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Berichte aus italienischen Krankenhäusern: Erschöpftes Personal und überfüllte Notaufnahmen

Vor allem in sozialen Medien tauchen immer wieder Berichte italienischer Krankenhaus-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen auf. Ihre Worte klingen ähnlich: Die Notaufnahmen sind ausgelastet, doch immer mehr Infizierte werden eingeliefert.

Die Erkrankung des Coronavirus, Covid-19, greift vor allem die Lunge an. Hier ist ein CT-Scan einer Lunge zu sehen. (Symbolbild: gettyimages / Paul Biris)

Das Bild der Krankenschwester Elena Pagliarini ist zu einem Symbol geworden. Wie sie erschöpft ihren Kopf auf einen Schreibtisch gelegt hat und eingeschlafen ist – die Brille zur Seite gelegt, ansonsten in voller Montur: mit Atemschutzmaske, Latexhandschuhen, OP-Kittel und Haube. Das Foto hat ihre Kollegin Francesca Mangiatordi aufgenommen und auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht. Die beiden Frauen arbeiten in einem Krankenhaus in Cremona, einer Stadt in der norditalienischen Region Lombardei. Zahlreiche Medien, nicht nur in Italien, haben das Foto seither genutzt, um den Zustand des italienischen Gesundheitssystems in Zeiten des Coronavirus zu illustrieren.

Totale Erschöpfung

Weil sie ihr Bild nicht unkommentiert lassen wollte, hat Pagliarini nun der Corriere della Sera, der meistgelesenen italienischen Tageszeitung, ein Kurzinterview gegeben. Hierzulande hat unter anderem der Stern darüber berichtet. Darin sagt Pagliarini: „Ich habe mich in dem Moment entmutigt gefühlt. Meine Schicht war gerade zuende und ich war total erschöpft. Bevor ich einschlief, weinte ich.“

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Das Foto entstand um sechs Uhr morgens, nach einer Nachtschicht in ihrer Notaufnahme. Die muss momentan in einer der am stärksten vom Coronavirus betroffenen Regionen Italiens funktionieren. Einerseits, sagt Pagliarini, schäme sie sich für diesen Moment der Verwundbarkeit, der in so vielen Zeitungen veröffentlicht wurde. Andererseits freue sie sich über die vielen schönen Nachrichten, die sie danach erhalten habe.

Szenen, die das Personal mit nach Hause nimmt

Auch wenn die nicht nötig sind, denn sie sagt: „Ich arbeite mit großer Leidenschaft und niemand muss sich dafür bei mir bedanken. Und eigentlich fühle ich mich körperlich auch nicht müde. Ich könnte notfalls 24 Stunden durcharbeiten.“ Dennoch könne sie das Ende der akuten Lage des Coronavirus nicht erwarten, denn eines bereite ihr daran wirklich Sorgen: „Dass ich gegen einen Feind kämpfe, den ich nicht kenne.“

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Auch ihre Kollegin, die sie fotografierte, kommt in dem Gespräch zu Wort. Francesca Mangiatordi sagt: „Mit diesem Foto wollte ich unsere menschliche Seite zeigen: Wir sind Frauen und Männer, und trotz des Arbeitstempos in diesen Tagen finden wir stets den richtigen Geist und die richtige Energie, um weiterzumachen.“ Dennoch, das will sie deutlich machen, sind es sehr schwere Tage: „Die körperliche Ermüdung geht vorbei. Es ist die emotionale Anstrengung und die Szenen, die wir hier täglich erleben, die wir abends mit nach Hause nehmen.“

Wird die Gefahr unterschätzt?

Was sie damit meinen könnte, zeigt der Facebook-Beitrag eines italienischen Arztes vom vergangenen Samstag. Daniele Macchini, er arbeitet rund 80 Kilometer entfernt, in Bergamo. In einem langen Text, der mittlerweile knapp 40.000 Mal geteilt wurde, schreibt er: „Ich sehe die Müdigkeit in den Gesichtern des Personals, jeder gibt sein Bestes, um die Erkrankten zu versorgen. Ich sehe viel Solidarität. Ich sehe aber auch Krankenschwestern mit Tränen in den Augen, weil sie nicht alle retten können.“

Macchini fährt fort: „Ich weiß, wie wichtig es ist, keine Panik zu erzeugen. Aber ich habe das Gefühl, dass sich die Menschen der Gefährlichkeit von Covid-19 nicht bewusst sind, wenn sie weiterhin ins Fitnessstudio gehen wollen oder Fußballturniere veranstalten.“

Er selbst hat erlebt, wie das Krankenhaus, in dem er arbeitet, auf das Coronavirus vorbereitet worden war: Stationen wurden geräumt, Patienten verlegt. Die Gänge kamen Macchini Tage zuvor noch wie leergefegt vor, es war wie die „Ruhe vor einem Krieg“. Der sei aber mittlerweile ausgebrochen. „Ein Infizierter nach dem anderen taucht hier in der Notaufnahme auf. Covid-19 kann bei älteren Menschen (nicht nur) ein Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom (SARS) verursachen. Die müssen dringend mit Sauerstoff behandelt werden.“

Die Fälle multiplizieren sich

Mittlerweile multiplizierten sich die Fälle, zwischen 15 und 20 Aufnahmen pro Tag verzeichnete sein Krankenhaus gerade. „Es gibt keine Chirurgen, Urologen und Orthopäden mehr, wir sind alle nur noch Ärzte, Teil eines Teams, um diesem Tsunami standzuhalten. Es gibt keine Schichten mehr, keine Stunden, kein soziales Leben für uns.“

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Deshalb bittet Macchini am Ende eindringlich: „Bitte, hören Sie uns zu. Versuchen Sie, nur für unverzichtbare Dinge aus dem Haus zu gehen. Und greifen Sie ihren älteren Familienmitgliedern unter die Arme. Gehen Sie für diese einkaufen. Wir hier im Krankenhaus beeinflussen das Leben und den Tod von Dutzenden Menschen. Sie können mit Ihrem Verhalten viel mehr erreichen.“

Eine exponentielle Ansteckungsrate verhindern

Nur so kann erreicht werden, dass die Ansteckungsrate nicht weiter exponentiell wächst. Wodurch die Gesundheitssysteme entlastet und alle Patientinnen und Patienten optimal versorgt werden können. Das gilt nicht nur, um die Situation in Italien zu entspannen, sondern auch für Deutschland: Warum, das veranschaulicht dieses kurze Video des Bundesgesundheitsministeriums sehr gut.

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