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CATERPILLAR IM FOKUS: Baumaschinenspezialist spürt den Handelsstreit

DEERFIELD (dpa-AFX) - Maschinen mit dem Caterpillar <US1491231015>-Logo sind weltweit von Baustellen nicht wegzudenken. Der US-Konzern mit Sitz in Deerfield im Bundesstaat Illinois ist rund um den Globus eine bekannte Marke. Allerdings lief es für Caterpillar zuletzt alles andere als rund, die sich eintrübende Weltkonjunktur belastete das Unternehmen zusehends und brockte ihm zu allem Überfluss eine gekappte Jahresprognose ein. Was bei Caterpillar los ist, wie Analysten die weiteren Aussichten bewerten und wie sich die Aktie entwickelt hat.

DAS IST LOS IM UNTERNEHMEN:

Der jüngste Ausblick von Konzernlenker Jim Umpleby klang wenig verheißungsvoll. Nachdem das dritte Quartal schwächer als erwartet verlaufen war, rechnete er bei der Vorlage der entsprechenden Zahlen Ende Oktober auch für das letzte Jahresviertel mit Gegenwind. Aufgrund der weltweit zunehmenden wirtschaftlichen Unsicherheiten ging Umpleby von einer weiterhin schleppenden Nachfrage aus. Sowohl eine schwächere Nachfrage der Endkunden als auch die Verringerung der Lagerbestände vieler Händler dürften Caterpillar zu schaffen machen, so die Befürchtung.

Mit Ausnahme von Lateinamerika waren die Umsätze in allen Regionen teils deutlich gesunken. Vor allem in Asien und China gibt es Probleme. Im Reich der Mitte kühlt sich die Konjunktur weiter ab, zudem erschwerte der schwelende Zollstreit mit den USA die Geschäfte. Ob das nun unterzeichnete erste Teilabkommen für Besserung sorgt, muss sich noch herausstellen.

Das schwächelnde China-Geschäft hatte Caterpillar bereits 2018 und auch in der ersten Hälfte des kürzlich zu Ende gegangenen Geschäftsjahrs Probleme bereitet. Damals hatte Finanzchef Andrew Bonfield davor gewarnt, dass der Marktanteil in China etwas sinken dürfte. Hinzu kamen Schwierigkeiten mit Kunden aus der Öl- und Schiefergasförderung. Dennoch zeigt sich Unternehmenslenker Umpleby weiter optimistisch, dass die US-Amerikaner die richtige Strategie haben, um auch langfristig profitabel wachsen zu können.

Entgegen der vorherigen Annahmen soll der Umsatz im bereits beendeten Geschäftsjahr 2019 nun jedoch leicht sinken und der bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) nur noch zwischen 10,90 und 11,40 Dollar liegen. Trotzdem teilte Caterpillar im Dezember mit, dass der Aufsichtsrat dafür gestimmt habe, die Quartalsdividende in Höhe von 1,03 Dollar je Aktie beizubehalten. Seit dem Jahr 2009 habe sich die Quartalsdividende mehr als verdoppelt, hieß es.

Seine Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr will Caterpillar am 31. Januar vorlegen. Dann wird sich zeigen, ob sich der zuletzt negative Trend fortgesetzt hat oder der Baumaschinenhersteller die Abwärtstendenz bremsen konnte.

Caterpillar wurde im Jahr 1925 gegründet, stellt unter anderem Radlader und Muldenkipper her und gilt wegen seiner weltweiten Präsenz und der zyklischen Natur seines Geschäfts als Konjunkturwegweiser. An der Börse wird das Unternehmen stark beachtet. Es ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Baumaschinen und produziert unter anderem auch Diesel- und Gasmotoren, Industriegasturbinen und Bergbaumaschinen.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Für die Mehrzahl der Marktbeobachter verfügt die Caterpillar-Aktie nach wie vor über genug Aufwärtspotenzial, um sie zum Kauf zu empfehlen. So gibt sich etwa Analystin Ann Duignan von der US-Bank JPMorgan zuversichtlich, dass das Geschäft mit Fahrzeugen für den Bergbau weiter zulegen und damit eine Abschwächung im Segment Baufahrzeuge mehr als kompensiert werden dürfte.

Sie hat als Kursziel 155 Dollar auf dem Zettel und liegt damit nur einen Dollar unter dem Ziel von Goldman-Sachs-Experte Jerry Revich. Der wiederum hat seine Einstufung für Caterpillar zwar auf "Buy" belassen, seine Gewinnschätzungen in Anbetracht eines trüberen Ausblicks für die Nachfrage nach Baumaschinen aber gesenkt.

Unterdessen hatte sich Analyst Steven Fisher von der Schweizer Großbank UBS schon vor fast einem Jahr erheblich skeptischer gezeigt. Er ging damals davon aus, dass der Gewinn je Aktie 2020 deutlich zurückgehen dürfte und erwartete, dass ein Großteil der Endmärkte von Caterpillar 2019 den Höhepunkt erreichen wird - was wiederum danach für Druck auf die Umsätze und Margen sorgen sollte.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Caterpillar ist ein Dinosaurier an der New Yorker Börse. Erst im Dezember feierte der Konzern das 90-jährige Jubiläum seines Börsengangs und gehört laut Unternehmensangaben zu jenen nur 3 Prozent der in New York gelisteten Konzerne, die dort seit 90 Jahren oder länger fortwährend notiert sind. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 80 Milliarden Dollar gehört Caterpillar im mit namhaften Weltkonzernen gespickten US-Leitindex Dow Jones momentan jedoch zu den Titeln mit dem geringsten Börsenwert.

Am Kapitalmarkt lief es für den Baumaschinenhersteller zuletzt eher holprig, auf längere Sicht sieht es für Caterpillar aber dennoch ziemlich gut aus. Während sich das Plus im zurückliegenden Jahr 2019 auf rund 16 Prozent beläuft, hat der Konzern in den vergangenen fünf Jahren über 70 Prozent hinzugewonnen. In den letzten drei Jahren steht immerhin eine Wertsteigerung von über der Hälfte zu Buche. Zum Vergleich: Der US-Techgigant Apple <US0378331005> hat als größter Dow-Jones-Gewinner alleine im vergangenen Jahr rund 86 Prozent zugelegt, dahinter folgen Microsoft <US5949181045> <US5949181045> mit einem Plus von 55 Prozent und die Großbank JPMorgan <US46625H1005>, die knapp 43 Prozent zulegte.

Im Frühjahr 2018 erreichte die Caterpillar-Aktie mit 173,24 Dollar ihr jüngstes Hoch. Im Jahr 2005 gelang Caterpillar erstmals der Sprung über die 50-Dollar-Marke. Danach ging es noch einmal auf nur noch etwas mehr als 20 Dollar bergab. Seitdem haben sich die Anteilsscheine aber weitgehend positiv entwickelt, momentan haben sie sich etwas unter 150 Dollar eingepegelt.