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BEFESA IM FOKUS: Industrierecycler will China ein wenig grüner machen

·Lesedauer: 5 Min.

LUXEMBURG (dpa-AFX) - Wer an Nachhaltigkeit denkt, lässt wahrscheinlich vor seinem inneren Auge grüne Wälder, blühende Wiesen und saubere Seen vorbeiziehen. Aber Aluminiumsalzschlacken und Stahlstaub? Geht gar nicht, möchte man im ersten Moment sagen - bis einem dämmert, dass der ganze Industriemüll ja irgendwie entsorgt werden muss. Und genau da kommt der Recycler für industrielle Reststoffe Befesa <LU1704650164> mit Sitz in Luxemburg ins Spiel. Mit seinen Umweltdienstleistungen liegt das Unternehmen zwar voll im Trend, doch die Anleger erlebten seit dem Börsengang im November 2017 eine regelrechte Achterbahnfahrt. Was bei Befesa los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

WAS BEI BEFESA LOS IST:

Die Geschichte von Befesa reicht zurück bis in das Jahr 1987, als das deutsche Industriekonglomerat Metallgesellschaft den Umweltdienstleister Berzelius Umwelt Service gründete. Dieser verschmolz sechs Jahre später mit zwei spanischen Wettbewerbern zum Unternehmen Berzelius Felguera (Befesa). Der Recycler war um die Jahrtausendwende in Madrid börsennotiert, wurde kurz danach mit einem Wettbewerber fusioniert und schließlich 2013 vom Finanzinvestor Triton übernommen, der Befesa in Frankfurt an die Börse brachte. Triton trennte sich im Juni 2019 endgültig von seinem Engagement bei Befesa.

Aktuell will Befesa im weltgrößten Stahlmarkt China expandieren. Auch dort nimmt das Unternehmen den Konzernen den gefährlichen Stahlstaub gegen Gebühr ab und gewinnt daraus Zink. Das ist tendenziell ein gutes Geschäft, solange die Konjunktur brummt und der Zinkpreis steigt - wie zwischen 2016 und Anfang 2018. Seitdem aber bestimmen internationale Handelskonflikte und globale Konjunktursorgen zunehmend das Bild, so dass auch der Zinkpreis unter Druck geriet.

Im ersten Halbjahr 2020 bekam Befesa zudem die Folgen der Corona-Krise zu spüren - die Metallpreise sackten noch einmal stark ab. Damit fiel das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um fast ein Drittel und der auf die Anteilseigner entfallende Nettogewinn brach um rund die Hälfte ein. Hinzu kamen hohe Abschreibungen an einem Standort in Großbritannien. Ende Juli sah der Konzern erste Anzeichen für eine moderate Erholung und bestätigte die Jahresprognose.

Mitte September machte Befesa dann noch einmal von sich reden, als das Unternehmen in den Nachhaltigkeitsindex GCX (Global Challenges Index) aufgenommen wurde. Dieser von der Börse Hannover und der Agentur Oekom Research im Jahr 2007 lancierte Aktienindex hat mit die striktesten Auswahlkriterien, was ihn für besonders nachhaltigkeitsorientierte Anleger interessant macht. Befesa ist Teil der Kreislaufwirtschaft und trägt insofern zum Umweltschutz bei, als es eigenen Angaben zufolge jährlich mehr als 1,5 Millionen Tonnen gefährliche Rückstände recycelt und mehr als 1,2 Millionen Tonnen neue Materialien produziert, die den Verbrauch natürlicher Ressourcen reduzieren.

WAS ANALYSTEN SAGEN:

Analysten blicken überwiegend positiv auf die Aktien von Befesa. So lobte der Experte Benjamin Pfannes-Varrow von der Privatbank Berenberg, dass sich der Recycler jüngst stärker gegen Preisbewegungen bei Zink abgesichert habe. Der Fachmann Olivier Calvet von Kepler Cheuvreux schrieb, Befesa sei führend bei der Verarbeitung von Staub aus der Stahlproduktion und Salzschlacken. Im Stahlstaubgeschäft sei man in China als Erster am Start.

Etwas skeptisch auf das China-Geschäft blickte Analystin Sylvia Barker von der US-Bank JPMorgan und senkte ihre bereinigte operative Ergebnisschätzung für 2021. Damit trug sie dem Zeitplan des Recyclers für eine neue Produktionsstätte in China Rechnung.

Sylvia Barker ist auch die einzige der acht von der Nachrichtenagentur Bloomberg erfassten Analysten, die den Befesa-Aktien gegenüber lediglich neutral eingestellt sind. Alle anderen Fachlaute raten zum Kauf der Papiere. Zu den Optimisten zählt auch der Experte Ingo Schachel von der Commerzbank. Nachdem das zweite Quartal nicht so schlecht wie befürchtet ausgefallen sei, könnte im November eine zusätzliche Dividende ausgeschüttet werden.

WAS DIE AKTIE MACHT:

Befesa hatte seine Aktien im November 2017 zum Preis von 28 Euro je Stück verkauft. In den folgenden Monaten ging es für die Papiere im Schlepptau des anziehenden Gesamtmarktes rasant nach oben, bis im Juli 2018 bei 46,65 Euro ein Rekordhoch erreicht wurde.

Das insgesamt schlechte Börsenjahr 2018 forderte dann auch von Befesa seinen Tribut, so dass die Papiere zwischenzeitlich die 35-Euro-Marke rissen. Allerdings fällt auf, dass die Anteilsscheine im darauf folgenden Jahr nur sehr zaghaft an der breiten Markterholung teilnahmen: Während der Nebenwerteindex SDax <DE0009653386> 2019 fast ein Drittel an Wert gewann, schafften die Anteilsscheine von Befesa lediglich ein Plus von gut 1 Prozent.

Nach einer steilen Erholung sorgte dann die Corona-Krise für den nächsten Schlag: Der Aktienkurs stürzte im März bis auf das Rekordtief von 22,75 Euro ab. Doch fast genauso schnell wie die Talfahrt erfolgte, ging es auch wieder nach oben. Aktuell notieren die Anteilsscheine komfortabel über dem einstigen Ausgabepreis.

Aus charttechnischer Sicht erweist sich die Region um die 36 Euro als starke Widerstandszone, an der die Befesa-Aktien im laufenden Jahr bereits mehrfach gescheitert sind. Erst Anfang Oktober hatten die Papiere wieder einmal zwei Versuche gestartet, die aber auch scheiterten. Am Donnerstag schlossen die Papiere mit 35,70 Euro.

Andererseits zeigt der Trend auf kurze, mittlere und lange Sicht nach oben. So bewegt sich der Befesa-Kurs bereits seit einigen Tagen über den 21- und 50-Tage-Durchschnittslinien. Die 200-Tage-Linie dient bereits seit Ende August als gute Unterstützung. Zudem ist der Aktienkurs bei etwa 30 Euro und damit in der Nähe des Zwischentiefs von Mitte Juni gut nach unten abgesichert.