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Wirecard-Kunden von Solarisbank umworben nach Finanzierungsrunde

Stephan Kahl

(Bloomberg) -- Das Berliner Fintech Solarisbank AG hat 60 Millionen Euro an frischen Investorengeldern eingesammelt und angekündigt, Kunden der zusammengebrochenen Wirecard AG gewinnen zu wollen.

Angeführt wird die neue Finanzierungsrunde von HV Holtzbrinck Ventures, wie die Solarisbank am Dienstag mitteilte. Mit dabei sind auch einige Alt-Investoren wie Banco Bilbao Vizcaya Argentaria SA, Lakestar und ABN Amro Bank NV. Die Bewertung des Unternehmens steigt eigenen Angaben zufolge auf 320 Millionen Euro.

“Wir wollen das Geld dazu nutzen, unsere Plattform auszubauen”, sagte CEO Roland Folz, der viele Jahre bei der Deutschen Bank AG tätig war, in einem Bloomberg-Interview. “Wir hoffen, dass einige der Unternehmen, die bislang Wirecard genutzt haben, auf unsere Plattform wechseln. Wir sprechen bereits mit einigen.”

Die Solarisbank war im März 2016 gegründet worden, nachdem sie eine Vollbanklizenz erhalten hatte. Das Unternehmen tritt selbst nicht unter eigener Marke auf. Stattdessen ermöglicht es anderen Firmen, Finanzdienste wie etwa Konten, Kreditkarten oder Darlehen anzubieten. Sie stellt dafür ihre eigene Infrastruktur zur Verfügung.

Der Geschäftskontenanbieter Kontist GmbH wird seine Debitkarten bis August von Wirecard auf die Solarisbank umstellen, erklärte eine Sprecherin des Unternehmens am Montag gegenüber Bloomberg.

Umsatz wichtiger als Gewinn

Folz zufolge liegt der Fokus derzeit auf Wachstum. In diesem Jahr sollen sich die Umsätze verdoppeln. Weniger wichtig sei es, in den nächsten 24 Monaten die Gewinnschwelle zu erreichen. ”Wenn wir in den nächsten Jahren weiter so rasant wachsen, eröffnet das für unsere Investoren viele Möglichkeiten. Dazu zählt auch ein IPO”, erklärte Folz.

Die jüngsten Finanzierungsrunde war seinen Worten zufolge ursprünglich auf 40 Millionen Euro ausgelegt und sei wegen der Nachfrage dann auf 60 Millionen Euro ausgeweitet worden. Folz: “Wir hätten sogar noch mehr Geld einsammeln können”.

Mit Blick auf Wirecard sagte er, dass die Insolvenz eines Dax-Unternehmens zwar niemals gut sei. “Aber ich glaube nicht, dass das den Finanzstandort Deutschland dauerhaft schädigen wird.” Er verwies auch darauf, dass es in Deutschland viele gut arbeitende Fintechs gebe.

Wirecard galt einst als eines der erfolgreichsten aufstrebenden Unternehmen Deutschlands. Der Kurs des Zahlungsabwicklers ist seit dem 18. Juni massiv eingebrochen, als bekannt wurde, dass 1,9 Milliarden Euro an Mitteln wahrscheinlich nicht existieren.

Die Tochter Wirecard North America hat indes einen Verkaufsprozess angestoßen, wie aus einer Mitteilung aus der Nacht zum Dienstag hervorgeht.

(Ergänzt um Ausweitung der Finanzierungsrunde im 7. Absatz)

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