Deutsche Märkte geschlossen
  • Nikkei 225

    26.433,62
    -211,09 (-0,79%)
     
  • Dow Jones 30

    29.602,06
    -308,31 (-1,03%)
     
  • BTC-EUR

    16.241,98
    +28,62 (+0,18%)
     
  • CMC Crypto 200

    380,50
    +15,91 (+4,36%)
     
  • Nasdaq Compositive

    12.190,69
    -15,15 (-0,12%)
     
  • S&P 500

    3.618,35
    -20,00 (-0,55%)
     

Bafin verlangt von Banken auch 2021 „allergrößte Zurückhaltung“ bei Dividenden

·Lesedauer: 3 Min.

Die meisten deutschen Geldhäuser sollen nach Ansicht der Finanzaufsicht auf Ausschüttungen und Boni verzichten. Die EZB legt sich noch nicht fest.

Die Finanzaufsicht sieht schwere Zeiten auf deutsche Banken zukommen. Foto: dpa
Die Finanzaufsicht sieht schwere Zeiten auf deutsche Banken zukommen. Foto: dpa

Die Eigentümer vieler deutscher Banken werden auch im kommenden Jahr keine Dividendenzahlung erhalten. Die Finanzaufsicht Bafin machte am Dienstag deutlich, dass die Geldhäuser wegen der Coronakrise auch 2021 lieber ihr Geld zusammenhalten sollten als es an ihre Anteilseigner auszuschütten. „Wir erwarten da allergrößte Zurückhaltung“, sagte der oberste Bankenaufseher Raimund Röseler auf der Handelsblatt-Tagung „European Banking Regulation“.

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bafin haben den Geldhäusern bereits 2020 nahegelegt, keine Dividenden auszuschütten, um drohende Kreditausfälle in der Coronakrise verdauen und genügend Kredite an Unternehmen vergeben zu können. Diese Empfehlung ist rechtlich zwar nicht bindend, faktisch ist es für Banken aber schwer, gegen den Willen der Finanzaufsicht zu handeln. Viele Geldhäuser haben das pauschale Vorgeben der Behörden heftig kritisiert. Sie klagen unter anderem, dass Investitionen in Finanzinstitute für Investoren so noch unattraktiver werden.

Die Finanzaufsicht werde erst im Dezember eine förmliche Entscheidung über den Umgang mit Dividenden 2021 treffen, sagte Röseler. Da sich die wirtschaftliche Situation im Zuge der Pandemie verschlechtere und viele Firmenpleiten vermutlich erst im nächsten Jahr aufträten, werde man den Banken aber keinen völligen Freiraum geben. „Wir werden im Dezember zumindest dazu mahnen, dass man sehr zurückhaltend ist, wenn es darum geht, Geld oder Kapital aus dem System abzuziehen“, sagte Röseler. „Das gilt für die Dividenden, und das gilt natürlich auch für Boni.“

Die Bafin ist für die Kontrolle von kleinen und mittelgroßen Banken in Deutschland zuständig. An der Beaufsichtigung von Großbanken ist die Behörde ebenfalls beteiligt, die Federführung liegt hier jedoch bei der EZB.

Laut Andrea Enria, dem Chef der EZB-Bankenaufsicht, ist es noch völlig offen, ob Großbanken ihre Dividendenzahlungen 2021 wieder aufnehmen dürfen. Die europäische Finanzaufsicht werde darüber erst im kommenden Monat entscheiden und dabei auch die makroökonomischen Vorhersagen der EZB berücksichtigten.

„Wir wissen nicht, wie krank der Patient ist“

Im dritten Quartal habe sich Wirtschaft besser entwickelt als erwartet, im vierten Quartal könne es wegen der Verschärfung der Coronakrise jedoch schlechter laufen als prognostiziert, sagte Enria. „Die Risiken überwiegen derzeit definitiv.“ In einem Extremszenario könnten die faulen Kredite in den Bankbilanzen laut EZB-Schätzungen auf 1,4 Billionen Euro ansteigen. Das wäre mehr als nach der Finanzkrise 2008.

Auch Bafin-Aufseher Röseler geht davon aus, dass die Coronakrise für die Geldhäuser „schmerzhafte Folgen“ haben wird. Eine systemische Bankenkrise erwarte er zwar nicht, aber durchaus Pleiten einzelner Institute. „Wir gehen davon aus, dass die eine oder andere Bank vom Markt verschwindet.“

Viele Institute haben den Ernst der Lage bisher aber offenbar nicht erkannt. „Die Mehrheit der Banken ist noch entspannt“, berichtet Röseler. Er teile diesen Optimismus jedoch nicht und tausche sich derzeit regelmäßig mit einer Reihe von skeptischeren Bankmanagern aus, die aus Sicht von Röseler eine realistischere Erwartungshaltung haben.

Dass die deutschen Banken bisher recht gut durch die Coronakrise gekommen sind, ist aus Sicht von Röseler maßgeblich auf die staatlichen Hilfsprogramme, regulatorische Erleichterungen und die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht zurückzuführen. „Wir haben schlicht und ergreifend das Fieberthermometer weggelegt und wissen nicht mehr, wie krank der Patient ist.“