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Deka-Eigner prüfen mögliche Fusion mit Helaba am Mittwoch

Stephan Kahl

(Bloomberg) -- Ob Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis seinem Wunsch nach einem Zentralinstitut der Finanzgruppe ein Stück näher kommt, könnte sich am Mittwoch dieser Woche entscheiden.

Dann wollen sich die Eigentümer der DekaBank treffen, um über das weitere Vorgehen bei den laufenden Gesprächen mit der Helaba zu beraten. Das erfuhr Bloomberg von drei mit den Vorgängen vertrauten Personen. Es geht um die Frage, ob über eine Fusion oder nur eine Zusammenarbeit verhandelt werden soll. Eine Verschmelzung würde den Grundstein für ein Zentralinstitut legen, dem sich andere Landesbanken anschließen könnten.

“Im nächsten Schritt müssen die Träger der DekaBank entscheiden, ob die Diskussionen zwischen den beiden Instituten so weit gehen dürfen, dass auch ein Zusammenschluss geprüft wird”, sagte Schleweis jetzt in einem Interview mit Bloomberg News. Die Gremien der Helaba hätten ihrem Vorstand bereits einen Prüfauftrag bis hin zu einer Fusion erteilt.

Bei einem Treffen im Dezember war es den Deka-Eigentümern zunächst nur gelungen, sich darauf zu verständigen, eine “vertiefte Zusammenarbeit” zu erörtern. Die Helaba-Träger hingegen beauftragten damals die Spitze ihres Hauses, eine “Zusammenführung” auszuloten.

Falls es nun einen Prüfauftrag für eine Fusion seitens der Deka-Eigner geben sollte, “werden wir mit einer vertieften Bearbeitung beginnen”, sagte Schleweis weiter. Träger der DekaBank sind verschiedene regionale Gruppen innerhalb des Sparkassen-Sektors, die nicht immer dieselben Ziele verfolgen.

“Wer glaubt, dass wir keinen Veränderungsbedarf haben, der verkennt die Realität”, erklärte Schleweis.

Wie ein Zentralinstitut aus Helaba und DekaBank genau aussehen könnte, darüber gibt es noch keine Klarheit. „Perspektivisch sollte ein Zentralinstitut zu 100% den Sparkassen gehören”, sagte Schleweis. Allerdings sind an der Helaba auch Bundesländer beteiligt. „Sollten Länder ihre Anteile abgeben wollen, muss man auf das Preisschild schauen und nach einer Lösung suchen.“

Ein anderer Knackpunkt ist die Helaba-Tochter Frankfurter Sparkasse und was mit ihr bei einem Zusammenschluss geschehen würde. Schleweis hat hier eine ganz klare Meinung. „Retail-Geschäft sehe ich auf Dauer nicht als Teil des Geschäftsmodells eines Sparkassen-Zentralinstituts”, sagte er.

Im Interview äußerte sich Schleweis nicht nur zum Zentralinstitut, sondern auch zu einer Reihe weiterer Themen, die den Sektor beschäftigen:

Überprüfung der Institutssicherung

Die Überprüfung der Institutssicherung durch die EZB-Bankenaufsicht, über die zuerst die Börsen-Zeitung berichtet hatte, bezeichnete Schleweis als normalen Vorgang. "Natürlich beschäftigen wir uns mit den Punkten der EZB, bewerten sie und nehmen dazu Stellung”, sagte er. “Es geht unter anderem um die Frage, ob wir gewisse Entscheidungen in der Gruppe schneller treffen können.“ Grundsätzlich sei die Institutssicherung leistungsfähig. “Wir haben allein in den vergangenen drei Jahren zweimal bewiesen, dass das System funktioniert”, sagte Schleweis unter Verweis auf die ehemalige HSH Nordbank und die NordLB.

Rettung der NordLB

Schleweis zufolge gehe es bei der vor kurzem geretteten Landesbank im nächsten Schritt darum, das neu entwickelte Geschäftsmodell operativ auszufüllen. “Die Bank muss jetzt ihre Hausaufgaben machen. Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt darüber zu spekulieren, wann das Institut Teil der Konsolidierung im Sparkassen-Sektor werden könnte”, sagte Schleweis.

Weitergabe von Negativzinsen

Er habe Verständnis dafür, wenn Sparkassen sich mit Verwahrentgelten dagegen wehren, von Nicht-Kunden mit Einlagen überschüttet zu werden. “Wir sind in einer Negativzinswelt, für die es bisher keine Spielregeln gibt”, erklärte Schleweis. Angesprochen auf die Kooperation der Sparkasse Vorpommern mit dem von Goldman Sachs Group Inc. finanzieren Fintech Weltsparen sagte er: „Sparkassen sind in der Regel erfolgreich, wenn sie auf Produkte der Gruppe vertrauen und Dinge gemeinsam machen.”

Kooperation mit Volksbank

Die Sparkasse Darmstadt und die Taunus Sparkasse werden gemeinsame Filialen mit Volksbanken betreiben, ein Novum in der Bankenbranche. “Wir beobachten das interessiert. Einen Trend sehe ich hier nicht”, sagte Schleweis. “Entscheidend ist, wie das von den Kunden wahrgenommen wird.“

(Ergänzt um Zitat zur Institutssicherung im viertletzten Absatz)

Kontakt Reporter: Stephan Kahl in Frankfurt skahl@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Katrin Haertel

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