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Christian Berg: „Die Stellschraube für mehr Diversität sind Männer“

Wiebke Ankersen und Christian Berg setzen sich für mehr Diversität in der Wirtschaft ein. Was sich in Deutschland ändern muss, erzählen sie im Handelsblatt-Podcast Mindshift.

Vor zwei Jahren hat die gemeinnützige Allbright-Stiftung einen Begriff geprägt, der es sogar bis in die „New York Times“ schaffte: Der Thomas-Kreislauf. Thomas ist der häufigste Name in deutschen Vorständen, neben Michael und Stefan.

Der Durchschnitts-Vorstands-Thomas ist logischerweise männlich, um die 50 Jahre alt und Wirtschaftswissenschaftler – oder wahlweise Ingenieur. Und häufig rekrutieren die Unternehmen so, als sei nur ein männlicher, 53-jähriger, westdeutscher Betriebswirt in der Lage, im Vorstand eines Unternehmens mitzuwirken.

Das Fatale daran: Je höher die Hierarchieebene, desto wahrscheinlicher ist es, dass neue „Vorstands-Thomasse“ nach Bauchgefühl rekrutiert werden. „Dann rekrutiert eben der Mann den Mann, weil er ihm ähnlich ist“, erklärt Allbright-Stiftungschefin Wiebke Ankersen in der neuen Podcastfolge von Handelsblatt Mindshift das Phänomen. „Und weil er ihm die höchste Kompetenz zuspricht.“

Die Unternehmen gehen also auf Nummer sicher und orientieren sich an dem, was schon in der Vergangenheit funktioniert hat. „Sowas kann man nur unterbrechen, indem man Strukturen einzieht, die dem entgegen wirken – etwa interne Zielgrößen“, sagt Ankersen. Co-Geschäftsführer Christian Berg ist überzeugt: „Die Stellschraube für mehr Diversität sind die Männer.“

Jahr für Jahr zeichnet die deutsch-schwedische Stiftung ein anschauliches Bild davon, wie homogen die Führungsetagen in Deutschland aufgestellt sind. Der Thomas-Kreislauf ist seitdem in aller Munde. Das zeigt: Es braucht Menschen wie Wiebke Ankersen und Christian Berg, die als Geschäftsführer in der Stiftung arbeiten. Ihr Job ist es, sich für mehr Frauen und Diversität in der deutschen Wirtschaft einzusetzen.

Das tun sie, indem sie regelmäßig Debatten anstoßen und in der Öffentlichkeit Stellung beziehen. Wiebke Ankersen: „Wir richten den Scheinwerfer der Aufmerksamkeit darauf, schauen, wo es denn noch hakt und welche Unternehmen sich nicht dafür einsetzen, dass Frauen bei ihnen gleiche Chancen bekommen.“

Ankersen und Berg wälzen monatelang Geschäftsberichte, schauen genau hin, werten Papierberge aus und analysieren, was deutsche Unternehmen so machen. Von einer gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen sind wir noch weit entfernt. Dabei belegen Studien, dass sich Geschlechtervielfalt und gleiche Chancen für gleich qualifizierte Frauen und Männer positiv auf den Unternehmenserfolg auswirken.

Genau deshalb lassen Wiebke Ankersen und Christian Berg auch nicht locker. Das Handelsblatt hat mit den beiden in Düsseldorf darüber gesprochen, wie man den Thomas-Kreislauf durchbrechen kann, was sich in Deutschland ändern muss und was Deutschland sich von den Schweden abgucken kann.