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Greensill Bank vor Zahlungsstopp durch Bafin - Insolvenz in GB

Steven Arons, Nicholas Comfort, Lucca de Paoli und Luca Casiraghi
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Während die deutsche Finanzaufsicht kurz davor steht, einen Zahlungsstopp über die Bremer Greensill Bank AG zu verhängen, hat der Mutterkonzern in Großbritannien mit Vorbereitungen für die Anmeldung einer Insolvenz begonnen. Gleichwohl gehen Verkaufsgespräche für das operative Geschäft weiter.

Die Bafin könnte die Maßnahme - ein Moratorium - über die deutsche Bankentochter der Greensill Capital kurzfristig anordnen, sagten mit der Situation vertraute Personen. Die Sanktion ist eine der härtesten im Waffenarsenal der Finanzaufsicht. Damit sollen Vermögenswerte einer strauchelnden Bank für Einleger und Gläubiger gesichert werden.

Für den hinter der gleichnamigen Firma stehenden australischen Finanzier Lex Greensill ist dies die jüngste Kalamität. Sein Plan, das Factoringgeschäft - eine Nische im Welt-Finanzsystem - zu revolutionieren geriet diese Woche aus der Spur, nachdem Kreditversicherungen abgesprungen waren und damit Zweifel am Wert der von ihm vermittelten Darlehen auslösten. Greensill versucht derzeit, sein operatives Geschäft an Athene Holding Ltd zu verkaufen.

Die Bafin wollte den möglichen Zahlungsstopp nicht kommentieren. Greensill wollte nicht unmittelbar Stellung nehmen.

Zuvor hatte die Bafin bereits einen Sonderbeauftragten bei der Bank eingesetzt, um das Tagesgeschäft zu überwachen. Die Behörde hatte die Bücher der Bank bereits in den vergangenen Monaten geprüft. Das Institut war wegen seines rapiden Wachstums ins Visier von Bafin und Einlagensicherung geraten. Die Aufsicht befürchtet, dass zu viele Vermögenswerte in den Büchern an Unternehmen des britisch-indischen Unternehmers Sanjeev Gupta gebunden sind.

Gupta ist in Deutschland kein Unbekannter: Seine Liberty Steel Group versuchte letztes Jahr, das Stahlgeschäft von ThyssenKrupp AG zu kaufen. Die Gespräche endeten allerdings ergebnislos, da man sich auf keinen Preis einigen konnte.

Die Greensill Bank finanziert sich überwiegend über Einlagen, die sie mit vergleichsweise hohen Zinsen anwirbt. Wichtig für die Vermittlung von Privatkunden - die 2019 rund 27% der Einlagen hielten - sind auch Online-Portale wie Weltsparen und Zinspilot. Weltsparen, das nach eigenen Angaben “mehrere hunderte Millionen Euro” eingeworben hat, stoppte die Angebote der Bank vorerst.

Die Schweizer GAM Holding AG hatte bereits am Dienstag erklärte, sie werde einen 700 Millionen Euro schweren Fonds abwickeln, der in von Greensill vermittelte Kredite investiert hat. Am Vortag hatte bereits Credit Suisse Group AG einen Fonds im Volumen von 10 Milliarden Dollar (8,3 Milliarden Euro) eingefroren und erhebliche Zweifel an der Werthaltigkeit der Assets als Grund genannt.

Die Schweizer Großbank tat diesen Schritt, nachdem am Montag Bond and Credit Company, eine australische Tochter von Tokio Marine Holdings Inc., Kreditversicherungen für einige Assets in dem Fonds nicht verlängern wollte, so Dokumente, die in einem australischen Gericht hinterlegt wurden. Ohne diese Versicherungen ist die Bewertung der Kredite schwierig und die Bank entschloss sich, den Fonds zu schließen, sagten mit dem Fall vertraute Personen.

Unterdessen spricht Greensill weiter mit Athene und seinem Teileigentümer Apollo Global Management Inc. über einen Verkauf, sagten mit der Transaktion vertraute Personen. Greensill selbst bestätigte nur Gespräche mit einer ungenannten “führenden globalen Finanzinstitution”, mit der man noch diese Woche zu einem Abschluss kommen wolle. Der Verkauf würde “große Teile von Greensills operativem Geschäft und von den verwalteten Vermögenswerten” umfassen, hieß es von Greensill. Dow Jones berichtete, es ginge um 7 Milliarden Dollar.

Die Greensill Bank ist Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Darüber sind Einleger auch über das gesetzliche Minimum von 100.000 Euro hinaus versichert.

Die scharfe Haltung der Bafin in Sachen Greensill steht im Kontrast zu ihrem Verhalten bei Wirecard AG. Dort hatte die Behörde nur langsam und widerstrebend auf Vorwürfe über Fehlverhalten reagiert. Wirecard hatte ebenfalls eine Bank in Deutschland betrieben, um sein Wachstum voranzutreiben.

Überschrift des Artikels im Original:German Regulator Close to Freezing Greensill Bank Payments (1)

(Neu: Insolvenzanmeldung in Großbritannien.)

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