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Dax schließt mit leichten Verlusten – Warum junge Trader beträchtlichen Einfluss haben

Röder, Jürgen
·Lesedauer: 7 Min.

Das Dax-Rekordhoch bleibt in Reichweite. Die neue Generation von Aktionären könnte bald für neue Bestmarken sorgen. Jüngste Daten zeigen: Man sollte sie ernst nehmen.

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht. Foto: dpa
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht. Foto: dpa

Der deutsche Aktienmarkt hat sein hohes Niveau auch am Dienstag erfolgreich verteidigt. Zwar schloss der Dax 0,32 Prozent im Minus bei 14.064 Zählern. Das Rekordhoch, das aktuell bei 14.169 Zählern liegt, ist jedoch weiter in greifbarer Nähe. Dieses Niveau hatte der Leitindex am Montag vor einer Woche erreicht.

Bereits den zweiten Handelstag in Folge gab es nur geringe Kursausschläge. Am Montag lagen nur rund 57 Punkte Differenz zwischen dem Tageshoch und dem Tagestief.

Auch am Dienstag war diese Handelsspanne nur 80 Punkte groß. Das ist ein Indiz dafür, dass es in den kommenden Handelstagen zu größeren Kursausschlägen kommen dürfte.

Im Gegensatz zum Dax erreichten der Nebenwerteindex MDax und der SDax, das Börsenbarometer für Kleinwerte, erneut neue Rekordmarken. Der MDax kletterte auf 33.159 Punkte. Ausschlaggebend waren die Kursgewinne von Varta und Siemens Energy, die 4,4 sowie 3,5 Prozent zulegen konnten.

Beim SDax liegt die neue Höchstmarke bei 15.872 Zählern. Der jüngste Anstieg ist eher auf Unternehmen mit kleiner oder mittlerer Marktkapitalisierung zurückzuführen. Die Aktie von LPKF Laser kletterte um knapp zehn Prozent, der Titel des Biokraftherstellers Verbio legte 6,4 Prozent zu, und das Zooplus-Papier stieg um fünf Prozent.

Die Situation an den Aktienmärkten ist derzeit extrem bullish. Vieles spricht dafür, dass die Kurse in den kommenden Tagen weiter steigen. Auch die Handelsblattumfrage Dax-Sentiment signalisiert ein freundliches Börsenumfeld.

Allerdings gibt es einen Warnhinweis: Es ist eine Rally ohne Sicherheitsnetz. „Wenn die Kurse beginnen sollten zu bröckeln, dann können die Kursverluste schnell an Dynamik gewinnen“, meint Sentimentexperte Stephan Heibel nach Auswertung der Handelsblattumfrage.

Renditen für US-Bonds steigen weiter

Die aktuell größte Bedrohung für die Aktienmärkte ist der Anstieg der Renditen amerikanischer Staatsanleihen, des größten und wegweisenden Bondmarkts weltweit. Ein dynamischer Anstieg der Renditen wäre ein schweres Hindernis für die Erholung der Konjunktur nach der Corona-Pandemie und eine empfindliche Belastung für die weltweit hochverschuldeten Staaten.

Auch am Dienstag kletterte die Rendite der US-Staatsanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren weiter nach oben. Mit 1,29 Prozent liegt sie auf dem höchsten Niveau seit fast einem Jahr.

Erfreuliche Nachrichten kommen von der Konjunkturseite. Börsianer rechnen nach dem Corona-Lockdown mit einem Konsumboom und blicken deshalb optimistischer auf die deutsche Konjunktur. Das Barometer ihrer Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten sechs Monaten stieg im Februar überraschend um 9,4 Punkte auf 71,2 Zähler. Das ist der dritte Anstieg des ZEW-Indikators in Folge und der höchste Wert seit September 2020.

Junge Trader bewegen die Kurse

Derweil befasst sich die Wissenschaft mit dem Einfluss der neuen Trader, die im Zuge der Corona-Rally seit Mitte März neu in den Markt eingestiegen sind. Laut einer Studie von Swiss Finance Institute über den US-Markt ist dieser Einfluss enorm. Das hängt auch mit der Aktionärsstruktur zusammen.

Ein Großteil der Investoren investiert passiv beispielsweise über börsengehandelte Indexfonds (ETFs) und „parkt“ damit quasi sein Geld auf dem Aktienmarkt. Deswegen kann schon eine relativ kleine Zahl an aktiven Händlern den Markt antreiben. Bei geringen Handelsumsätzen sorgen sie für eine so hohe Nachfrage, dass die Kurse steigen, urteilen die Forscher.

Bei kleinen Unternehmen fällt der Einfluss umso größer aus. Ohne die sogenannten Robinhood-Trader wäre die Marktkapitalisierung des kleinsten Quintils der US-Aktien im ersten Halbjahr 2020 mehr als 30 Prozent geringer ausgefallen.

Für den deutschen Markt existiert noch keine Studie. Allerdings liefert der Vergleich der Handelsvolumina aus den Monaten Januar 2020 und Januar 2021 erste Hinweise, dass es einen beträchtlichen Einfluss gibt. Die beiden Monate sind gut vergleichbar weil die Indizes auf ähnlichen Niveaus notierten und jeweils ein neues Rekordhoch markierten.

Der Vergleich zeigt: Das gehandelte Volumen beim Dax hat sich nicht verändert. Beim Nebenwerte-Index MDax allerdings stieg das Volumen im Januar dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20 Prozent.

Ein detaillierter Blick auf die bei vielen neuen Tradern beliebte Zalando-Aktie zeigt ebenfalls ein deutlich höheres Handelsvolumen. Dass auf der Xetra-Handelsplattform, die vor allem von institutionellen Investoren genutzt wird, 50 Prozent mehr Aktien den Besitzer wechselten, ist allerdings noch kein ausreichendes Indiz. Schließlich gehen steigende Kurse oft mit steigendem Handelsvolumen einher – und der Börsenwert von Zalando hat sich in den vergangenen Monaten mehr als verdoppelt.

Auffällig ist aber, dass das Volumen auf der Handelsplattform Tradegate, der größten Börse für Privatanleger, mit einem Anstieg von rund 360 Prozent regelrecht explodiert ist. Im Januar 2020 wurden auf Tradegate knapp 8000 Papiere täglich gehandelt, im vergangenen Monat waren es knapp 29.000 Stück pro Tag. Ähnliche Wachstumsraten auf dieser Handelsplattform zeigen auch die Volumina anderer Lieblingsaktien der jungen Trader wie beispielsweise Shop-Apotheke.

Fazit des kleinen Vergleichs: Die jungen Trader sind offenbar ein fester Bestandteil des aktuellen Börsengeschehens. Erfahrene Anleger sollten sie daher ernst nehmen. Im aktuellen Marktgeschehen dürften sie eine wichtige Rolle spielen und ein Hauptgrund dafür sein, dass die Korrekturen nach neuen Rekordhochs aktuell nur gering ausfallen.

Einzelaktien im Fokus

Deutsche Börse: Eine Kaufempfehlung der Bank Credit Suisse verhalf den Papieren der Deutschen Börse mit plus 1,8 Prozent an die Dax-Spitze. Aktuell kostet eine Aktie 139,50 Euro.

Hapag-Lloyd: Aktien von Hapag-Lloyd sprangen um mehr als 13 Prozent nach oben. Die Container-Reederei rechnet nach 2020 auch für das neue Jahr mit einer deutlichen Gewinnsteigerung.

Cannabis-Anleger auf Wolke sieben

Nach der Premiere der ersten Cannabis-Aktie an der Londoner Börse schweben Anleger auf Wolke sieben. Die Titel der israelischen Firma Kanabo stiegen an ihrem ersten Handelstag um mehr als 230 Prozent auf 22 Pence. ´Das Unternehmen war zuvor von einem börsennotierten Übernahmevehikel geschluckt worden.

London könnte sich zur europäischen Hauptbörse für Cannabis-Werte entwickeln, prognostiziert Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Bislang sind diese Unternehmen meist in New York oder Toronto gelistet.

Bitcoin steigt über 50.000 Dollar

Eine Einheit Bitcoin ist seit dem heutigen Dienstag erstmals 50.000 Dollar wert. Damit setzt sich die Rekordjagd weiter fort. Der Einstieg Teslas in die Kryptowährung entpuppt sich als der erhoffte Katalysator und dient als Dosenöffner für die Akzeptanz von Unternehmen und Institutionen.

Vor über eine Woche hatte der E-Autobauer sein Investment offenkundig gemacht. Unternehmen, welche schon länger mit einem Engagement liebäugeln und ihre Pläne bereits in den Schubladen liegen haben, kramen diese nun sukzessive hervor.

Zusätzlich nährt die Zulassung eines börsengehandelten Bitcoin-Fonds (ETF) in Kanada die Hoffnung auf die Platzierung weiterer kryptospezifischer Produkte rund um den Globus. „Sollte die US-amerikanische Aufsichtsbehörde SEC eines Tages einen Bitcoin-ETF zulassen, wären Bitcoin und Co. wohl endgültig im Mainstream angekommen“, meint Analyst Timo Emden.

Kupferpreis auf Neun-Jahres-Hoch

In der Hoffnung auf eine anziehende Nachfrage decken sich Anleger mit Kupfer ein. Das wichtige Industriemetall gewann am Dienstag zeitweise 0,5 Prozent und war mit 8437 Dollar je Tonne so teuer wie zuletzt vor neun Jahren.

Spekulationen auf eine Erholung des Automobil-Absatzes hievten Platin auf ein Sechseinhalb-Jahres-Hoch. Das für Katalysatoren verwendete Edelmetall verteuerte sich um bis zu 2,6 Prozent auf 1336,50 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Was die Dax-Charttechnik sagt

Es lohnt sich immer wieder, den Chartverlauf den „echten“ Dax unter die Lupe zu nehmen. Gemeint damit ist der Dax-Kursindex, der Dax ohne Anrechnung von Dividenden.

Dieser Index hat im Gegensatz zum Dax-Performanceindex noch kein neues Rekordhoch erzielt. Der Höchststand liegt bei 6444 Punkten und stammt aus dem Januar 2018. Seitdem ist das Barometer im Korrekturmodus. Aktuell notiert es bei rund 6090 Zählern.

Für die technischen Analysten der Bank HSBC würde ein Monatsschlusskurs oberhalb der Marke von 6000 Punkten den Korrektur-Trend endgültig beenden. Danach dürfte es wieder in Richtung Rekordhoch gehen. „Übergeordnet würde ein neues Allzeithoch sogar nochmals für ein strategisches Investmentkaufsignal sorgen, denn damit hätte der Dax-Kursindex die Seitwärtsphase der letzten 20 Jahre zu den Akten gelegt“, schreiben die Charttechniker.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.