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Chinas Wirtschaftsmodell funktioniert nicht, aber dennoch muss das Land keinen "Lehman-Moment" fürchten, sagen Experten

Wirtschaftswissenschaftler sind China gegenüber vorsichtig, aber viele erwarten keinen Lehman-Moment. - Copyright: Getty Images / Stringer, Getty
Wirtschaftswissenschaftler sind China gegenüber vorsichtig, aber viele erwarten keinen Lehman-Moment. - Copyright: Getty Images / Stringer, Getty

Das jüngste Gerede, China stehe vor einem eigenen "Lehman-Moment", ist nicht aus der Luft gegriffen. Präsident Xi Jinping steht vor wirtschaftlichen Hürden, zu denen ein riesiger Schuldenberg, ein kränkelnder Immobiliensektor, demografische Hürden und ein Rückgang der Auslandsinvestitionen und des Handels gehören.

Und ähnlich wie bei der Krise, die 2008 zum Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers führte, sind viele der Probleme Chinas im Immobiliensektor begründet. Wirtschaftswissenschaftler und Politikexperten halten die Risiken zwar für hoch, sagen aber jedoch auch, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Situation zu einem Ereignis wie der großen Finanzkrise führen wird.

Chinas Immobilienkrise

Bei einem Vergleich zwischen dem heutigen China und den USA im Jahr 2008 steht der Immobilienmarkt im Mittelpunkt. Ähnlich wie in den USA, wo Immobilien sowohl damals als auch heute die wichtigste Quelle für das Vermögen der meisten Menschen sind, haben Immobilien in den letzten Jahren etwa 20 Prozent des chinesischen BIP ausgemacht. Eine Umfrage der People's Bank of China aus dem Jahr 2020 ergab, dass Immobilien 59 Prozent des Vermögens der privaten Haushalte und drei Viertel der Verbindlichkeiten der privaten Haushalte ausmachten.

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Das bedeutet, dass das Verbrauchervertrauen – also die Stimmung der Menschen – eng mit dem Immobilienmarkt verbunden ist. Alfredo Montufar-Helu, Leiter des China Center beim Conference Board, sagte zu Business Insider, dass er keinen Lehman-Moment erwarte. Aber er behauptete, dass Chinas altes Wirtschaftsmodell zu Ende gehen könnte: "China ist an einem entscheidenden Punkt angelangt, an dem es nicht aufhören kann, die Angebotsseite zu unterstützen, da sich das Wirtschaftswachstum sonst verlangsamen würde. Gleichzeitig sind aber Reformen auf der Nachfrageseite erforderlich. Es bleibt zu hoffen, dass allein diese Absichten mehr Vertrauen in den Markt schaffen können".

Politische Entscheidungsträger müssen möglicherweise fiskalische Anreize setzen

In der Tat schrieben die Analysten der Citi Bank in einem Vermerk vom August, dass die Sorgen um Zahlungsausfälle bei Unternehmen wie Zhongrong Trust – einer in Schwierigkeiten geratenen Schattenbank mit massivem Engagement im Immobiliensektor – dank des Abschwungs im Immobiliensektor eskaliert sind. Dennoch sehen siedies nicht als den Beginn eines Lehman-Moments.

Angesichts des Ausmaßes des chinesischen Immobilienmarktes könnten die politischen Entscheidungsträger möglicherweise mit fiskalischen Anreizen eingreifen, um eine Katastrophe zu vermeiden. Dies kann jedoch die Preisblasen von Vermögenswerten vergrößern und die Verschuldung in die Höhe treiben, sagt William Hurst, stellvertretender Direktor des Centre for Geopolitics an der University of Cambridge, zu Business Insider.

"Wenn wir an den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes im Jahr 2008 denken, der durch übermäßiges Vermögen, das in Immobilien investiert wurde, ausgelöst wurde – im Vergleich zu dem, was in China passiert, wo das Vermögen in diesem Sektor viel höher ist, dann ist das Ausmaß und die Schwere der Krise potenziell viel schlimmer als das, was vor 15 Jahren in den USA geschah", sagte Hurst.

China muss den Fokus seines Wirtschaftswachstums ändern

In jedem Fall ist der größte Teil der Schulden chinesischer Haushalte an Hypotheken gebunden. Diese sind in den letzten zehn Jahren so schnell gestiegen, dass sie in der Nähe des Niveaus liegen, das in den USA vor der großen Finanzkrise herrschte. Doch anders als 2008 zahlen die Hausbesitzer in China ihre Schulden ab, und der Anteil der Menschen, die ihren Verpflichtungen nachkommen, übersteigt die Zahl der Zwangsversteigerungen, sagt Montufar-Helu.

"Stimuli auf der Angebotsseite – Erleichterung der Finanzierung, Steuersenkungen, Senkung der Unternehmenskosten, steuerliche Investitionen – all das ist schnell und hat eine kurzfristige Wirkung", sagte er. Chinas Ungleichgewichte auf der Nachfrageseite seien langfristig. Das Land müsse von einem auf Industrialisierung basierenden Wirtschaftswachstum zu einem konsumorientierten Wachstum übergehen.

Unterschiedliche politische Ökonomien

Im letzten Monat wurden aus China in einem erschreckenden Tempo düstere Wirtschaftsdaten veröffentlicht. Produktionsdaten, Einzelhandelsumsätze, Verbraucherpreise und Exporte sind allesamt rückläufig, während große Bauträger wie Country Garden Holdings ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nach gekommen sind und Evergrande Konkurs angemeldet hat.

Anfang August kippte China in die Deflation, und Beobachter haben die Wachstumsaussichten des Landes zunehmend schlechter eingeschätzt. Doch die Regierung ist in alle Bereiche der Wirtschaft stark involviert, und Peking räumt der Stabilität stets Vorrang ein, was darauf schließen lässt, dass ein kaskadenartiger, Lehman-ähnlicher Absturz nur ein begrenztes Ausmaß haben würde.

"Eine vergleichbare Bankenkrise wird es nicht geben"

"Der Versuch, die aktuelle Situation in China mit der in den USA im Jahr 2008 zu vergleichen, ist so, als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen", sagte Nicholas Spiro, Partner bei der makroökonomischen Beratungsfirma Lauressa Advisory, zu Business Insider: "Es ist nicht hilfreich, aber es hat seinen Weg in das Narrativ gefunden, was besorgniserregend ist. Es ist kein Lehman-Moment. Eine vergleichbare Bankenkrise wird es nicht geben, und zwar aus dem einfachen Grund, dass wir ein staatliches Finanzsystem haben."

Dennoch ist es laut Spiro unwahrscheinlich, dass China zu den Boomzeiten der vergangenen Jahrzehnte zurückkehren kann. "Es wird keinen plötzlichen, heftigen Schock oder einen dramatischen Verlust an Vertrauen oder finanzieller Stabilität geben", sagte er, "sondern eher eine langsam verlaufende, strukturelle Wirtschaftskrise, die sich über Jahre hinziehen könnte. Wir sehen eine tief sitzende, wirtschaftliche Malaise, die sehr lang anhaltend sein wird."

Dieser Artikel wurde von Victoria Niemsch aus dem Englischen übersetzt. Lest das Original hier.