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DEUTSCHE BÖRSE IM FOKUS 2: Marktplatzbetreiber könnte Profiteur der Krise werden

·Lesedauer: 6 Min.

(Neu: Details zu ursprünglich Ende Mai geplantem Investorentag, aktueller Kurs)

FRANKFURT (dpa-AFX Broker) - Für die Deutsche Börse <DE0005810055> liefen die Geschäfte im vergangenen Jahr rund. Der Dax-Konzern <DE0008469008> legte starke Zahlen vor, ein Milliardengewinn stärkte das Selbstvertrauen für künftige Projekte und Zukäufe. Einen richtig großen Fisch an Land gezogen hat Konzernchef Theodor Weimer bislang jedoch nicht. Und die Turbulenzen der Corona-Krise ließen auch die Aktie des Marktplatzbetreibers zwischenzeitlich ins Trudeln geraten. Was bei der Deutschen Börse los ist, wie Analysten die weiteren Perspektiven beurteilen und wie sich die Aktie entwickelt hat.

DAS IST LOS IM UNTERNEHMEN:

Während etliche Branchen und Unternehmen wegen der Folgen der Coronavirus-Pandemie am Stock gehen, profitierte die Deutsche Börse zuletzt von den Marktturbulenzen. Mit zirka 300 Milliarden Euro wurde das Handelsvolumen an den Kassamärkten im März mehr als verdoppelt. Nach anhaltenden Diskussionen hatte der Börsenbetreiber Mitte März mitgeteilt, dass die durch die Krise ausgelöste Talfahrt am deutschen Aktienmarkt kein Grund zur Einstellung des Handels sei. Eine Schließung würde die Verwerfungen noch verstärken, hieß es.

Für Aufregung sorgte Mitte April eine stundenlange Störung im Xetra-Handel, wodurch Anleger nicht über das Xetra-System handeln konnten. Auch die Derivate-Tochter Eurex war von der Störung betroffen, ebenso Länderbörsen in Österreich, Tschechien, Ungarn und Slowenien. Den Grund der Panne nannten die Frankfurter Börsenbetreiber nicht.

Bei der Bilanzvorlage Mitte Februar hatte Weimer für das Jahr 2019 einen Gewinn auf Rekordniveau verkündet. Allerdings dämpfte er die Erwartungen an die neue Strategie. Eine Notwendigkeit, die Richtung fundamental zu ändern oder das Ruder herumzureißen, gebe es nicht, sagte Weimer. Stattdessen bleibe Wachstum aus eigener Kraft eine starke Priorität. Allerdings setzt der frühere Chef der Hypovereinsbank auch auf Zukäufe, um das Geschäft des Börsenbetreibers auszubauen.

Für das laufende Jahr hat sich Weimer vorgenommen, die die Nettoerlöse aus eigener Kraft um mindestens fünf Prozent zu steigern. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn soll um etwas mehr als acht Prozent auf rund 1,20 Milliarden Euro wachsen. Am 29. April legt das Dax-Unternehmen nun erst einmal die Zahlen für das erste Quartal vor.

Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Börse davon profitiert, dass wegen der Verunsicherung infolge von Handelskonflikten und des Dramas um den Brexit mehr Wertpapiere gehandelt wurden. Auch die Stärkung des Index-Geschäftes mit der Übernahme des Anbieters Axioma machte sich bezahlt. Zudem sicherte sich die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream im Januar die Mehrheit an der UBS-Fondsvertriebsplattform <CH0244767585> Fondcenter.

Für mögliche weitere Zukäufe hatte die Deutsche Börse nach Weimers Aussage zuletzt zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Zu möglichen Übernahmezielen hielt er sich jedoch bedeckt und verwies bei der Bilanz-Pressekonferenz im Februar noch auf den Kapitalmarkttag Ende Mai - dieser ist inzwischen allerdings wegen der Corona-Pandemie in den Herbst verschoben worden. Weimer, der seit Anfang 2018 an der Konzernspitze steht und dessen Vertrag Anfang des Jahres bis 2024 verlängert wurde, ist nach früheren Angaben auf der Suche nach Verstärkung im Devisenhandel.

Falls sich ein teures, interessantes Übernahmeziel ergebe, für das mehr Geld nötig sei, könnte die Deutsche Börse aber auch neue Aktien ausgeben. Weimer geht davon aus, dass das Interesse von Investoren in diesem Fall groß sein dürfte. Er will den Börsenbetreiber unter anderem mit Übernahmen unabhängiger vom Aktien- und Derivategeschäft machen.

Zuletzt hatte die Deutsche Börse eher kleinere Zukäufe getätigt und war bei größeren Deals leer ausgegangen. Der große geplante Wurf mit der Refinitiv-Devisenhandelsplattform FXall blieb Weimer verwehrt, da sich der Konkurrent aus London, die London Stock Exchange <GB00B0SWJX34> (LSE), für 27 Milliarden Dollar den Finanzdatenanbieter Refinitiv im Ganzen schnappte.

Im Raum stehende Gerüchte, dass die Deutsche Börse Interesse an der State-Street-Tochter Currenex habe, wollte Weimer nicht näher kommentieren. Allerdings schaue sich der Börsenbetreiber alle Unternehmen an, die auf den Markt kommen.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Von den seit Februar im dpa-AFX-Analyser erfassten Marktexperten sprechen sich immerhin sieben für den Kauf der Deutsche-Börse-Aktie aus, fünf Analysten empfehlen hingegen, die weiteren Entwicklungen genau zu beobachten und die Papiere zu halten. Zum Verkauf rät niemand. Es überwiegt die Zuversicht, dass die Papiere trotz der aktuellen Krisenlage über genug Potenzial verfügen, perspektivisch wieder dauerhaft zuzulegen.

Mit einem Kursziel von 165 Euro hat die britische Investmentbank HSBC den höchsten Wert auf dem Zettel. Obwohl Analyst Johannes Thormann kürzlich sein Ziel senkte, beließ er seine Einstufung auf "Buy" und geht davon aus, dass die Deutsche Börse im ersten Quartal vom sehr hohen Handelsvolumen im Zuge des Corona-Crashs profitiert haben und operativ ein Rekordergebnis (Ebitda) ausweisen dürfte.

Ähnlich positiv gestimmt gibt sich Jan Lennertz vom Analysehaus Independent Research. Seiner Ansicht nach dürfte sich der Trend zu gestiegenen Handelsumsätzen, der schon im März zu beobachten gewesen sei, wegen der stärkeren Schwankungen an den Märkten fortsetzen. Der Börsenbetreiber gehöre zu den Profiteuren der aktuellen Situation.

Während Martin Price vom Analysehaus Jefferies hervorhebt, dass das Abwicklungsgeschäft gut laufe, die strukturellen Wachstumsinitiativen in der Spur seien und es zudem aktuell keine Restriktionen bei Dividenden und Aktienrückkäufen gebe, zeigt sich die Credit Suisse skeptischer. Deren Analystin Haley Tam gibt zu bedenken, dass positive Effekte durch das erhöhte Handelsaufkommen und das gestiegene Clearinggeschäft im ersten Quartal durch die niedrigeren Zinsen mehr als zunichte gemacht würden.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die Coronavirus-Pandemie geht auch an der Deutschen Börse nicht spurlos vorbei. Vor allem die Furcht vor einer möglichen Börsenschließung setzte dem Marktplatzbetreiber zwischenzeitlich zu. Angesichts der heftigen Verwerfungen und der Vernichtung von Aktienwerten in immensem Umfang war der Druck, den Handel auszusetzen, immer größer geworden.

Kostete ein Anteilsschein der Deutschen Börse am 19. Februar kurz vor dem einsetzenden Corona-Crash noch 158,90 Euro und erreichte damit Rekordniveau, sackte der Kurs im Zuge der Panik an den Märkten um mehr 40 Prozent nach unten. Am 18. März lag er unterhalb von 93 Euro - einem Bereich, den er zuletzt Ende 2017 erreicht hatte.

Seitdem geht es für die Deutsche Börse als eigentlichem Profiteur extremer Kursschwankungen aber wieder bergauf. Derzeit bewegen sich die Papiere bei knapp 140 Euro und haben seit ihrem Tief wieder rund 50 Prozent an Wert gewonnen. In dem seit 24. Februar laufenden Corona-Crash gab das Papier bisher dennoch knapp zehn Prozent nach, ist damit aber einer der besten Dax-Titel.

Bis zum Beginn der Virus-Krise und der damit einhergehenden Kursrutsche hatte sich die Aktie des Börsenbetreibers über einen langen Zeitraum hinweg prächtig entwickelt. Mit Blick auf die zurückliegenden drei Jahre legte der Kurs um rund 60 Prozent zu. Auf längere Sicht sieht es noch besser aus: So beläuft sich die Wertsteigerung der Titel in den vergangenen fünf Jahren auf etwa 80 Prozent.

Derzeit kommt die Deutsche Börse auf eine Marktkapitalisierung von knapp 27 Milliarden Euro. Damit liegt der Frankfurter Marktplatzbetreiber weiter mit großem Abstand vor den ebenfalls in der Mainmetropole angesiedelten Finanzinstituten Deutsche Bank <DE0005140008> (zwölf Milliarden Euro) und Commerzbank <DE000CBK1001> (vier Milliarden Euro), die zusammen rund elf Milliarden Euro weniger an Börsenwert auf die Waage bringen./eas/stw/zb

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