir gar nicht für die Hände.

12. Elektrische Heizlüfter sind günstig

Ja. Aber nur in der Anschaffung. Das dicke Ende kommt hinten, bei der Stromrechnung. Als dauerhafter Ersatz für die Heizung in einem Wohnraum taugen sie nichts. Nicht einmal als Zusatzheizung. Dazu sind sie im Betrieb viel zu teuer. Dasselbe gilt für mobile Klimageräte im Sommer. Schlaue Füchse nehmen Ventilatoren.

13. Bildschirmschoner schonen den Bildschirm

Nö. „Bildschirmschoner“ fressen viel Strom und sind technisch vollkommen unnötig bei Flachbildschirmen. Monitor und Grafikkarte verbrauchen bei bunten bewegten Bildern mehr Strom als ohne Schnickschnack. Nutzt lieber die Energie-Optionen eurer Systemsteuerung. Damit lässt sich der Monitor bei Inaktivität einfach abschalten.

14. Wäsche braucht Sonne oder Wärme zum Trocknen

Auch im Winter könnt ihr eure Wäsche hervorragend auf dem Balkon oder im Garten trocknen. Zumindest bei trockenen Minusgraden. Denn eisige Temperaturen lassen die Wäsche schnell gefriertrocknen. Das liegt daran, dass die gefrorene Feuchtigkeit in der Wäsche verdampft, ohne vorher zu tauen. Dieser Vorgang nennt sich Sublimation. Dabei geht ein Stoff unmittelbar vom festen in den gasförmigen Zustand über.

15. Ein Auto ist immer noch günstiger als dauernd Bus und Bahn

Beim Auto addieren sich Betriebskosten (Sprit, Öl, Pflege), Fixkosten (Versicherung, Steuer, Parkgebühren) und Kosten für Werkstatt und Reifen. Der größte Posten aber ist der Wertverlust. Der ADAC berechnet laufend die tatsächlichen Autokosten für viele Marken und Modelle. Und die liegen, Stand Oktober 2022, zum Beispiel bei einem Kleinwagen wie dem VW Polo 1.0 Life mit einem Grundpreis von knapp 20.000 Euro bei 520 Euro im Monat. Macht 41,6 Cent pro Kilometer. Für 520 Euro im Monat könnte man viel Bus oder Taxi fahren und dabei noch sparen.

 - Copyright: Penguin Random House
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Diese Tipps sind zuerst erschienen im Buch "Energie sparen - Tipps und Tricks für Haushalt, Heizung, Auto u.v.m.", Penguin Random House, 5 Euro.

VIDEO: So kann man selbst im Schlaf Energie sparen