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Apple knackt Börsenwert von zwei Billionen Dollar: Und jetzt?

Nils Jacobsen
·Wirtschaftsjournalist und Techblogger
·Lesedauer: 4 Min.

Der 19. August 2020 dürfte einen Ehrenplatz in den Annalen des Kultkonzerns aus Cupertino einnehmen: Apple durchbrach heute als erstes Tech-Unternehmen der Welt einen Börsenwert von zwei Billionen Dollar. Der Gipfelsturm wirft allerdings die Frage auf, wie weit Apple noch wachsen kann – als Konzern und an der Wall Street.

Tim Cook hat allen Grund zur Freude: Er ist CEO eines zweifachen Billionen-Dollar-Unternehmens  (Foto: © Apple)
Tim Cook hat allen Grund zur Freude: Er ist CEO eines zweifachen Billionen-Dollar-Unternehmens (Foto: © Apple)

Tim Cook kann sich als CEO der Superlative fühlen. Anfang August 2018 knackte Apple nach einem langen Wettkampf mit Microsoft, Amazon und Alphabet als erstes Unternehmen der Welt die magische Bewertungsmarke von einer Billion Dollar an der Wall Street. Zwei Jahre später hat Apple erneut Geschichte geschrieben und im heutigen Handelsverlauf bei Kursen von 467,80 Dollar gar kurzzeitig die Marke von zwei Billionen Dollar in der Marktkapitalisierung durchbrochen.

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Dass die Anteilsscheine von Apple zum Handelsschluss bei 462,83 Dollar wieder unter der historischen Schwelle markierten – geschenkt. Nie in der Börsengeschichte war ein US-Unternehmen wertvoller als Apple heute. (Der Öl-Multi Saudi Aramco hatte im vergangenen Dezember direkt nach dem Börsengang kurzfristig als erstes Unternehmen der Welt die magische Bewertungsmarke von zwei Billionen Dollar erreicht, notiert aktuell aber signifikant hinter Apple.)

Apple hat in fünf Monaten mehr als eine Billion Dollar an Börsenwert gewonnen

Die Umstände des nächsten Meilensteins könnten denkwürdiger kaum sein. Nicht nur erscheint der Traumlauf, der der Apple-Aktie seit Jahresbeginn zu einem Kursplus von 60 Prozent verhalf, nach einem bereits enorm starken Vorjahr mit einer glatten Kursverdopplung bemerkenswert.

Seit dem Jahrestief auf dem Höhepunkt der Corona-Krise haben sich die Anteilsscheine des iKonzerns gar mehr als verdoppelt. Das bedeutet auch: Mitten in der tiefen Rezession der Corona-Pandemie hat Apple seinen Börsenwert mal eben binnen fünf Monaten um mehr als eine Billion Dollar gesteigert!

Zwei-Billionen-Dollar-Marke ohne neue Produkte erreicht

Für Branchenkenner und Marktexperten kommt Apples neuerlicher Gipfelsturm nicht überraschend. Bereits nach dem Durchbruch der ersten Billionen-Dollar-Marke prophezeite die New York Times etwa, dass “Apples Bewertung bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist”.

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Der Meinung schloss sich auch Staranalyst Ming-Chi Kuo vom taiwanischen Bankhaus TF International Securities an, der in einer Kurzstudie vor zwei Jahren den Weg für eine Bewertung von zwei Billionen Dollar aufzeigte. So richtig Kuo in seiner Einschätzung zur Bewertung lag, so wenig waren am Ende dafür jedoch neue Produkte nötig, die der gut vernetzte Apple-Analyst in Form der Smartbrille Apple Glass und des viel erwarteten Apple-Autos sah.

Apples Bewertung ist rational kaum zu erklären

Dass Apple trotzdem ohne neue bahnbrechende neue Produkte den historischen Bewertungsmeilenstein erreichte, sagt vielleicht am Ende mehr über die aktuelle Verfassung der Kapitalmärkte, an denen seit Monaten die wildesten Kursexzesse seit Jahrzehnten stattfinden, als über Apple Inc. aus.

Über praktisch ein Jahrzehnt bewegte sich die Apple-Aktie an der Wall Street nämlich in einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zwischen 10 (Mehrjahrestiefs 2013) und 20 (Allzeithochs 2018/19). Das aktuelle KGV betrug gestern nunmehr enorme 35. In anderen Worten: Der astronomische Höhenflug der vergangenen fünf Monate erfolgte gleichzeitig mit einem erheblichen Bewertungsaufschlag, der zumeist schnell wachsenden Unternehmen bewilligt wird – oder zumindest Unternehmen, die gerade ein Gamechanger-Produkt veröffentlicht haben, das das Potenzial besitzt, für beschleunigtes Wachstum zu sorgen.

“Apple ist eine Casino-Wette geworden”

Danach sieht es allerdings bei Apple nicht aus, wie die jüngsten Quartalsbilanz von Ende Juli beweist, die zwar weit besser ausgefallen ist als erwartet, aber dennoch lediglich Umsatz- und Gewinnzuwächse von 11 bzw. 12 Prozent ausweist. Und eine neue Produktkategorie wie ein neues iPhone, zumindest aber ein iPad oder die Apple Watch, die für zusätzliche Umsätze sorgen würden, ist weiterhin nicht in Sicht.

Entsprechend kopfschüttelnd reagieren einige Börsenexperten und Apple-Kenner auf die jüngste Megarallye. “Bei 460 Dollar ist Apple kein Investment mehr, zumindest kein rationales. Es ist eine letztlich eine Casino-Wette geworden”, twitterte Vermögensverwalter Andy Zaky vergangene Woche. “Es gibt nichts in Apples Pipeline, Wachstum, in den Fundamentaldaten oder der Bilanz, das ein KGV von 20 rechtfertigt, geschweige denn ein KGV von 34. La La Land”, urteilte Zaky.

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Dem Apple-Management dürften solche Einschätzungen herzlich egal sein: Der Markt hat schließlich immer recht – und der neue Börsenrekord ist Fakt. Ob Apple allerdings ähnlich schnell weitere Bestmarken (die Bewertung von 2,5 Billionen Dollar würde bei knapp 580 Dollar, die 3-Billionen-Dollar-Marke bei knapp 700 Dollar fallen) aufstellen kann, erscheint zumindest fundamental fraglich ...

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