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Demokraten gewinnen den bisher tiefroten Staat Arizona

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Die frühere Republikaner-Hochburg ist der erste Staat, den Biden aus dem Trump-Lager gewinnt. Der Präsident hat sich hier mächtige Feinde gemacht.

Über Jahrzehnte war Arizona eine Herzkammer der Republikanischen Partei: Die Heimat von Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain wählte seit Jahrzehnten recht verlässlich Republikaner in den Senat und ins Weiße Haus.

Nun hat Joe Biden den Staat gewonnen, die Nachrichtenagentur AP und der Sender Fox News sehen ihn aufgrund der bisher ausgezählten Stimmen und ihrer Berechnungen als Sieger. Außer Bill Clinton 1996 ist das in 70 Jahren keinem Demokraten gelungen.

Auch der demokratische Senatskandidat Mark Kelly hat die republikanische Amtsinhaberin deutlich besiegt. In kurzer Zeit ist aus einem tiefroten ein blauer Staat geworden: Vor zwei Jahren hatte der Staat noch zwei Senatoren aus Trumps Partei, nun sind es zwei Demokraten.

Der Grenzstaat zu Mexiko im Südwesten stand lange für den rauen Cowboy-Individualismus des amerikanischen Westens. Politiker wie McCain pflegten ein Image als Maverick, der auch mal gegen die Parteilinie stimmte. Daher gerieten er und sein langjähriger Senatskollege Jeff Flake in den vergangenen Jahren immer wieder heftig mit Trump aneinander.

McCain brachte 2017 die von Trump forcierte Abschaffung von Obamas Gesundheitsreform zu Fall. Flake zog sich 2018 aus Protest gegen Trump aus dem Senat zurück und unterstützte in diesem Jahr Joe Biden. Die Wahl um Flakes ehemaligen Sitz gewann vor zwei Jahren die Demokratin Kirsten Synema. McCains ehemaligen Sitz wird künftig Kelly ausfüllen.

Hotspot der Corona-Pandemie

Arizona wird seit vielen Jahren bunter. Viele Latinos, vor allem aus Mexiko, ziehen in den Staat – eine Gruppe, die mehrheitlich Demokraten wählt. Trumps sinkende Popularität dürfte aber den Ausschlag gegeben haben: In Phoenix und seinen Vororten liegt Biden wesentlich deutlicher vor Trump als Hillary Clinton vor vier Jahren. In Maricopa County, dem Landkreis um Phoenix, lebt mehr als die Hälfte der Wähler Arizonas.

Dass sich Trump mit dem Kriegshelden McCain anlegte, kostete in dem Staat, in dem mehr als zehn Prozent der Wähler Militärangehörige sind, ihn Sympathie.

Auch die Corona-Pandemie könnte eine Rolle gespielt haben – in den Sommermonaten war Arizona einer der schlimmsten Hotspots. Dass der republikanische Gouverneur Doug Doucey eine Trump’schen Öffnungskurs fuhr, der dann zu steigenden Infektionszahlen führte, kam nicht gut an.

Lange waren die Vororte von Phoenix eine republikanische Festung. Schon vor vier Jahren war Trumps Vorsprung auf nur noch vier Prozentpunkte gebröckelt. Nun führt Biden dort mit neun Prozentpunkten. Das genügte, um die dünn besiedelten Wahlkreise auszugleichen, die Trump deutlich gewann.

Für die Demokraten hat Arizona nun eine wichtige Symbolwirkung. An einem Abend, an dem Hoffnungen auf Siege in denkbaren Swing States wie Ohio, Iowa oder Texas zerplatzten, ist Arizona ein willkommener Lichtblick.