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TV-Duell: Wüste Wortgefechte zwischen Biden und Trump

·Lesedauer: 7 Min.

Die Kandidaten fallen sich immer wieder ins Wort: 90 Minuten lang streiten sie über Supreme Court, Coronakrise, Wirtschaft, Rassismus, Sicherheit, Gesundheitssystem und Klimawandel.

Fünf Wochen vor der Präsidentenwahl in den USA haben sich Amtsinhaber Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden in ihrem ersten TV-Duell einen hitzigen Schlagabtausch geliefert. Die etwa 90-minütige Debatte war geprägt von gegenseitigen Beleidigungen und persönlichen Angriffen.

Ruhig und staatsmännisch waren tatsächlich nur die ersten Minuten – dann ging das Chaos los. Eigentlich sollte es in der ersten Viertelstunde um Trumps Kandidatin für den Supreme Court gehen. Doch die Duellanten lieferten sich sogleich ein Wortgefecht, bei dem es um die von Trumps Vorgänger Barack Obama eingeführte Gesundheitsreform „Obamacare“ genauso ging wie um die Rezession und Trumps Krisenmanagement während der Pandemie.

Immer wieder fiel Trump seinem demokratischen Kandidaten ins Wort. Trumps Behauptung, er habe eine großartige Gesundheitsreform ins Leben gerufen, verwirrte selbst Moderator Chris Wallace. Er habe die Preise für Insulin so deutlich gesenkt, „es ist jetzt fast so billig wie Wasser“, sagte der Präsident.

Die Strategie der beiden Männer war schnell klar. Trump war aggressiv, fiel seinem Kontrahenten ins Wort, teilte aus. Biden versuchte, ruhig zu bleiben, auch wenn dem früheren Vizepräsidenten das nicht immer gelang. „Oh, halt die Klappe, Mann!“, kapitulierte Biden genervt am Ende des ersten Blocks.

Biden hatte jedoch starke Momente. In der hitzigen Debatte um seinen Sohn Hunter und dessen Engagement in der Ukraine wiegelte er ab, schaute in die Kameras und lenkte die Diskussion zurück zu den Wählern: „Denn darum geht es hier.“

Auch beim Thema Klimawandel war Biden stark. Er habe einen Plan vorgelegt, der eine grüne Infrastruktur schaffen soll, mit milliardenschweren Investitionen und Steueranreizen. Dass dies zu viel Geld koste, wies Biden zurück. „Schauen Sie doch, wie viel wir jetzt bezahlen für Schäden, die von Hurrikans, Waldbränden und Überschwemmungen verursacht werden.“ Zudem würden die Investitionen „Millionen an gut bezahlten Jobs schaffen“.

Joe Biden liegt in Umfragen vorn

Das erste TV-Duell ist im Wahlkampf besonders wichtig. In den ersten 30 Minuten können die Kandidaten traditionell die meisten Wähler erreichen. Für Joe Biden, der in landesweiten Umfragen vorn liegt, bot es die Chance zu zeigen, dass er das Zeug zum Präsidenten hat.

Nur 42 Prozent der Amerikaner sind mit Trumps Arbeit zufrieden, wie aus den jüngsten Umfragen des renommierten Analysehauses Gallup hervorgeht. 56 Prozent geben ihm schlechte Noten. Mit so miserablen Werten ist keinem Präsidenten der jüngeren Zeit die Wiederwahl geglückt. Doch Trump hat schon viele Widerstände überwunden, und er gab sich kämpferisch wie eh und je.

Warum er sich viel zu lange geweigert habe, Masken zu tragen, wurde er gefragt. „Ich habe meine Maske doch immer dabei“, sagte Trump und griff in die Innentasche seines Sakkos. „Aber ich trage sie nicht so wie er. Immer wenn man ihn sieht, auch wenn er 70 Meter weit weg steht, hat er immer die größte Maske auf, die ich je gesehen habe“, ätzte Trump in Richtung Biden.

Dass sein Herausforderer bewusst auf kleinere Wahlkampfveranstaltungen setzte, um das Ansteckungsrisiko möglichst gering zu halten, kommentierte Trump mit unverblümten Worten: „Zu seinen Events kommen ja nicht mehr Leute“, konterte Trump. Er halte größere Events ab, „weil die Leute hören wollen, was ich zu sagen habe“.

Angesichts der über 200.000 Corona-Toten in den USA warf Biden Amtsinhaber Trump vor, dem Kampf gegen die Pandemie nicht gewachsen zu sein. Trump habe schon im Februar über die Gefahr durch Covid-19 Bescheid gewusst, sagte Biden über den republikanischen Präsidenten. „Er hat gewartet und gewartet und gewartet. Er hat noch immer keinen Plan“, sagte Biden weiter. Trump entgegnete: „Wenn wir auf Sie gehört hätten, wäre das Land weit geöffnet gewesen.“ Er verwies damit auf den von ihm verhängten Einreisestopp für Menschen aus China im Januar.

Zur hohen Anzahl von Corona-Toten meinte Trump, es sei völlig unklar, wie viele Menschen wirklich in China und Russland gestorben seien, weil diese Länder die wirklichen Opferzahlen nicht veröffentlichten. Er habe einen „großartigen Job“ gemacht, dies wollten ihm die „verlogenen Medien“ aber nicht zugestehen.

Moderator Wallace muss laut werden

Das Format war zäh. Sechs Themen hatte Fox-Moderator Wallace ausgewählt, darunter die Wirtschaft, die Coronakrise und die Rassenunruhen in den USA. Zwei Minuten lang durfte jeder Kandidat antworten, danach sollte es eigentlich eine offene Diskussion geben.

Doch statt Argumente auszutauschen, fielen die beiden Politiker einander immer wieder ins Wort. Kaum war verständlich, wer was sagte. Immer wieder mischte sich Wallace als Moderator ein, doch meist erfolglos. Einmal wurde er laut, um beide zur Ordnung zu rufen: „Tut mir leid, dass ich meine Stimme hier heben muss, aber warum sollte ich anders sein als Sie?“ Dann mahnte er den Präsidenten, Biden nicht so oft zu unterbrechen.

„Ich bin der Moderator der Debatte, und ich möchte, dass Sie mir erlauben, meine Frage zu stellen“, sagte Wallace, als Trump ihm beim Thema Krankenversicherung immer wieder ins Wort fiel. Trump sagte an Wallaces Adresse: „Ich habe den Eindruck, ich debattiere mit Ihnen, nicht mit ihm. Aber das ist okay, ich bin nicht überrascht.“ Als Trump Biden unterbrach, forderte Wallace den Präsidenten auf: „Können Sie ihn aussprechen lassen?“ Biden warf mit Blick auf Trump ein: „Er weiß nicht, wie das geht.“

Wallace kommt vom Trump-freundlichen Fernsehsender Fox News, wird aber weit darüber hinaus als unabhängig respektiert. Das Duell begann mit einem Schlagabtausch über die umstrittene Neubesetzung am Supreme Court. Trump wurde gefragt, warum er seine Nominierung von Amy Coney Barrett für die Nachfolge der verstorbenen liberalen Justizikone Ruth Bader Ginsburg noch vor der Wahl im November für gerechtfertigt halte.

Trump führte das Mandat an, das die Wähler ihm und den Republikanern im Senat 2016 erteilt hätten. Biden hielt dagegen, dass viele US-Bürger schon ihre Stimme für die kommende Wahl abgegeben hätten. Darum sollte erst der Wahlsieger über die wichtige Personalie am Obersten Gerichtshof entscheiden.

Die Zahl des anwesenden Publikums bei der Debatte in der Universität Case Western Reserve in Cleveland wurde wegen der Corona-Pandemie deutlich eingeschränkt. Der Sender Fox 8 berichtete unter Berufung auf die Organisatoren, um Abstand zu ermöglichen, würden bis zu 75 Zuschauer zugelassen. Die Zuschauer mussten Masken tragen. Bei Debatten vor früheren Präsidentschaftswahlen waren Hunderte Menschen im Publikum.

Vor der ersten Debatte entbrannte ein Streit über angebliche elektronische Ohrhörer der Kandidaten im TV-Duell und andere Verfahrensfragen. Trumps Wahlkampfteam warf dem Team von Herausforderer Biden vor, einer Ohreninspektion zunächst zugestimmt, am Dienstag aber einen Rückzieher gemacht zu haben. Das Trump-Team schürte damit den Verdacht, Biden lasse sich Antworten von seinen Mitarbeitern einflüstern, wofür es keine Belege gibt.

Trumps Team teilte auch mit, Biden habe es abgelehnt, sich vor der Debatte auf Medikamente testen zu lassen. Trump hatte mehrfach den Verdacht geäußert, dass Biden Fragen nicht spontan selbst beantworte und dass sein Verhalten bei öffentlichen Auftritten auf den Konsum leistungssteigernder Substanzen hinweise. Belege dafür hatte der republikanische US-Präsident nicht vorgelegt.

Ein Biden-Sprecher hatte zu dem von Trump geforderten Medikamententest bereits vor wenigen Tagen erklärt: „Wenn der Präsident denkt, dass er seine Argumente am besten mit Urin vorbringen kann, braucht er sich keinen Zwang anzutun.“ Biden selbst reagierte am Dienstag mit Humor. „Es ist der Abend der Debatte, also halte ich meine Ohrhörer und Leistungssteigerer bereit“, schrieb er auf Twitter. Daneben stellte er ein Foto mit einem iPhone-Kopfhörer und einem Becher Eis. Biden ist ein erklärter Fan von Eiscreme.

Trumps Wahlkampfteam behauptete auch, Bidens Mitarbeiter hätten um mehrere Pausen während der 90-minütigen Debatte gebeten, „die Präsident Trump nicht benötigt, weswegen wir dieses Ersuchen abgelehnt haben“. Trump (74) hatte mehrfach den Geisteszustand seines 77-jährigen Herausforderers infrage gestellt, den er gern als „Sleepy Joe“ (schläfriger Joe) bezeichnet.

Insgesamt sind drei TV-Debatten zwischen Trump und Biden geplant. Das zweite Streitgespräch ist für den 15. Oktober (16. Oktober, 3.00 Uhr MESZ) in Miami im Bundesstaat Florida vorgesehen. Die letzte Debatte vor der Wahl soll am 22. Oktober (23. Oktober, 3.00 Uhr MESZ) in Nashville (Tennessee) stattfinden.

Die Vizekandidaten Mike Pence (Republikaner) und Kamala Harris (Demokraten) treffen am 7. Oktober (8. Oktober, 3.00 Uhr MESZ) in Salt Lake City im Bundesstaat Utah aufeinander. Wahltermin ist der 3. November.

Mit Agenturmaterial