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Auto1-Aktie vor Debüt – die wichtigsten Fakten zum Mega-Börsengang

Herz, Carsten Köhler, Peter Holzki, Larissa
·Lesedauer: 6 Min.

Die Nachfrage nach den Papieren des Online-Gebrauchtwagenhändlers ist groß. Die Aktie wird am oberen Ende der Preisspanne ausgegeben. Was Anleger über Auto1 wissen müssen.

Fulminanter Start oder Flopp? Viel spricht für Ersteres, wenn das Start-up Auto1 am Donnerstag sein Börsendebüt feiert. Die Firma könnte zu einem der wertvollsten jungen Unternehmen Europas am Aktienmarkt werden.

Der Börsengang der Gebrauchtwagenplattform wird gut 1,8 Milliarden Euro schwer. Der Betreiber der Plattform „wirkaufendeinauto.de“ hatte die Preisspanne auf 32 bis 38 Euro je Aktie festgelegt, der finale Angebotspreis wurde am Dienstag abend mit 38 Euro am oberen Ende festgezurrt.

Die Aufmerksamkeit der Investoren ist entsprechend groß. Das Initial Public Offering (IPO), wie ein Börsengang in der Finanzbranche genannt wird, wird ein erster Testfall dafür, wie aufnahmefähig der deutsche Aktienmarkt im Schatten der Coronakrise ist. Im vergangenen Jahr hatten sich lediglich vier neue Firmen auf das Parkett gewagt.

Doch was hat die Auto1-Aktie den Anlegern zu bieten? Und wie beurteilen Investoren die Geschäftsaussichten der Plattform? Im Folgenden Antworten auf die sieben wichtigsten Fragen zum bevorstehenden milliardenschweren Börsengang:

1. Was für ein Geschäft betreibt Auto1?

Über Auto1 können Gebrauchtwagenbesitzer ihr altes Auto verkaufen. Wer auf der Internetseite „wirkaufendeinauto.de“ seinen Wagen anbietet, erhält innerhalb weniger Sekunden einen geschätzten Ankaufspreis.

Anschließend können die Kunden Details zur Ausstattung und zum Zustand des Fahrzeugs hochladen, weitere Bilder senden und bekommen dann nach der Übermittlung der Informationen an die Zentrale nach kurzer Zeit ein verbindliches Angebot.

Im Mittelpunkt des Geschäftsmodells steht ein Algorithmus, der laut Firmenangaben in Sekundenschnelle einen marktgerechten Preis bestimmt. Auto1 wurde 2012 von Christian Bertermann und Hakan Koç gegründet. Letzterer ist inzwischen in den Aufsichtsrat gewechselt.

Das Unternehmen ist in mehr als 30 Ländern tätig und gilt als Europas führender Onlineverkäufer für Gebrauchtwagen, in erster Linie an Händler. Über die Plattform Autohero vertreibt Auto1 auch Fahrzeuge an Privatkunden.

2. Verdient Auto1 schon Geld?

Bei einem Umsatz von 2,8 Milliarden Euro hat der bereinigte Betriebsverlust (Ebitda) von Auto1 nach vorläufigen Berechnungen zwischen 14,8 und 15,8 Millionen Euro gelegen, hieß es im Börsenprospekt. Dabei verkaufte das Unternehmen 457.000 Gebrauchtwagen.

Wegen hoher Investitionen werde Auto1 kurzfristig nicht profitabel sein. Binnen drei Jahren wolle das Unternehmen mit seinen gut 4000 Mitarbeitern aber auf bereinigter Ebitda-Basis schwarze Zahlen schreiben.

Genaue Geschäftszahlen für Ende 2020 wurden noch nicht veröffentlicht. In den ersten neun Monaten des Jahres 2020 ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr von 2,53 auf 2,05 Milliarden Euro zurück. Das dürfte auch ein starkes viertes Quartal nicht aufgefangen haben.

2019 hatte das Unternehmen knapp drei Milliarden Euro umgesetzt und operativ vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen einen Verlust von knapp 93.000 Euro verbucht.

3. Wie viele Aktien werden ausgegeben?

Insgesamt umfasst die Emission 48,23 Millionen Aktien, Auto1 selbst fließt damit maximal eine Milliarde Euro zu. Die Emission war laut Angaben aus Finanzkreisen mehrfach überzeichnet. Damit steigt die Bewertung des neun Jahre alten Unternehmens auf knapp acht Milliarden Euro. Vor anderthalb Wochen waren sechs Milliarden Euro erwartet worden.

Die Altaktionäre – von denen der japanische Tech-Investor Softbank mit 20 Prozent der größte ist – haben über eine Mehrzuteilungsoption weitere sechs Millionen Aktien platziert. Zwei Ankerinvestoren – Sequoia Capital und Lone Pine – erwerben den Angaben zufolge zusammen für rund 300 Millionen Euro Aktien zum Angebotspreis.

Die Aktie wird ab 4. Februar unter dem Kürzel „AG1“ an der Frankfurter Börse gehandelt. Der Börsengang von Auto1 wird von den Investmentbanken BNP Paribas, Citi, Goldman Sachs und Deutsche Bank organisiert. Die Aktien sollen am regulierten Markt (Prime Standard) notieren.

4. Wofür soll das Geld investiert werden?

750 Millionen Euro des übrig bleibenden Nettoerlöses sollen von Auto1 ins eigene Wachstum gesteckt werden, mit dem Rest sollen Schulden abgetragen werden. Ein Großteil des Börsenerlöses soll dabei in den Ausbau der neuen Internetplattform Autohero fließen, mit der sich das Unternehmen an private Gebrauchtwagen-Käufer richtet. Dazu soll das Marketing ausgebaut, Kundenbetreuer sollen eingestellt und zusätzliche Transporter gekauft werden, mit denen die Autos zu den Kunden gebracht werden.

„Wir freuen uns darauf, unsere Investorenbasis zu verbreitern, und wollen in den nächsten Jahren erheblich in den weiteren Aufbau der Marke Autohero und unser operatives Geschäft investieren“, kündigte Vorstandschef und Mitgründer Bertermann an. Das Interesse am Börsengang sei „überwältigend“ gewesen, teilte er am Dienstag mit.

5. Was lockt die Investoren?

Das Interesse an den Aktien ist groß: Schon gut eine halbe Stunde nach Beginn der Zeichnungsfrist meldete eine der beteiligten Banken genügend Kauforders, um das gesamte Emissionsvolumen auszugeben.

Die Fantasie der Investoren wird dabei vor allem dadurch gespeist, dass sich Auto1 als Technologiefirma im Plattformgeschäft präsentiert. „Durch die Analyse von durchschnittlich mehr als fünf Millionen Datenpunkten pro Tag haben wir die unserer Einschätzung nach größte Datenbank für den Gebrauchtwagenhandel in Europa geschaffen“, heißt es im Börsenprospekt.

Während der klassische Gebrauchtwagenmarkt eher stagniert, sehen Experten im Internetverkauf noch Wachstumspotenzial. Weltweit zeigen Investoren seit Monaten darum ein gesteigertes Interesse an Plattformen, auf denen Autos gehandelt werden, vor allem gebrauchte.

6. Was sind die Risiken?

Auto1 befindet sich in Rechtsstreitigkeiten mit Auto1-Fintech. Die Firma war als Joint Venture gegründet worden, um Kunden die Finanzierung von Gebrauchtwagen zu ermöglichen. Doch das Geschäft entwickelte sich nicht wie erwartet, und es kam zum Streit zwischen den Gesellschaftern.

Gegen eine Vertragskündigung seitens der Auto1 Group geht Fintech nun gerichtlich vor. Eine Fortführung der Partnerschaft könne sich negativ auf die Margen auswirken, heißt es im Prospekt.

7. Wie groß ist der Gebrauchtwagen-Markt?

Der Markt für gebrauchte Autos ist gewaltig. Gemessen an den Absatzzahlen ist er in Deutschland mit sieben Millionen Fahrzeugen pro Jahr doppelt so groß wie der Markt für Neuwagen. Der Umsatz erreichte dabei annähernd ein Volumen von 90 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Mit Neuwagen setzt die Branche 121 Milliarden Euro um.

Das Segment ist allerdings zerfasert. Der Handel mit neuen Fahrzeugen verteilt sich vor allem auf die Niederlassungen der Autohersteller und große Händlerketten. Die übernehmen in der Regel auch die Vermarktung von „jungen Gebrauchten“, die als Jahreswagen und Leasingrückläufer an Privatkunden weiterverkauft werden.

Den Internetmarkt für Gebrauchtwagen dominieren bislang zu 90 Prozent die beiden Onlineplattformen Autoscout und Mobile.de, die aber nicht selbst als Händler in Erscheinung treten.

Der Verkauf von Autos läuft in Deutschland jedoch nach wie vor weitgehend analog ab. Branchenschätzungen zufolge wurden bis vor der Coronakrise nicht einmal drei Prozent aller Neuwagen pro Jahr in der Bundesrepublik online geordert. „Der adressierbare Markt für Gebrauchtwagen in Europa ist 600 Milliarden Euro groß“, schwärmt daher Auto1-Chef Bertermann.