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Was das Coronavirus bremsen kann

Ein Impfstoff, ein Schnelltest oder der Frühling – viele Faktoren beeinflussen die Ausbreitung des Virus. Vieles kann helfen, das Gesundheitssystem zu entlasten.

Je weiter das öffentliche Leben in Deutschland eingeschränkt wird, desto stärker steigt die Sehnsucht, wieder in den Alltag zurückzukehren.

Wie lange die Coronakrise dauern wird, hängt unter anderem davon ab, wann ein Gegenmittel auf den Markt kommt und wie schnell sich das Virus ausbreitet.

Ganz vorsichtig schätzt der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, mit einer Dauer der weltweiten Pandemie von etwa zwei Jahren.

Wie die aktuelle und weitere Wellen in Deutschland verlaufen, darauf haben verschiedene Faktoren einen Einfluss. Die wichtigsten im Überblick:

Warme Temperaturen verringern nur die Übertragung

Die wärmeren Temperaturen in den kommenden Monaten können das Virus abschwächen, aber nicht ausrotten. So sagt Christian Drosten, Chef-Virologe der Berliner Charité Christian Drosten im NDR-Podcast, dass die zunehmende Trockenheit und die UV-Strahlung mit großer Wahrscheinlichkeit die Übertragungen zwar verringern, verschwinden werde der Virus dadurch aber nicht.

Drosten vermutet, dass im Sommer die Neuinfektionen leicht zurückgehen, im Herbst und Winter aber wieder deutlich steigen.

Medikamente nur für Risikogruppen wirksam

Derzeit gibt es kein Medikament gegen das Coronavirus. Da rund 80 Prozent der Infektionen mild verlaufen, können sich die meisten Betroffenen ohne besondere Behandlung auskurieren. Es kann aber – gerade bei alten Menschen und solchen mit Vorerkrankungen – zu einem schweren Krankheitsverlauf mit Atemproblemen kommen.

Experten wie RKI-Chef Wieler zeigen sich zuversichtlich, dass bald ein Mittel bald zur Verfügung stehe, das die Symptome lindern kann, und so vielleicht auch Ärzte entlastet.

Dabei weckt ein noch nicht zugelassenes Medikament Hoffnungen. „Es gibt derzeit nur ein Medikament, von dem wir glauben, dass es wirklich wirksam sein könnte, und das ist Remdesivir“, sagte der stellvertretende WHO-Generaldirektor Bruce Aylward im Februar auf einer Pressekonferenz. Der Wirkstoff Remdevisir wurde vom US-Unternehmen Gilead Science zur Bekämpfung von Ebola entwickelt und wird derzeit in China klinisch getestet.

Das Medikament kann zwar nicht verhindern, dass das Virus in eine Zelle gelangt und sich dort vermehrt, aber die Symptome lindern. Das New England Journal of Medicine von einem Fall in Seattle im Januar 2020, wo ein 35-jähriger Infizierter mit einer fortgeschrittenen Lungenentzündung das Medikament einnahm. Bereits nach einem Tag hatte sich sein Zustand gebessert, so dass er keine künstliche Beatmung mehr benötigte.

Impfstoff voraussichtlich erst 2021

Bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus wird nicht gespart: Die Bundesregierung hat angekündigt, rund 140 Millionen Euro für die Erforschung eines Impfstoffes bereit zu stellen. Auch weltweit laufen laut WHO 35 Projekte, die an einem Impfstoff arbeiten.

Dazu gehören auch die Bemühungen der Firma CureVac in Tübingen, deren Forschungsergebnisse Donald Trump exklusiv für die USA sichern wollte. Ein Impfstoff wird aber keine schnelle Lösung für die Coronakrise bieten: Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) rechnen erst im Jahr 2021 mit einem Impfstoff.

Dabei sei es nicht die Entwicklung des Impfstoffes, sondern die Zulassung, die lange dauert, erläutert Virologe Drosten. Zuerst müsse man den Impfstoff an Tieren und danach an Menschen testen. Erst dann können klinischen Studien durchgeführt werden. Dies lasse sich nicht so einfach beschleunigen.

Schnelltests können große Erleichterungen bringen

Derzeit können in Deutschland Infektionen nur im Labor bestätigt werden, doch das kann einige Tage dauern. Schnelltests könnten eine Diagnose beschleunigen. Diese wären so einfach wie ein Schwangerschaftstest und könnten zu Hause ohne medizinisches Wissen angewendet werden.

Das Vorgehen: Zuerst wird ein Abstrich im Rachen gemacht, der dann in eine Flüssigkeit getunkt wird. Danach erscheint ein Streifen, der ein positives oder negatives Ergebnis anzeigt. Mit schnellen Diagnosen könnte schneller sichergestellt werden, dass infizierte Personen in Quarantäne kommen.

Drosten hält diese Schnelltests für vielversprechend und schätzt, dass Firmen, wahrscheinlich aus Asien, in ein bis zwei Monaten einen solchen Test auf den Markt bringen. So hofft er, dass auch in Deutschland diese Tests im Mai oder Juni zu kaufen sind. Das werde die Testsituation und das Gesundheitssystem in Deutschland deutlich entlasten.

Die Tests, von denen Drosten spricht, könnten das Virus am zweiten oder dritten Tag der Symptome nachweisen. Tests, die derzeit schon angeboten werden, hätten einen hohe Fehlerrate, seien blind für die ersten zehn Tage der Infektion und somit nutzlos.

Grundimmunität wird noch dauern

Alles deutet bisher darauf hin, dass Menschen nach einer durchgestandenen Infektion immun gegen das Virus sind. Länder wie die Niederlande und Großbritannien setzen daher darauf, diese Grundimmunität schnell herzustellen. Damit würde sich das Virus nur noch schwer noch weiter ausbreiten.

Dieser Weg aber ist nach Einschätzung der deutschen Experten ein schlechter Ansatz. Denn wenn sich viele Menschen gleichzeitig infizieren, gibt es auch gleichzeitig viele schwere Fälle – und dann wären die Krankenhäuser nicht in der Lage, diese angemessen zu behandeln.

Klar ist: Das Virus kann kaum gestoppt, aber die Ausbreitung verlangsamt werden. Rund zwei Drittel der deutschen Bevölkerung dürften sich mit dem Virus anstecken, schätzen viele Experten. Das dürfte die Ausbreitung des Virus erschweren.