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Deutsche Autobauer hoffen auf schnelle Erholung in China

·Lesedauer: 5 Min.

Während die Absatzzahlen weltweit eingebrochen sind, läuft das Geschäft in China fast wie vor der Pandemie. Damit wird der chinesische Markt immer wichtiger.

In der globalen Coronakrise setzen die deutschen und internationalen Autobauer große Hoffnungen auf die Erholung in China. Zum Auftakt der internationalen Autoausstellung am Samstag in Peking sagten Experten einen weiteren Zuwachs auf dem weltgrößten Automarkt in China bis Jahresende und auch im nächsten Jahr voraus. Während das Geschäft weltweit stark eingebrochen ist, wachse die Bedeutung Chinas noch. Es wurde als „wesentlicher Stützpfeiler“ oder „Rettungsanker“ beschrieben. Die „Auto China 2020“ ist die erste große internationale Ausstellung der Branche seit mehr als einem halben Jahr.

Da China das Coronavirus weitgehend im Griff hat und schon lange kaum noch lokalen Infektionen zählt, konnte die im Frühjahr zunächst verschobene Ausstellung nachgeholt werden. In den Vorjahren hat die abwechselnd in Shanghai und Peking stattfindende jährliche Messe, die zu den größten der Autobranche zählt, Millionen Besucher angezogen. Aus Angst vor der Einschleppung des Virus gelten in China aber weiter strenge Beschränkungen der Einreise und zwei Wochen Quarantänepflicht. Auch gibt es nur wenig Flüge nach China.

„Ich rechne mit einem sehr guten Absatz in der zweiten Hälfte des Jahres“, sagte Cui Dongshu von Chinas Personenwagenvereinigung (CPCA) der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Nach dem starken Einbruch wegen der Pandemie in der ersten Hälfte des Jahres werde sich der erwartete Rückgang für das gesamte Jahr auf ein Minus von nur noch fünf bis acht Prozent verkleinern. Trotz aller Unsicherheiten rechnet der Experte im kommenden Jahr mit einem Zuwachs von acht Prozent. Andere Fachleute erwarten auch ein Plus von fünf bis sieben Prozent.

„Ohne China wäre die deutsche Autoindustrie kaum wiederzuerkennen“, sagte Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automotive Research (CAR) in Duisburg. Mercedes habe im zweiten Quartal einen weltweiten Absatzrückgang von 20 Prozent erlitten, aber die Verkäufe in China um 22 Prozent gesteigert, verdeutlichte der Experte die Lage. Bei BMW habe es „noch krasser“ ausgesehen: Einem weltweiten Einbruch von 25 Prozent habe im zweiten Quartal ein Zuwachs von 17 Prozent in China gegenübergestanden.

„China hat während der Pandemie deutlich an Bedeutung für die deutschen Autobauer gewonnen“, bilanzierte Dudenhöffer. Von seinen Autos weltweit habe der VW-Konzern dieses Jahr 40 Prozent in China verkauft. Eine starke Abhängigkeit von einer großen Region sei immer ein Risiko, sagte er. „Die Frage ist aber, welches Risiko ist größer: Die Abhängigkeit von China oder in China zum Nischenanbieter zu werden?“

USA stellen größeres Risiko dar

China habe großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit Deutschland. Risiken könnten „handhabbar“ und „tragbar“ gemacht werden, findet der Experte. Ein viel größeres Risiko seien die USA unter US-Präsident Donald Trump, weil sie unberechenbar seien: „Wenn Trump einen schlechten Tag hat und ein paar Wählerstimmen braucht, erhebt er über Nacht Zölle gegenüber der deutschen Autoindustrie.“ Seine Zollkriege hätten deutschen Autoherstellern schon Milliarden-Verluste beschert.

Wo der Markt in Europa und den USA nicht so gut laufe, zeige sich, „wie dramatisch wichtig dieser Markt ist“, sagte auch Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM). „China ist schon mehr als ein Hoffnungsträger, es ist ein wichtiger Anker gerade für die deutschen Autobauer.“ Es könne sich kein Hersteller leisten, diesen Markt auszuklammern. „Aber jetzt muss man schon sehr aufpassen, dann man auch die anderen Märkte nicht vernachlässigt.“

Die wachsende Abhängigkeit sei nicht unproblematisch. „Wenn der Markt ein Problem bekommt und man ist dort weit überproportional aktiv, dann kann man in Turbulenzen geraten“, sagte Bratzel. „Ein sehr hoher Marktanteil in China bedeutet natürlich auch eine Art Abhängigkeit politischer Dimension bis hin zu Erpressbarkeit.“

Hinter der Wende im Autogeschäft steckt die wirtschaftliche Erholung in China, das als erste große Volkswirtschaft wieder Wachstum zeigt. Auch die Angst der Menschen, in der Pandemie öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, gilt als Motivationsfaktor für einen Autokauf. Der Absatz von Personenwagen stieg im August um 8,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 1,73 Millionen, nach einem Plus von 7,9 Prozent im Juli. Elektrofahrzeuge verkauften sich mit einem Zuwachs von 45 Prozent im August auf 82.500 schneller.

„Ich sehe bis Jahresende sehr starkes Wachstum“, sagte BMW-China-Chef Jochen Goller der Deutschen Presse-Agentur. Nach dem Rückgang des Absatzes in China durch den Ausbruch des Coronavirus früher im Jahr zielt Goller somit für das Gesamtjahr „auf ein einstelliges Wachstum“.

Ungeachtet aller Unsicherheiten durch die Pandemie und die Entwicklung der Weltwirtschaft wird sich das Wachstum in China nach seiner Einschätzung auch im nächsten Jahr fortsetzen. „Unser Ziel ist immer, schneller als der Premiummarkt zu wachsen“, sagte Goller. Mit dem Zuwachs in China steigt auch der Anteil des chinesischen Marktes am weltweiten Absatz des Münchner Autobauers auf knapp 30 Prozent.

Warnungen über eine zu große Abhängigkeit vom weltgrößten Automarkt in China wies Goller zurück: „Es ist keine Option, in China nicht zu wachsen.“ Zudem sei BMW in der Welt breit aufgestellt, produziere auch in den USA. Der Markt in Europa sei für BMW zudem „weit größer“ als der in China. „Wir haben eine gute Balance.“

Audi plant Joint Venture mit FAW

Unterdessen wurde bekannt, dass Audi seine Präsenz auf Markt China mit einem neuen Gemeinschaftsunternehmen für Elektro-Fahrzeuge stärken will. Die Volkswagen-Tochter führe dazu Gespräche mit dem chinesischen Autokonzern FAW, berichtet die Branchen- und Wirtschaftszeitung „Automobilwoche“ am Samstag unter Berufung auf Unternehmensquellen. Die Verhandlungen mit dem chinesischen Partner, mit dem Audi bereits ein Werk in Changchun im Nordosten Chinas betreibt, seien bereits weit fortgeschritten und sollen bis Jahresende abgeschlossen sein.

Audi wolle 75 Prozent an dem Joint Venture halten. Der Standort des neuen Werks für Elektro-Fahrzeuge sei noch Teil der Verhandlungen. Audi wollte den Bericht nicht kommentieren.

Die in dem Joint Venture entstehenden E-Fahrzeuge sollen dem Bericht zufolge auf der PPE-Plattform gebaut werden, die Audi mit Porsche betreibt. Als erste Modelle kämen die intern E6 und EQ5 genannten Elektro-Baureihen infrage. Den Auftakt könnte die Limousine E6 machen. Bisher sei noch nicht geklärt, ob in dem Werk auch E-Autos von Porsche wie der elektrische Macan gefertigt werden.