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Wieso das Cannabis-Startup Cantourage lieber an die Börse geht, statt VC-Geld aufzunehmen

Cantourage-Mitgründer Dr. Florian Holzapfel und Patrick Hoffmann sowie der CEO Philip Schetter (v.l.n.r.)
Cantourage-Mitgründer Dr. Florian Holzapfel und Patrick Hoffmann sowie der CEO Philip Schetter (v.l.n.r.)

Es ist ein ungewöhnlicher Zug: Das Cannabis-Startup Cantourage geht gerade mal drei Jahre nach Gründung an die Börse. Cantourage hat eine Privatplatzierung abgeschlossen, bei der das Unternehmen mit rund 100 Millionen Euro bewertet worden ist, wie das Handelsblatt unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet. In den kommenden Tagen oder Wochen, "im November", wie es seitens des Unternehmens heißt, will das Unternehmen sich dann im Einstiegssegment Scale am Frankfurter Aktienmarkt listen lassen.

Schneller, als mit Investoren zu verhandeln

Die Cantourage-Gründer Norman Ruchholtz, Florian Holzapfel und Patrick Hoffman sind keine Neulinge in der Cannabisbranche. Mit Pedanios hat das Trio 2015 einen der ersten europäischen Cannabisgroßhändler aufgebaut und zwei Jahre später an den kanadischen Platzhirsch Aurora verkauft. Als Aurora Deutschland GmbH haben sie ihre Firma noch weitergeführt, 2019 dann Cantourage gegründet.

Für das Wachstum braucht das Startup nun Geld. Private Equity oder Venture Capital dauere ihm aber schlicht zu lang, sagt CEO Philip Schetter im Gründerszene-Interview: „Ich kenne das aus anderen Finanzierungsrunden: Es gibt oft lange Due-Diligence-Prozesse und langwierige Bewertungsdiskussionen.“ Schetter war zuletzt Europa-Chef von Aurora und hat im Frühjahr 2021 den CEO-Posten von Cantourage übernommen.

Gerade der Cannabismarkt sei „sehr dynamisch” und entwickle sich „oft sprunghaft”. Auch, wenn die Regierung Eckpunkte zur Legalisierung von Cannabis vorgestellt hat, ist noch immer nicht sicher, ob und wann das sogenannte "Freizeit-Cannabis" erlaubt wird. Sollte es soweit sein, benötigen Cannabis-Unternehmen schnell viel Geld, um am Markt zu bestehen. „Wir wollten deshalb eine weitere Option haben, kurzfristig Geld aufnehmen zu können, wenn es denn notwendig ist”, sagt Schetter im Gespräch mit Gründerszene. Er habe lange genug in dem Markt gearbeitet, um zu wissen, dass Investitionsentscheidungen in Sachen Cannabis fast immer sehr schnell getroffen werden müssten.

Kein Wertpapierprospekt veröffentlicht

Sobald Cantourage an der Scale-Börse gelistet ist, gäbe es unterschiedliche Wege, eine Kapitalerhöhung durchzuführen und Menschen die Möglichkeit zu geben, in das Unternehmen zu investieren, erklärt Schetter. Bei einem Listing im Scale-Segment unterscheidet man zwischen öffentlichen und nicht-öffentlichen Angeboten. Für nicht-öffentliche Angebote müssen Unternehmen keinen Wertpapierprospekt erstellen – diesen Weg geht Cantourage.

Im Zuge der Privatplatzierung floss bereits frisches Kapital: Es hätten sich „High-Net-Worth Individuals und Family Offices“ beteiligt, so Schetter. Wer genau diese Aktionäre sind, möchte er jedoch nicht sagen. Nutzen wollen er und sein Team dieses Geld für einen systematischen Ausbau der Produktionskapazitäten und die Erschließung neuer Märkte – der Cannabis-als-Genussmittel-Märkte – in unterschiedlichen europäischen Ländern. Deutschland ist schließlich nicht der einzige Staat, der das Thema Legalisierung diskutiert.

Blüten, Extrakte, THC

Bisher ist Cantourage auf den Bereich medizinisches Cannabis beschränkt: Das Startup vertreibt medizinische Cannabisblüten, Dronabinol (ein THC-Präparat), Cannabis-Extrakte und pharmazeutisches CBD in Europa und Großbritannien. Dafür arbeitet Cantourage laut Schetter mit 38 Anbauern in 17 Ländern zusammen, importiert deren Cannabis und verarbeitet es in Deutschland zu pharmazeutischen Produkten. In Großbritannien betreibt Cantourage seit dem Frühling 2022 auch eine eigene Cannabisklinik.

Im vorigen Jahr habe das Startup aus dem Berliner Vorort Kleinmachnow einen Umsatz von über fünf Millionen Euro erzielt, dieses Jahr strebe das Unternehmen eine Verdreifachung an, heißt es in einer Pressemitteilung. „Allein der Markt für medizinisches Cannabis wird Schätzungen zufolge in Europa bis 2028 auf 7,7 Milliarden Euro wachsen. Etwaige Märkte, in denen Cannabis perspektivisch als Genussmittel abgegeben werden könnte, sind um ein Vielfaches größer“, sagt Schetter. Schätzungen zufolge sogar um ein 20-Faches größer.

Kommt die Legalisierung, könne Cantourage direkt mitspielen. Nicht nur dank des dann schnell verfügbaren Geldes vom Kapitalmarkt, sondern auch, weil das Startup bereits passende Produkte im Portfolio habe: „Ich gehe davon aus, dass das, was wir im Medizinmarkt anbieten, unter Umständen auch im Freizeitbereich funktionieren könnte.“ Beliebt sei, das zeige der Absatz in Ländern wie den USA und Kanada, wo Marihuana bereits legal verkauft wird, die getrocknete Blüte – ein Kernprodukt von Cantourage.