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Dax rutscht deutlich ab – Investoren erwarten schnellere Anhebung der US-Leitzinsen

·Lesedauer: 8 Min.

Nach drei Handelstagen mit neuen Höchstständen verliert der Leitindex zum Wochenstart mehr als 200 Punkte. Von der Anlegerstimmung kommen erste Warnsignale.

Der Optimismus der Anleger ist ungebrochen. Foto: dpa
Der Optimismus der Anleger ist ungebrochen. Foto: dpa

Am deutschen Aktienmarkt ist am Montag eine Pause angesagt: Nachmittags liegt der Dax 1,6 Prozent im Minus bei 13.832 Zählern, mehr als 200 Punkte unter dem Schlusstand am Ende vergangener Woche.

Am Freitag hatte der deutsche Leitindex den dritten Tag in Folge ein neues Rekordhoch markiert. Der neue Höchststand beträgt nunmehr 14.131 Punkte. Zum Handelsende lag er 0,6 Prozent im Plus bei 14.050 Zählern.

Ein Grund für das Minus am deutschen Markt: Die US-Terminkontrakte signalisieren einen negativen Handelsauftakt an der Wall Street. Der wichtige Auswahlindex S & P 500 dürfte demnach 0,8 Prozent niedriger in den Handel starten.

Der Ausgang der vergangenen Handelswoche mit einem Plus von 2,4 Prozent signalisiert gleichzeitig ein freundliches Börsenjahr 2021. Zumindest war das in der Vergangenenheit fast immer der Fall: Enden diese fünf Handelstage im Plus, endet das gesamte Börsenjahr mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 80 Prozent mit einem Wertzuwachs. Das haben die technischen Analysten der Bank HSBC ausgerechnet. Verlaufen die ersten fünf Handelstage insgesamt positiv, kommt der Dax im Anschluss auf eine durchschnittliche Jahresperformance von 12,67 Prozent.

Allerdings sagt dieser Indikator nichts über zwischenzeitliche Marktschwankungen aus. Denn auch im turbulenten „Corona-Jahr“ 2020 lag der Fünf-Tages-Indikator trotz aller Marktturbulenzen letztlich richtig.

Seitens der Anlegerstimmung kommen erste Warnsignale. Das lässt sich aus der aktuellen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment ableiten. Die Stimmung ist extrem euphorisch, ein solch hoher Wert wie derzeit wurde selten in der sechsjährigen Historie des Indikators erreicht.

Die Stimmung gilt als Kontraindikator, weil viele Anleger bereits investiert sind. Allerdings ist solch eine Euphorie noch kein eindeutiges Signal zum Ausstieg, sondern eher eine Warnung. Solch eine Partystimmung kann über einen längeren Zeitraum anhalten, die Kurse können also weiter steigen. Allerdings dürfte es, so kann man diesen Indikator auch interpretieren, nach dem Ende der Rally wieder günstigere Einstiegskurse als derzeit geben.

Anleger, die an der europäischen Mehrländerbörse Euronext handeln wollen, wurden am Morgen mit technischen Problemen konfrontiert. Betroffen war der Handel mit Indexderivaten, etwa mit Future-Kontrakten auf den französischen Leitindex CAC 40. Die Probleme waren jedoch schnell behoben.

Noch im Oktober hatte eine Technikpanne den Handel an der Euronext mehr als drei Stunden komplett zum Erliegen gebracht. Der Konzern betreibt unter anderem Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon.

Steigende US-Renditen belasten Euro und Goldpreis

Anleger sollten zudem den US-Anleihenmarkt im Blick behalten. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen hat zum ersten Mal seit März 2020 wieder die Marke von einem Prozent überschritten und steigt weiter. Aktuell liegt dieser Wert bei 1,1103 Prozent.

Die Renditen für US-Staatsanleihen haben eine Leitfunktion für den Finanzmarkt insgesamt. Weiter steigende Renditen würden für einen stärkeren Dollar sprechen und gegen weiter steigende Aktienkurse, Anleihen wären dann eine Alternative.

Entsprechend ist der Euro gegenüber dem Greenback wieder gefallen. In der vergangenen Woche lag der Kurs noch bei über 1,23 Dollar, derzeit sind es 1,219. Die Kursgewinne seit Mitte Dezember, als der Euro zum ersten Mal seit April 2018 die Marke von 1,22 Dollar überschritten hatte, sind dahin.

Es spricht einiges dafür, dass der Euro in den kommenden Tagen weiter schwächelt. So kann sich Commerzbank-Devisenexperte Ulrich Leuchtmann wieder Niveaus unter 1,20 Dollar vorstellen. Wenn der US-Renditeanstieg ausläuft, sind seiner Ansicht nach aber wieder höhere Kurse möglich. Viele längerfristige Anleger warten auf fallende Euro-Kurse, um wieder einzusteigen.

Aber Investoren an den Geldmärkten setzen nach dem Wahlsieg von Joe Biden immer stärker auf eine Anhebung der US-Leitzinsen in den nächsten Jahren. Aus den Euro/Dollar-Futures-Kontrakten, die im September 2023 fällig werden, ließ sich am Montag die Erwartung ablesen, dass die US-Notenbank (Fed) bis dahin mehr als einmal ihre Zinsen anhebt.

Gerechnet wird mit Zinsschritten von zusammengenommen 0,40 Prozentpunkten. Anfang vergangener Woche waren es lediglich 0,30 Prozentpunkte gewesen. Aktuell liegt in den USA der Schlüsselzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent.

Die steigenden US-Renditen haben auch den Markt für Edelmetalle belastet. So brach der Goldpreis brach bereits am vergangenen Freitag um mehr als drei Prozent ein und rutschte auf 1.820 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), den niedrigsten Stand seit Anfang Dezember. Mittlerweile handelt Gold wieder bei 1.850 Dollar.

Seit dem Hoch Mitte letzter Woche bedeutet dies einen Rückgang um rund 140 Dollar, der stärksten Einbruch in einem so kurzen Zeitraum seit November. Damals waren es Meldungen über Fortschritte bei Impfstoffen.

Warum der Dollar steigt

Die aktuelle Dollar-Stärke hängt mit zwei Faktoren zusammen. Zum einen gibt es Zweifel, ob der designierte US-Präsident Joe Biden eine Mehrheit für sein Billionen Dollar schweres Konjunkturpaket bekommt. Denn im Senat haben die Demokraten im Senat nur eine Stimme Mehrheit und der einflussreiche demokratische Senator Joe Manchin hat bereits Vorbehalte.

Viel wichtiger sind die Stimmen aus der US-Notenbank, wo offenbar über ein langsames Zurückfahren der expansiven Geldpolitik laut nachgedacht wird. Auch wenn etwa der stellvertretende Fed-Chef Richard Clarida am Freitag derartige Überlegungen herunterspielte, hat er zumindest kein größeres Problem damit, dass die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen bei 1,12 Prozent liegt. Sollten sich die Anzeichen für ein Tapering verdichten, wie solch ein Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik genannt wird, könnte es an den Märkten turbulent werden.

Fallender Ölpreis belastet Kurse der Ölkonzerne

Zu den Kurs-Verlierern am Aktienmarkt gehörten die großen Ölkonzerne BP, Shell und Total . Die wieder aufgeflammten Konjunktursorgen setzten dem Ölpreis zu, weil Anleger eine sinkende Kraftstoffnachfrage erwarten. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich um 1,4 Prozent auf 55,22 Dollar je Fass, US-Leichtöl WTI gab knapp ein Prozent auf 51,79 Dollar nach. Bergbauwerte wurden durch den stärkeren Dollar belastet.

Blick auf die Aktien Shop-Apotheke, Deutsche Telekom und Pfeiffer Vacuum

Deutsche Telekom: Die Deutsche Telekom führt einem Zeitungsbericht zufolge Verhandlungen über den Verkauf von T-Mobile Netherlands. Es werde ein Verkauf an Finanzinvestoren angestrebt, meldete das niederländische „Financieele Dagblad“ am Montag unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen. Der Preis für den Mobilfunker könne bei vier bis fünf Milliarden Euro liegen. Aus diesem Grund hält sich die Telekom-Aktie in einem schwachen Marktumfeld unverändert.

Shop-Apotheke: Die deutsch-niederländische Onlineapotheke ist im abgelaufenen Jahr kräftig gewachsen. Der Umsatz ist 2020 um 38 Prozent auf 968,2 Millionen Euro gestiegen. Die Zahl der aktiven Kunden stieg im abgelaufenen Jahr um 1,6 Millionen auf 6,3 Millionen. Zum Ergebnis äußerte sich Shop Apotheke nicht. Die Aktie steigt um drei Prozent auf 157,60 Euro und notiert derzeit nur knapp unter dem bisherigen Rekordhoch von 168,80 Euro.

Pfeiffer Vacuum: Der Vakuumpumpenhersteller Pfeiffer Vacuum hat im vergangenen Jahr trotz der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise kaum an Umsatz verloren. Dadurch steigt die Aktie um rund zehn Prozent auf 178,40 Euro. Das Rekordhoch liegt bei 181,40 Euro, erreicht im September 2020.

Zum Gewinn äußerte sich das Unternehmen in seiner Mitteilung nicht. Pfeiffer Vacuum hatte in der Vergangenheit unter anderem angepeilt, die Ebit-Marge bis 2025 auf über 20 Prozent zu steigern. Nun hieß es, das Unternehmen habe angepasste mittelfristige Unternehmensziele vorgelegt und wolle in den nächsten drei bis fünf Jahren unter anderem die „Profitabilität erheblich verbessern“.

Kurskapriolen beim Bitcoin

Der Bitcoin-Kurs ist abgestürzt: Am Montagmorgen bricht die Kryptowährung nach ihrer jüngsten Rekordjagd um rund 18 Prozent ein und fällt unter die Marke von 34.000 Dollar. Zuletzt notierte die Digitalwährung laut Daten des Analysehauses Coinmarketcap bei 32.900 Dollar.

Solche Kurskapriolen dürfen Anleger nicht wundern. Denn der Markt für Kryptowährungen ist nicht mit einem Aktienmarkt vergleichbar.

Der Großteil der existierenden Bitcoin-Einheiten ist im Besitz einiger weniger Marktteilnehmer, rund 95 Prozent der Kryptowährung liegen auf zwei Prozent der bestehenden, anonymen Konten. „Den Löwenanteil hiervon besitzen sogenannte Bitcoin-Wale, die den Kurs über größere Orders mühelos in die eine oder andere Richtung verschieben können“, schrieb die DZ Bank zuletzt in einer Studie.

Was die Dax-Charttechnik sagt

Was ist das nächste Ziel auf der Oberseite? Für die technischen Analysten der Bank HSBC dient die Marke von 14.228 Punkten als nächste Anlaufstelle. Aus charttechnischer Sicht lässt sich in den kommenden Tagen und Wochen aber auch ein Kursziel von zunächst 14.700 Zählern ableiten.

Die Berechnung dahinter: Knapp sechs Monate lang bewegte sich der deutsche Leitindex in einer Seitwärtspanne von rund 13.500 Punkten (exakt 13.460 Punkte) auf der Ober- und 12.300 Zählern auf der Unterseite. Nur Ende Oktober, kurz vor der US-Präsidentenwahl, wurde diese Phase einige Handelstage lang unterbrochen, als der Dax auf 11.450 Punkte abrutschte. Das war im Nachhinein betrachtet das Signal für die anschließende kräftige Fortsetzung der Rally.

Anhand der Bandbreite der monatelangen Seitwärtsbewegung innerhalb von 1200 Punkten (13.500 minus 12.300) lässt sich laut technischer Analyse auch die kommende Handelsspanne abschätzen. Die dürfte eine ähnliche Breite haben, der Dax also – grob abgeschätzt – zwischen 13.500 Zählern auf der Unter- und 14.700 Punkten auf der Oberseite schwanken.

Die Marke gibt auch eine weitere Orientierung: Mittelfristig agierende Anleger können ihre Stop-Loss-Marke auf 13.500 Punkte hochziehen.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.