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Commerzbank kürzt Mitarbeiter-Boni – Mehr Filialschließungen denkbar

Kröner, Andreas
·Lesedauer: 2 Min.

Nach einem Milliardenverlust sinkt die variable Vergütung auf unter 100 Millionen Euro. Mittelfristig könnte das Institut mehr als 340 Filialen schließen.

Der Milliardenverlust der Commerzbank im vergangenen Jahr hat auch für viele Mitarbeiter finanzielle Konsequenzen. „In Summe haben wir die variable Vergütung um mehr als 50 Prozent auf unter 100 Millionen Euro im Gesamtkonzern reduziert“, sagte Vorstandschef Manfred Knof der „Welt am Sonntag“. Wie hoch die Bonuszahlungen im Einzelnen ausfallen, hänge von der Entwicklung des jeweiligen Bereichs ab.

Für das Jahr 2019 lag die variable Vergütung bei der Commerzbank noch bei 198 Millionen Euro. Sie verteilte sich damals auf rund 14.000 Beschäftigte.

Traditionell fällt die variable Vergütung bei der Commerzbank deutlich geringer aus als bei der Deutschen Bank, die gerade ihren Investmentbankern hohe Boni bezahlt. Doch auch bei der Commerzbank haben Kürzungen der variablen Vergütung in der Vergangenheit für großen Unmut gesorgt – zuletzt Anfang 2019.

Dass der Vorstand nach einem Verlust von 2,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr keine Bonus-Zahlungen erhält, hatte Knof bereits am Donnerstag bei der Vorstellung der neuen Strategie verkündet. Sie sieht unter anderem den Abbau von 10.000 Stellen und 340 Filialen vor.

Auch das Management soll im Rahmen des Umbaus deutlich ausgedünnt werden. Auf der Ebene unterhalb des Vorstands sei „eine deutliche Reduzierung“ geplant, schrieb Knof in einer internen Mitteilung, die dem Handelsblatt vorliegt und über die die Nachrichtenagentur Bloomberg zuerst berichtet hatte.

„Kosten pro Freisetzung von 160.000 Euro“

Aktuell hat die Commerzbank auf ihrer Internetseite noch 42 Bereichsvorstände aufgelistet. Zwei davon haben bereits ihren Abschied angekündigt. Stephan Müller, der für die Transaktionsbank zuständig ist, geht zum 1. April. Matthias Hach, der letzte verbliebene Vorstand der geschluckten Onlinetochter Comdirect, verlässt das Institut bereits Ende Februar. Er wird Vorstandschef des Finanzportals Wallstreet Online.

Die Commerzbank rechnet im Rahmen ihres Umbaus mit Kosten von 1,8 Milliarden Euro. Der Großteil davon entfalle auf den Stellenabbau, sagte Finanzchefin Bettina Orlopp. „Wir kalkulieren mit durchschnittlichen Kosten pro Freisetzung von 160.000 Euro.“ Diese Zahl reflektiere das steigende Alter und die lange Betriebszugehörigkeit der betroffenen Mitarbeiter.

Privatkundenchefin Sabine Schmittroth machte bei der Präsentation der neuen Strategie vor Investoren deutlich, dass die Zahl der Filialen mittelfristig noch stärker sinken könnte als bisher kommuniziert. Die aktuelle Planung sieht vor, dass die Zahl der Niederlassungen von 790 auf 450 sinkt.

„Über 2022 hinaus ist diese Zahl nicht in Stein gemeißelt“, betonte Schmittroth. Das Geldhaus werde die Zahl der Niederlassungen permanent überprüfen und dabei auch einfließen lassen, wie viele Kunden dem Institut wegen Filialschließungen den Rücken kehren. „In diesem Sinne würde ich nicht ausschließen, dass wir nach 2022 auf eine noch geringere Zahl kommen.“