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Bieterkreis für Flatex wird kleiner – Goldman ist weiter dabei

Die Frankfurter Finanztechnologie-Firma Flatex, vormals Fintech Group, soll womöglich noch im Oktober verkauft werden. Vier Interessenten sollen noch im Rennen sein – darunter Goldman Sachs.

Die US-Investmentbank gilt neben der UOB-Bank als potenzieller Käufer der Fintech Group. Foto: dpa

Die Frankfurter Flatex-Bank, die den Broker Flatex betreibt, soll womöglich noch im Oktober verkauft werden. Das Verkaufsverfahren für das Unternehmen, das zuvor unter Fintech Group firmierte, tritt damit nun in die finale Phase ein.

Es gebe noch vier Bieter, sagten zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen. Dazu gehörten drei Finanzinvestoren, außerdem die US-Investmentbank Goldman Sachs in Zusammenarbeit mit einem anderen Private-Equity-Partner.

Andere Bieter haben sich laut Finanzkreisen in den vergangenen Wochen zurückgezogen, darunter die US-Bank Morgan Stanley, die ein Private-Equity-Haus in dem Prozess unterstützt hatte, das inzwischen ausgestiegen ist. Offiziell äußern wollten sich die Banken nicht.

Von vornherein sei geplant gewesen, den Bieterkreis bis Ende September auf drei bis fünf Bieter einzuschränken, erklärte ein Insider. Mit ihnen spreche man nun detailliert. Wann ein Ergebnis öffentlich verkündet werden könne, sei noch unklar. Das liegt daran, dass die Bankenaufsicht Übernahmen von regulierten Finanzinstituten genehmigen muss, was unterschiedlich lange dauern kann. Je nachdem, wie schnell das gehe, sei eine Einigung schon im Oktober – oder auch später – denkbar.

Das Unternehmen ist vor allem als Betreiber des Onlinebrokers Flatex bekannt, der Zertifikate und Hebelprodukte anbietet und als besonders effizient gilt.

Über die zukünftigen Pläne mit dem Unternehmen haben die potentiellen Käufer offenbar unterschiedliche Vorstellungen. Im Raum steht etwa die Möglichkeit, Flatex von der Börse zu nehmen und in einigen Jahren in den USA wieder erneut an der Börse zu listen. Goldman Sachs dürfte vor allem daran interessiert sein, die weitere Distribution der eigenen Hebelprodukte via Flatex in Europa sicherzustellen.

Wie bereits Anfang des Jahres vereinbart, war Goldman zum 1. Oktober zu einem sogenannten Flatex-Premiumpartner aufgestiegen und bietet seine Zertifikate und Optionsscheine nun bevorzugt bei dem Broker an.

Alle Interessenten strebten eine vollständige Übernahme an und wollten das Unternehmen zunächst von der Börse nehmen, heißt es. Übernahme und Delisting seien einfach, da die Aktie im nicht regulierten Markt notiert sei und große Anteile in der Hand weniger Aktionäre lägen, unterstreichen die von der Investmentbank Lazard erstellten Verkaufsunterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen.

Die fünf größten Aktionäre, zu denen Flatex-Gründer Bernd Förtsch, der Finanzinvestor Heliad und die österreichische Post zählen, halten demnach 53 Prozent der Anteile. Das Management besitzt etwa sieben Prozent.

Flatex ist an der Börse rund 440 Millionen Euro wert. Die Aktie notierte lange unter 20 Euro, legte im Rahmen des Verkaufsprozesses zu und lag zuletzt bei knapp 24 Euro. Die Berenberg-Bank schätzte den inneren Firmenwert auf 33 Euro je Aktie, was einer Gesamtsumme von über 620 Millionen Euro entspräche. Andere Beobachter gehen von einem geringeren Marktwert aus.

2018 erwirtschaftete die Fintech Group mit knapp 500 Mitarbeitern in Deutschland, Österreich und den Niederlanden einen Jahresumsatz von 125 Millionen Euro. Bis 2021 will das Unternehmen nach Spanien, Frankreich, Italien und Schweden expandieren.