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ARD-Affäre: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Patricia Schlesinger, ihren Ehemann und den RBB-Verwaltungsratschef

Patricia Schlesinger (61) trat am Sonntag als RBB-Intendantin zurück, nachdem sie am Donnertag ihren Posten als ARD-Chefin geräumt hatte.
Patricia Schlesinger (61) trat am Sonntag als RBB-Intendantin zurück, nachdem sie am Donnertag ihren Posten als ARD-Chefin geräumt hatte.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen Patricia Schlesinger im Zuge der "ARD-Affäre" aufgenommen, wie der "Tagesspiegel" berichtet. Schlesinger war in den vergangenen Tagen erst als ARD-Chefin und dann auch als Intendantin des RBB zurückgetreten, nachdem Business Insider über dubiose Beraterverträge, frisierte Spesenabrechnungen und ihren Luxus-Dienstwagen berichtet hatte.

RBB-Rundfunkrat berät über Vertragsauflösung von Schlesinger

Am 16. August trifft sich der Rundfunkrat des RBB erneut zu seiner Sondersitzung, teilte das Kontrollgremium des Rundfunks Berlin-Brandenburg am Montag nach einer Sondersitzung mit. „Dort wird über letzte Fragen der Vertragsauflösung von Patricia Schlesinger und die weitere Rolle von RBB-Verwaltungsratschef Wolf-Dieter Wolf beraten werden, der sein Amt aktuell ruhen lässt."

Der Rundfunkrat bei dem öffentlich-rechtlichen Sender betonte, dass die Aufklärung der Vorwürfe gegen Schlesinger und Wolf weiterhin höchste Priorität habe. Der RBB müsse "verloren gegangenes Vertrauen wiedergewinnen, die Führungsspitze des Senders muss ihre Glaubwürdigkeit zurückerlangen, das wird ein langer Weg", sagte die Rundfunkratsvorsitzende Friederike von Kirchbach.

Ermittlungen gegen Schlesinger und ihren Ehemann

Die ARD-Affäre könnte für Schlesinger also auch juristische Konsequenzen geben, die ihre Pensionsansprüche von 15.000 Euro pro Monat gefährden könnten. Eine externe Compliance-Untersuchung wurde bereits eingeleitet, die prüfen soll, ob es juristisches Fehlverhalten von Schlesinger gegeben habe.

Die Berliner Staatsanwaltschaft sieht aber nicht nur einen Anfangsverdacht gegen Schlesinger, sondern hat nun auch ein Ermittlungsverfahren gegen ihren Ehemann, den ehemaligen Spiegel-Journalisten Gerhard Spörl und den langjährigen Verwaltungsratsvorsitzenden des RBB, Wolf-Dieter Wolf, eingeleitet.

Im Kern geht es um einen Beratervertrag in Höhe von rund 100.000 Euro zwischen der Messe Berlin und Spörl. Wolf soll persönlich die Beratung durch den Ehemann von Schlesinger initiiert hatte. Das Brisante: Wolf arbeitet nicht nur für die Messe Berlin, sondern ist auch Verwaltungsratschef des RBB. In dieser Funktion ist er für die Überwachung der Intendantin Schlesinger verantwortlich. Kurzum: Wolf spielte dem Ehemann von Schlesinger einen hochdotierten Beraterauftrag zu.

Später zeigte sich: Mit Unterstützung von Schlesinger erhielten offenbar mehrere Immobilien-Experten, mit denen RBB-Verwaltungsratschef Wolf eine Geschäftsbeziehung pflegt, Beraterverträge für ein zentrales Bauprojekt des öffentlich-rechtlichen Senders: den Bau des Digitalen Medienhauses.

tlf