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Dax schließt vierten Tag in Folge höher – Deutsche-Bank-Aktie schließt 13 Prozent höher

Trotz Coronavirus und düsterer Prognosen ist der Dax am Donnerstag weiter gestiegen. Grund dafür war auch ein Vorgang bei der Deutschen Bank.

Das Frankfurter Börsenbarometer erholt sich. Foto: dpa

Während noch vor wenigen Tagen von Panik und Ausverkauf die Rede war, ist der Dax mit seinem Schlusskurs von Donnerstag nicht einmal mehr 100 Punkte von einem neuen Rekordhoch entfernt. Er schloss bei 13.574 Zählern mit einem Plus von 0,72 Prozent. Das bisherige Rekordhoch liegt bei 13.640 Punkten.

Im Fokus der Anleger stand an diesem Donnerstag die Deutsche Bank: CEO Christian Sewing bekommt bei seinem kostspieligen Konzernumbau Rückendeckung durch einen neuen Großinvestor. Die US-Investmentgesellschaft Capital Group aus Los Angeles hält 3,1 Prozent an dem Institut und ist damit einer der sechs größten Investoren, wie aus einer Stimmrechtsmitteilung am Donnerstag hervorging.

Unter anderem sind die Scheichs aus Katar über zwei Fonds mit insgesamt mindestens 6,1 Prozent beteiligt. Zudem halten der Finanzinvestor Cerberus und die US-Investmentfirma Blackrock größere Aktienpakete.

An der Börse kam der neue Investor aus den USA gut an. Die Deutsche-Bank-Aktie kletterte zeitweise um mehr als 13 Prozent ins Plus auf einen Kurs von 9,40 Euro und somit auf ein 15-Monats-Hoch. Sie schloss 12,9 Prozent höher bei einem Kurs von 9,33 Euro und war mit Abstand größter Gewinner im Dax. Seit Anfang des Jahres gewannen die Titel rund 20 Prozent an Wert, nachdem sie im Sommer 2019 noch auf ein Rekordtief von 5,78 Euro eingebrochen waren.

Die Deutsche Bank begrüßte den neuen Großaktionär. „Wir freuen uns über alle Aktionäre, besonders über solche, die eine Erfahrung und Glaubwürdigkeit wie Capital mitbringen“, sagte ein Sprecher. Capital Group wollte sich nicht äußern.

Darüber hinaus legten zahlreiche Unternehmen Geschäftszahlen vor. Am Morgen gewährten unter anderem OMV, Osram, Nokia, Arcelor-Mittal, Voestalpine, Sanofi und Fortum den Anlegern Einblick in ihre Bücher. Am Mittag folgten, vor dem Handelsstart an der Wall Street, die US-Konzerne Twitter, Philip Morris und Kellogg.

Spekulationen auf frischen Wind für die Weltwirtschaft haben den Stoxx600 zeitweise auf ein Rekordhoch gehievt. Der breit gefasste europäische Aktienindex stieg zeitweise um 0,7 Prozent auf 426,70 Punkte. Die Halbierung chinesischer Strafzölle auf bestimmte US-Waren versetzen Anleger in Kauflaune.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde sieht erste Hinweise auf eine Erholung der schwächelnden Konjunktur im Euro-Raum. „Sicherlich gibt es vorsichtige Anzeichen für eine Stabilisierung“, sagte Lagarde am Donnerstag in einer Anhörung im Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments in Brüssel. Vorausschauende Wirtschaftsindikatoren seien inzwischen etwas optimistischer. Auch seien die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China zurückgegangen. Allerdings würden andere Risiken wie die Auswirkungen des Coronavirus einen neuen Grund zur Sorge darstellen.

Aus Sicht Lagardes ist eine lockere Geldpolitik weiterhin nötig. „Die Wirtschaft im Währungsraum braucht daher weiterhin die Unterstützung durch unsere Geldpolitik, die einen Schild gegenüber globalen Gegenwinden bereitstellt“, sagte die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF). Gleichzeitig werde die EZB weiterhin scharf auf mögliche Nebenwirkungen ihrer Geldpolitik achten.

Die Wirtschaft im Währungsraum war im Schlussquartal 2019 vor allem wegen einer schwachen Konjunktur in Frankreich und Italien nur minimal um 0,1 Prozent gewachsen. Doch eine Umfrage unter 5000 Firmen signalisierte zuletzt, dass die Konjunktur wieder etwas anzieht und sich die Industrie nach einem starken Einbruch etwas gefangen hat.

Blick auf die Einzelwerte

Voestalpine: Der Linzer Stahlkonzern Voestalpine ist in den ersten drei Quartalen unter dem Strich in die roten Zahlen gerutscht. Nach Steuern fiel ein Verlust von 160,0 Millionen Euro an nach einem Gewinn von 281,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Dennoch lagen die Papiere des Unternehmens einen Großteil des Tages im Plus, schlossen aber mit einem leichten Minus bei 23,06 Euro.

Talanx: Der Versicherungskonzern hat den Gewinn im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 923 Millionen Euro gesteigert. Das ist eine Verbesserung um mehr als 30 Prozent, wie Talanx mitteilte. Angepeilt hatte das Unternehmen einen Gewinn von mehr als 900 Millionen Euro. Die Sanierung der Industrieversicherung habe die Erwartungen übertroffen.

Für das laufende Jahr traut sich Talanx weiterhin zwischen 900 und 950 Millionen Euro Gewinn zu. Die gebuchten Bruttoprämien kletterten 2019 um 13 Prozent auf 39,5 Milliarden Euro. Talanx notierte bei Handelsschluss 1,25 Prozent im Plus.

ING: Die niederländische Großbank hat wegen höherer Kosten für die Bekämpfung von Geldwäsche und der niedrigen Zinsen im vergangenen Jahr weniger verdient. Der bereinigte Gewinn vor Steuern fiel 2019 um 9,2 Prozent auf 6,83 Milliarden Euro, wie der Konzern mitteilte. ING wurde 2018 wegen eines Geldwäsche-Skandals in den Niederlanden zu einer Strafe von 775 Millionen Euro verdonnert. Seitdem ist sie dabei, ihre internen Prozesse auf Vordermann zu bringen.

Siemens: Am Mittwoch hat Siemens Quartalszahlen vorgelegt: Der operative Gewinn brach im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres ein. Ausgerechnet die Energiegeschäfte, die Kaeser an die Börse bringen will, lieferten besonders schwache Zahlen. Die Siemens-Aktie drehte an diesem Donnerstag ins Minus. Bei Handelsschluss notierte sie 4,4 Prozent tiefer bei einem Kurs von 108,68 Euro.

Handelsblatt-Analystencheck: JP Morgan belässt IAG auf „Overweight“

Die US-Bank JP Morgan hat die Einstufung für IAG auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 9 Euro belassen. Die britisch-spanische Airline-Holding bliebe sein Favorit im Sektor, schrieb Analyst David Perry in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Er schraubte die Annahmen für die angebotenen Kapazitäten etwas zurück.

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