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Der Bitcoin-Rausch: Bloße Finanzspielerei oder Währung der Zukunft?

Tobias Schmidt, dpa-AFX
Bitcoin

Ist das noch gesunde Euphorie oder längst verrückte Hysterie? Die Digitalwährung Bitcoin reißt einen Rekord nach dem anderen. Diese Woche stieg ihr Wert erstmals über 11 000 US-Dollar. Allein seit Jahresbeginn hat er sich mehr als verzehnfacht.

Bitcoin-Freunde träumen von der Währung der Zukunft und von weiteren Wertsteigerungen. Kritiker warnen vor einer gigantischen Finanzblase. Jetzt kommen auch offizielle Regulierer, Notenbanker und sogar Religionsbehörden nicht mehr daran vorbei, sich zum Bitcoin zu äußern. Der Grundtenor: Besser die Finger davon lassen! Die deutsche Finanzaufsicht warnt gar vor einem Totalverlust.

Im Internet kursiert seit einiger Zeit folgende Rechnung: 2010 hatte ein Programmierer zwei Pizzen für 10 000 Bitcoins gekauft. Heute wäre dieser Betrag rund 100 Millionen Dollar wert. Besonders seit Anfang des Jahres steigt der Wert der Digitalwährung immer rasanter. Manch einer fühlt sich gar an die berühmte Amsterdamer Tulpenmanie erinnert. Im 17. Jahrhundert schlug eine zunächst harmlose Blumen-Liebhaberei reicher Niederländer in einen irrationalen Kaufrausch um. Die Amsterdamer rissen sich um die Tulpenzwiebeln, weil sie an immer weitere Wertsteigerungen glaubten. Am Ende waren manche Zwiebeln so teuer wie ein Haus — dann kam der Preisabsturz.

Anders als herkömmliche Währungen wird der Bitcoin nicht von Zentralbanken und Regierungen kontrolliert

Ein ähnliches irrationalen Verhalten sieht John Bogle, Gründer der US-Investmentgesellschaft Vanguard, jetzt auch beim Bitcoin am Werk. „Es gibt nichts, was für Bitcoin spricht, außer der Hoffnung, dass man ihn an jemanden für mehr verkaufen kann, als man dafür bezahlt hat.“ Ein Absturz des Bitcoin bis auf 100 Dollar wäre für ihn kein Wunder. Und: Während die Amsterdamer nach dem Zusammenbruch der Tulpen-Blase wenigstens noch ein paar Blumenzwiebeln besaßen, steht hinter einer Digitalwährung gar kein materieller Wert.

Der Bitcoin ist die bekannteste von inzwischen über 1000 Digitalwährungen, die auch Kryptowährungen genannt werden. Eine Figur namens Satoshi Nakamoto, deren Identität bis heute nicht eindeutig geklärt ist, soll sie 2009 in Umlauf gebracht haben. Anders als herkömmliche Währungen wird der Bitcoin nicht von Zentralbanken und Regierungen kontrolliert. Es gibt auch keine Scheine oder Münzen in den Händen, sondern nur Bits und Bytes auf Computern. Bitcoins werden durch gigantische Rechenprozesse erzeugt. Dieses sogenannte Mining wird immer komplizierter, der Stromverbrauch dafür immer größer.

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