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AUTO1 IM FOKUS: Wachstum kostet Gebrauchtwagenhändler an Profitabiltät

·Lesedauer: 5 Min.

BERLIN (dpa-AFX) - Der seit Anfang Februar an der Börse gelistete Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 <DE000A2LQ884> steckt viel Geld ins Wachstum. Das schmeckte zuletzt nicht allen Aktionären. Nach einem Kurssprung am ersten Handelstag ging für die Aktien nach unten, zuletzt stabilisierten sie sich ein Stück weit. Was Auto1 umtreibt, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI AUTO1:

Das 2012 gegründete Berliner Unternehmen betreibt eine Online-Handelsplattform, über die Autohändler in mehr als 30 Ländern Gebrauchtwagen an- und verkaufen können. Über diese Plattform sollen in diesem Jahr 554 000 bis 580 000 Autos den Besitzer wechseln. Mit diesem Großhandelsgeschäft macht Auto1 unter gleichem Namen bislang das größte Geschäft.

Wachsen will das Unternehmen aber vor allem mit dem eigenen Händler Autohero, der sich an private Interessenten richtet. Mit viel Werbung möchte Auto1 dieses Geschäft ankurbeln. 2021 sollen über die Plattform bis zu 43 000 gebrauchte Autos veräußert werden, im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 10 000. Private Interessenten bekommen ihr Auto direkt nach Hause geliefert oder zu einer passenden Abholstation in der Nähe.

In Deutschland ist Auto1 auch mit der Marke "wirkaufendeinauto" unterwegs, für die das Unternehmen vor allem im Fernsehen reichlich Werbung schaltet. Private Autoverkäufer können bei über 400 Abgabestationen in Europa ihr Fahrzeug zum vorher online festgesetzten Preis losschlagen. Zudem will Auto1 die Kapazität seiner Werkstätten, die gebrauchte Autos zum Verkauf aufbereiten, im kommenden Jahr auf bis zu 200 000 Stück vervierfachen.

Der Konzern versucht derzeit seine Bekanntheit unter anderem durch Fußball-Sponsoring zu steigern. So ist Auto1 seit dieser Saison auf der Trikotvorderseite des Fußballvereins Hertha BSC Berlin zu sehen und ist auch Partner von Paris Saint-Germain. Zudem baut Auto1 seine Flotte mit Lkws aus, die die Autos in Anhängern mit durchsichtigen Glasscheiben bis zur Haustür der Kunden liefern.

Der Online-Gebrauchtwagenhändler hatte es nach seinem Börsendebüt bereits nach nur vier Monaten in den Index der mittelgroßen Werte geschafft. Doch der Aufstieg in den MDax <DE0008467416> konnte den Aktien des Berliner Gebrauchtwagenportals Auto1 keinen Schwung geben, sondern die Anteilsscheine verloren über Wochen an Wert.

Unter anderem lag das daran, dass sich einige Altaktionäre recht flink von ihren Anteilen getrennt hatten. Anfang Juni versilberten mehrere Aktionäre ihre Anteile. Zuletzt hat Auto1 die Investoren mit der gesenkten Prognose für die operative Marge verschreckt. Der Gebrauchtwagenhändler will noch mehr Geld in das Wachstum stecken, das drückt aber auf die Profitabilität. Nach einem starken zweiten Quartal erhöhte das Berliner Unternehmen die Umsatzprognose für 2021.

Größter Anteilseigner ist der japanische Technologieinvestor Softbank <JP3436100006>, der rund 16 Prozent der Anteile hält. Die beiden Unternehmensgründer Christian Bertermann und Hakan Koc halten zusammengerechnet noch knapp 28 Prozent. Bertermann leitet das Unternehmen, während sich Koc inzwischen in den Aufsichtsrat zurückgezogen hat.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Von den sechs von dpa-AFX sowie der Nachrichtenagentur Bloomberg seit August erfassten Experten rät die Hälfte zum Halten der Aktien, die andere Hälfte ist für einen Kauf.

Für Analystin Sherri Malek von der kanadischen Bank RBC ist die Aktie von Auto1 weiterhin ein Kauf bei einem Kursziel von 70 Euro. Mit der guten Entwicklung von Autohero könne eine positive Neubewertung der Aktien von Auto1 einhergehen, glaubt sie.

Analyst Marcus Diebel von der US-Bank JPMorgan attestierte dem Online-Gebrauchtwagenhändler zwar ein solides zweites Quartal und erhöhte die Schätzungen für den Umsatz im laufenden und kommenden Jahr. Allerdings würden höhere Investitionen in Autohero die Marge belasten. Deshalb senkte Diebel seine Prognose für die bereinigte operative Ergebnismarge (Ebitda-Marge) für das laufende Jahr.

Die Ergebnisse zum zweiten Quartal enthielten nach Ansicht von Analyst Adam Berlin von der Schweizer Großbank UBS mehr Positives als Negatives. So habe der Konzern die Jahresprognose für den Absatz von Autohero erhöht. Zudem sei der Bruttogewinn je Auto dank höherer Verkaufspreise gestiegen. Allerdings impliziere der Jahresausblick höhere Kosten als vom Markt erwartet. Zudem sei das Wachstum von Autohero im zweiten Jahresviertel im Vergleich zum Vorquartal eher begrenzt gewesen. Insgesamt schätzt der UBS-Experte die kurzfristige Handelsdynamik bei dem Unternehmen positiv ein, zweifelt aber am langfristigen Wachstumspotenzial. Deshalb empfiehlt er, die Aktie bei einem Kursziel von 46 Euro zu halten.

Für Analyst Andrew Ross von der britischen Investmentbank Barclays muss das Endkundenportal Autohero noch weitere Erfolge nachweisen, bevor er positiver für die Aktien wird. Sein Rat lautet, das Papier ebenfalls zu halten.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die Auto1-Aktie hat bisher eine durchwachsene Börsenbilanz. Dabei sah zunächst alles rosig aus: Der Online-Gebrauchtwagenhändler schaffte es, seine neuen Aktien am oberen Ende der Preisspanne zu verkaufen. Vom Ausgabepreis in Höhe von 38 Euro ging es Anfang Februar gleich am ersten Handelstag bis auf fast 57 Euro nach oben.

Die Euphorie hielt allerdings nicht lange an und der Kurs bröckelte peu à peu bis auf das bisherige Tief von 34,46 Euro Ende Juni ab. Danach konnte sich die Aktie bis auf rund 42 Euro erholen, bevor die Senkung der Margenprognose durch das Management den Kurs wieder

Zuletzt schwankte die Aktie zwischen rund 37 und rund 39 Euro herum und damit auf dem Niveau des Ausgabepreises. Verglichen mit dem Rekordwert von 56,76 Euro ist das ein Abschlag von rund einem Drittel.

Derzeit bringt der Konzern eine Marktkapitalisierung von etwas mehr als acht Milliarden Euro auf die Waage. Das bedeutet einen Platz im vorderen Mittelfeld des MDax.

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