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Dt.-Bank-CEO legt Fokus auf Strategie, schließt M&A nicht aus

Steven Arons und Matthew Miller
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Die Deutsche Bank AG schließt nicht aus, eine Übernahme bereits im nächsten Jahr zu erwägen, wenn sich Rentabilität und Aktienkurs erholen. Priorität habe jedoch weiterhin die Umsetzung des Turnaround-Plans, erklärte Vorstandschef Christian Sewing in einem Exklusiv-Interview mit Bloomberg.

Auf die Umsetzung des bis 2022 laufenden Vier-Jahres-Strategieplans sei er klar fokussiert, sagte Sewing im Gespräch mit Bloomberg TV. Als nachgehakt wurde, ob dies bedeute, dass es bis dahin keinen Deal geben wird, sagte der Bankchef, dass die Schlüsselphase der Banktransformation in den nächsten drei Monaten abgeschlossen sein werde.

“Wir haben gesagt, dass 2019 und 2020 Schlüsseljahre” der Umstrukturierung sein werden, so Sewing. Zwar äußerte er sich nicht, ob und wann er bereit sei, große Transaktionen zu erwägen. Er betonte jedoch, er wolle in keiner Transaktion ein Übernahmeziel sein. Wenn sich die Bewertung der Bank erholt, “dann sind wir in einer anderen Position, in einer besseren Position”, sagte der CEO.

In Europa hat die Corona-Pandemie Übernahmen wieder verstärkt auf die Agenda der Unternehmenslenker gebracht. Axel Weber, der Verwaltungsratspräsident der UBS Group AG, hat eine Wunschliste potenzieller Fusionskandidaten erstellt, wie Bloomberg letzten Monat berichtete. Die Deutsche Bank gehörte dabei zu den bevorzugten Szenarien. Im vergangenen Jahr hatten die beiden Kreditinstitute kurz informelle Gespräche geführt, wie Bloomberg damals berichtete. Auch Sewing favorisiere insgeheim eine Transaktion mit der UBS, hieß es.

‘Junior-Partner’

“In Europa muss die Konsolidierung passieren”, sagte Sewing in dem Interview. Aber für die Deutsche Bank “ist es wichtig, dass wir kein Junior-Partner sind”. Der Bankchef verwies auch darauf, dass die meisten Transaktionen im europäischen Bankensektor in jüngster Zeit auf dem Heimatmarkt stattgefunden haben, weil die aufsichtsrechtlichen Hürden für grenzüberschreitende Fusionen weiter bestehen bleiben.

Gegenwärtig würde die Marktkapitalisierung der Deutschen Bank das Haus in eine untergeordnete Position bringen, da es fast keinen Partner von vergleichbarer Größe gibt. Das Frankfurter Geldinstitut kommt auf einen Marktwert von umgerechnet etwa 18 Milliarden Dollar, verglichen mit 41 Milliarden Dollar bei der UBS.

Der Aktienkurs hat allerdings im letzten Jahr begonnen, sich zu erholen, da eine Handelsrally den von Sewing angestoßenen Turnaround beflügelt hat. Auf Sicht der vergangenen zwölf Monate hat der Aktienkurs rund 12% zugelegt, während UBS-Titel stagnierten und Banken insgesamt fast ein Drittel an Wert verloren.

Sewing bekräftigte den optimistischen Ausblick für die Handelserträge im dritten Quartal und sagte, dass er “sehr zufrieden” mit der Dynamik in dem Zeitraum sei. Gegenüber dem ersten Halbjahr habe es freilich eine gewisse “Normalisierung” gegeben, die sich im vierten Quartal fortsetzen dürfte. Bei der Ergebnisvorlage werde die Bank eine gute Performance zeigen, insbesondere bei der Investmentbank.

Die Handelserträge im dritten Quartal entsprechen oder übertreffen den Ausblick von 12% Wachstum, den die Wall-Street-Häuser im Durchschnitt abgegeben haben, sagte Investor-Relations-Chef James Rivett in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Dieser Wert enthält nicht die Auswirkungen von Bewertungsanpassungen bei Verbindlichkeiten und Tradeweb, die die Erträge im dritten Quartal des letzten Jahres um 99 Millionen Euro drückten.

Während die Einnahmen vom Handelsumfeld profitieren, sind die Stellenabbaupläne der Bank in letzter Zeit auf Gegenwind gestoßen, weil weniger Mitarbeiter während der Krise einen neuen Job annehmen möchten. Laut Sewing muss die Deutsche Bank möglicherweise „neue Ideen“ in Betracht ziehen, um die Wechselgeschwindigkeit zu erhöhen.

“Die unterschiedliche Fluktuationsrate ist nicht nur auf Covid zurückzuführen, sondern auch auf die veränderte Stimmung innerhalb der Deutschen Bank”, sagte Sewing. “Die Leute sehen in der Tat, dass die Bank auf dem richtigen Weg ist, und möchten bleiben.”

Auf die Bank würden leicht höhere Umstrukturierungs- und Abfindungskosten zukommen, sollte diese Tendenz anhalten und sie von freiwilliger Fluktuation zu unfreiwilliger übergehen, sagte Rivett.

Die während der Pandemie gewonnenen Erkenntnisse werden dem Kreditinstitut “zusätzliche Kostensenkungsmöglichkeiten” bei Büroflächen und Reisekosten bieten, so Sewing. Die Bank hat kürzlich ihren Büroraum in Zürich reduziert, da sie erwartet, dass mehr Mitarbeiter von zu Hause aus tätig sein werden.

Überschrift des Artikels im Original:Deutsche Bank CEO Focused on Strategy But Won’t Rule Out M&A (2)

(Neu: zweitletzter Absatz)

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