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Möglicher Corona-Impfstoff bremst die Kursrally der Deutschen Post

·Lesedauer: 4 Min.

Der boomende Onlinehandel hat die Gewinne der Post auch im Herbstquartal steil nach oben getrieben. Einige Anleger sehen allerdings nun ein Ende.

Der Dax-Konzern hat massiv vom geänderten Kaufverhalten seit Ausbruch der Corona-Pandemie profitiert. Foto: dpa
Der Dax-Konzern hat massiv vom geänderten Kaufverhalten seit Ausbruch der Corona-Pandemie profitiert. Foto: dpa

Am Montagvormittag noch markierte die Aktie der Deutschen Post ein Allzeithoch: 43,35 Euro zahlten Anleger für die Papiere, die kurz danach um 4,5 Prozent an Wert verloren. Die Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs, so fürchtet die Börse offenbar, könnte den Höhenflug des Bonner Logistikkonzerns beenden.

Der hatte, wie die am Dienstag vorgelegten Quartalszahlen zeigen, in den vergangenen Monaten vom geänderten Kaufverhalten in der Pandemie stark profitiert. Allein im zurückliegenden Quartal stieg die transportierte Paketmenge um 11,6 Prozent – insbesondere durch zusätzliche Versandaufträge kleinerer Einzelhändler, die ihre Waren kaum noch in den eigenen Geschäften loswerden.

Selbst im Expressgeschäft, das früher wegen der erhöhten Preise meist nur für Firmenlieferungen genutzt wurde, stieg der Einzelhandelsanteil auf 47 Prozent. Auch im Lagereigeschäft spielten Dienstleistungen für den E-Commerce einen Anteil von 50 Prozent ein, wie Konzernchef Frank Appel am Dienstag berichtete.

Dem Konzern brachte all dies unerwartete Zusatzgewinne. Unterm Strich verdiente die Deutsche Post im abgelaufenen Quartal 851 Millionen Euro – nach 561 Millionen Euro im Jahr zuvor. Pro Aktie stieg der Nettogewinn damit auf 69 Cent – fünf Cent mehr als Analysten zuvor im Schnitt erwartet hatten. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal hatte es lediglich für 45 Cent gereicht.

Auch der Quartalsumsatz lag mit 16,24 Milliarden Euro über den Prognosen der Analysten, die im Schnitt nur mit 15,92 Milliarden Euro gerechnet hatten. Gegenüber dem Vorjahresquartal erlöste die Post damit 4,4 Prozent mehr.

Dabei wird das diesjährige Ergebnis sogar noch geschmälert durch eine einmalige Bonuszahlung von 300 Euro für jeden Beschäftigen, was den Konzern etwa 163 Millionen Euro kostet. Weitere 42 Millionen Euro kostet eine einmalige Zahlung an die Beschäftigten, die im neuen Tarifvertrag vereinbart wurde.

Zuwächse in vier von fünf Sparten

Auch der Ausstieg aus der Produktion des Elektro-Lieferwagens „Streetscooter“ hinterlässt im laufenden Jahr einen Sonderverlust von 350 Millionen Euro, was allerdings 50 Millionen Euro weniger ist als zunächst angekündigt. Der Grund: Die Produktion wird noch nicht, wie im vergangenen Februar angekündigt, in diesem Jahr beendet.

„Wir haben es inzwischen geschafft, kostengünstiger zu produzieren“, berichtete Finanzchefin Melanie Kreis. Deshalb werde man auch 2021 noch einige Modelle für den Eigenbedarf produzieren. „Es gibt bei diesem Thema aber keine neue strategische Ausrichtung“, erteilte sie dem weiteren Fortbestand der Produktion eine Absage.

In vier seiner fünf Sparten steigerte der Bonner Dax-Konzern im zurückliegenden Quartal den Ertrag. Im Brief- und Paketgeschäft legte das Ebit von 304 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 320 Millionen Euro zu. Im Expressgeschäft ging es von 454 auf 753 Millionen Euro nach oben. Selbst das Frachtgeschäft, das durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie immer wieder gestört wird, verdiente im dritten Quartal 155 Millionen Euro – nach 124 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Das E-Commerce-Geschäft im Ausland, das sich inzwischen über elf Länder erstreckt, verbesserte sich beim Ebit von sechs auf 76 Millionen Euro. In Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden und den USA wuchs der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr zwischen 30 und 50 Prozent.

Einzig das Lagereigeschäft lag unter Vorjahr, das unter Umsatzeinbrüchen vor allem mit Automobilkunden leidet. Hatte der Unternehmensbereich „Supply Chain“ im Vorjahresquartal noch 162 Millionen Euro abgeworfen, waren es im dritten Quartal 2020 gerade noch 111 Millionen Euro.

Aktie nach Vorlage der Zahlen im Minus

Während Appel die Anfang Oktober angehobene Prognose bekräftigte, nach der das Konzern-Ebit 2020 zwischen 4,1 und 4,4 Milliarden Euro erreichen soll, hob er die Erwartungen für den freien Cashflow noch einmal an – von 1,8 auf zwei Milliarden Euro. Ob es deshalb im kommenden Jahr zu einem Aktienrückkauf kommen wird, über den manche Analysten bereits jetzt spekulieren, wollte Finanzchefin Kreis auf Anfrage nicht kommentieren.

Die Deutsche Post ist nicht der einzige Logistikkonzern, dem die Pandemie in den vergangenen Monaten Rückenwind verlieh. Auch die größten internationalen Wettbewerber im Paket- und Transportgeschäft legten kräftig zu: Der US-Konzern UPS kam im dritten Quartal auf einen Umsatz von 21,2 Milliarden Dollar (17,9 Milliarden Euro), und damit im Vergleich zum Herbst 2019 auf ein Plus von 16 Prozent. Den Gewinn pro Aktie trieb das um gut zehn Prozent nach oben.

Wettbewerber Fedex, der mit 19,3 Milliarden Dollar (16,3 Milliarden Euro) im zurückliegenden Quartal 13,5 Prozent mehr umsetzte als vor einem Jahr, verbesserte den Gewinn pro Aktie sogar um fast 60 Prozent.

Die Baader Bank beließ die Einstufung der Deutschen Post nach Veröffentlichung der Quartalszahlen zwar auf „Add“ mit einem Kursziel von 40 Euro. Analyst Christian Obst zeigte sich jedoch vorsichtiger als viele Kollegen noch vor wenigen Tagen. Der Onlinehandel werde dem Dax-Konzern zwar noch 2021 und 2022 helfen, glaubt er, der Auftrieb durch interne Optimierungsmaßnahmen aber nachlassen. Nach Bekanntgabe der Quartalsergebnisse verlor die Aktie am Vormittag rund 3,5 Prozent.