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Brennende Hybrid-Autos: Ford will eventuell Kompensation geltend machen

·Lesedauer: 4 Min.

Ford hat viel Geld durch Batteriebrände beim Kuga verloren. Auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel kündigte Deutschlandchef Gunnar Herrmann Konsequenzen an.

Auf den Zelllieferanten Samsung SDI kommen möglicherweise Regressforderungen des US-Autokonzerns Ford zu. Deutschlandchef Gunnar Herrmann sagte am Freitag auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel, dass Ford mit dem südkoreanischen Unternehmen wegen der Lieferung verunreinigter Batteriezellen spreche und „eventuell Kompensation geltend macht“.

Verunreinigte Batteriezellen hatten beim Modell Ford Kuga in der Plug-in-Version vereinzelt zu Überhitzung und zu Fahrzeugbränden geführt. Die europäische Ford-Tochter muss deshalb mehr als 30.000 Exemplare in die Werkstätten rufen. Für neu produzierte Modelle war ein Auslieferungsstopp ausgesprochen worden. Bereits ausgelieferte Kuga bekommen eine neue Batterie. Kosten für Ford: mehr als 400 Millionen US-Dollar.

„Die Zellproduktion ist sehr sensibel“, sagte Ford-Manager Herrmann auf dem Auto-Gipfel. In der Fertigung sei die Ausschussquote vergleichsweise hoch. Zugleich gebe es vonseiten der Autohersteller wegen des branchenweiten Starts in die Elektromobilität eine sehr hohe Nachfrage. Offensichtlich wurden an Ford verunreinigte Zellen geliefert. „Das gilt es künftig zu unterbinden“, betonte Herrmann.

Als Konsequenz daraus wird Ford Europa in diesem Jahr einige Zehntausend Kuga in der Plug-in-Version nicht ausliefern können. Der Autokonzern verpasst deshalb zudem die verschärften EU-Emissionsziele beim Kohlendioxid und müsste eigentlich ein Bußgeld in dreistelliger Millionenhöhe zahlen.

Der Ford-Deutschlandchef bestätigte, dass die CO2-Ziele nicht mehr eingehalten werden können. Um einer hohen Strafe zu entgehen, habe Ford einen sogenannten Emissions-Pool mit dem schwedischen Konkurrenten Volvo gebildet. Ford Europa profitiert dadurch von den vergleichsweise niedrigen Emissionswerten der Schweden und muss kein Strafgeld nach Brüssel überweisen.

Volvo lässt sich diese Hilfsdienste allerdings auch bezahlen. Die Summe ist nach Ford-Angaben in den 400 Millionen Dollar enthalten, die die Batteriebrände bislang insgesamt gekostet haben.

Herrmann bezeichnete die Batterieprobleme beim Kuga als Einzelfall. 2021 werde Ford die europäischen Grenzwerte beim Kohlendioxid wieder einhalten können. Dazu soll im nächsten Jahr auch die Normalisierung der Kuga-Produktion beitragen. Ford rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die Probleme mit den Batterien spätestens im nächsten Frühjahr überwunden sind.

Rückkehr in die Gewinnzone geplant

Betroffenen Autofahrern sicherte Herrmann schnelle Hilfe zu. „Wir wollen den Kunden dabei helfen, ihre Autos bald auch wieder laden zu können“, sagte er. Ford hatte nach Bekanntwerden der Batteriebrände davon abgeraten, die Kuga Plug-in-Hybride weiterhin aufzuladen. Stattdessen sollten die Autos ausschließlich mit dem Verbrennungsmotor gefahren werden.

Ford Europa war durch die Kuga-Probleme im dritten Quartal mit 440 Millionen Dollar in die roten Zahlen gerutscht. Wegen der Coronakrise hatte Ford Europa auch zuvor schon Verluste gemacht. Insgesamt beläuft sich das Minus in diesem Jahr auf mehr als 1,2 Milliarden Dollar.

Deutschlandchef Herrmann äußerte sich optimistisch, dass Ford in Europa im neuen Jahr wieder in die Gewinnzone zurückkehren wird. Dazu trage ganz wesentlich ein bereits Anfang 2019 gestartetes Sanierungsprogramm bei. Ford hatte einen europaweiten Abbau von rund 10.000 Arbeitsplätzen beschlossen, was zu jährlichen Einsparungen von etwa einer Milliarde Dollar führen soll. Ford Europa hatte auch schon vor der Coronakrise immer wieder Verluste gemacht.

„Die Restrukturierung hat uns geholfen, durch die Coronakrise hindurchzukommen“, betonte Herrmann. Damit sei es möglich gewesen, eine ganze Reihe von Corona-Folgen abzufedern. Ford und seine Mitarbeiter könnten stolz darauf sein, was in den beiden vergangenen Jahren erreicht worden sei. Trotz Corona müsse das aktuelle Sparprogramm nicht zusätzlich nachjustiert werden. „Wir sind mehr als zuversichtlich, 2021 zum ursprünglichen Fahrplan zurückzukehren“, sagte er.

Gunnar Herrmann bestätigte, dass Ford recht bald den Produktionsort für das erste ausschließlich für den europäischen Markt gefertigte Elektroauto bekanntgeben wird. „Wir sind in der Vorbereitung“, sagte er. Solche Entscheidungen müssten zunächst intern vor allem mit der Arbeitnehmerseite abgesprochen werden.

Favorit ist das Kölner Ford-Werk, wo voraussichtlich im Jahr 2023 die Produktion des Kleinwagens Fiesta auslaufen wird. Mit dem ersten europäischen rein elektrisch angetriebenen Modell wäre die Folgeproduktion für Köln gesichert.

Ford kooperiert bei diesem Auto mit dem Volkswagen Konzern und bezieht aus Wolfsburg dessen Elektroplattform MEB. Ford Europa spart damit eigene Entwicklungskosten, muss aber zugleich Milliarden an Volkswagen überweisen.

Auch der zweite deutsche Ford-Standort Saarlouis hofft in näherer Zukunft auf die Produktion eines neuen Elektroautos. Dort läuft im Jahr 2024 die Fertigung des Ford Focus aus.